Lotte hat tausend Namen... fast.. :-)


Das erste Mal....

In meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Hunde, woran das wohl liegen könnte? Eine gute Freundin von mir geht morgen zum ersten Mal den Wurf Lagottos anschauen, von dem sie sich einen Rüden wünscht. Natürlich muss ich bei solchen Gelegenheiten immer daran denken, wie ich meine Lotte kennengelernt habe.
Ein kleines, fiepsendes Eufelchen, das gar nicht damit einverstanden war, dass sie aus der Wurfkiste gehoben wurde und irgendeinem komisch riechenden und offenbar ganz und gar nicht zum Rudel gehörenden Menschen unter Nase gehalten wurde. Ich war hin und weg von diesem Tier. Von da an habe ich sie oft besucht, wahrscheinlich so oft, dass ich meiner Züchterfamilie so richtig auf den Keks gegangen bin. Ich habe die Tage gezählt, konnte es kaum erwarten diesen kleinen Hund auf dem Arm zu halten und mit nach Hause zu bringen. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht lang unser zu Hause sein sollte und wir später ein viel besseres für uns finden würden.
Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, jeden Tag aufgeschrieben, was ich mit meinem Hund alles tun wollen würde, was ich alles beachten wollte. Ich habe mir generalstabsmässig durch alle Beagleforen gelesen und war der Meinung auf alles vorbereitet zu sein.

Aber jedes Tier ist anders, ich hätte nie damit gerechnet, dass ich eine jagende Dreckschweindiva, die sich niemals auf den Boden legt, bekommen könnte. (Wir wünschen uns eine marys nap Reisetasche...)Ein anhängliches Wesen, das mit jedem Monat, den sie mit mir lebt andere Hund noch weniger neben sich akzeptiert und ich damit schweren Herzens wohl Einzelhundbesitzerin bleiben werde, sie findet andere Hunde nett, aber irgendwann reicht es. Sie fordert ihre Privilegien ein oder verkloppt die anderen Hunde, bis sie ihre Körbchen zurückerobert hat. Ihr ist es ja schnurz, ob die anderen auf dem Boden liegen. Es gab Momente, in denen ich mit diesen sturen Etwas überfordert war, aber ich habe viel gelernt.

Alles das wusste ich in diesem ersten Augenblick nicht, ich konnte es erahnen. Ein Welpe ist wie ein Baby und ich bin der Meinung, auch wenn wir das nicht wollen, wir binden unser Herz an unsere Tiere, vielleicht nicht wie bei Kindern, aber nahe dran. Wenn Eltern verzückt vom Geruch ihrer Kinder sprechen, dann schmunzle ich, weil mir unvermittelt Lottes Stinkfüsse in den Sinn kommen. Sie stinken wirklich und sie sind Hundehobbitfüsse, mit sooooo viel Fell dazwischen, dass ich es manchmal schneiden muss, aber für mich riechen sie nach meiner Lotte.  Wir sind wirklich ein mad team, ich kann mir nicht mehr vorstellen ohne sie zu sein. Ich war gerade eine Woche ziemlich krank im Bett, wäre ich allein in der Wohnung gewesen, ich hätte sicher die Wände angekratzt, so habe ich meinem Hund ab und zu etwas vorgelesen und die fünf Tage Zweisamkeit genossen. Sie durfte sich mit aufs Sofa kuscheln und ich bin sicher, ohne sie wäre ich nicht so schnell wieder fit geworden. Vielleicht ist das alles auch einfach nur Einbildung und vielleicht habe ich den Knall, den mir manche Menschen nachsagen, aber ich habe ihn gern. Dieses warme, weiche Wesen, das sich gerade in mein Bett geschlichen hat und sich dich an mich ankuschelt, hat mein Hundeherz erobert und gewonnen.

Ich hoffe, dass ich sie ganz lang in meinem Leben behalten darf, denn auf der anderen Seite ist der Hund eines Freundes gerade unvermittelt und brutal aus dem Leben gerissen worden. Wann immer ich daran denke, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Mit drei Jahren auf dem Spaziergang todgebissen, welche Bestie ist dazu fähig? Auch so etwas ahnt man nicht, wenn man seinen Hund zum ersten Mal auf dem Arm hält. Ich kann nur erahnen, wie schrecklich ein solches Erlebnis sein muss.  Ich habe schon zwei Hunde gehen lassen müssen, nur der Gedanke daran tut weh.
Hunde schaffen es, sich in unser Herz zu schleichen, sich auf dem Diwan des Lebens einen Ehrenplatz zu erkämpfen und mit jeder Stunde, jedem Spaziergang, jedem Monat, jedem Jahr wachsen sie einem stärker an Herz, vergrössern es pathologisch und geben dem Leben einen anderen Blickwinkel.
Wer sonst, ausser Hundehaltern, ist jeden Tag im Wald, spricht mit gross und klein, hat immer etwas zu plauschen, macht sich zum Affen und ist trotzdem glücklich dabei? Wer hat die Taschen voll klebriger Leckerli, durchgeschlabberten Beisswürsten, Hundetüten, Futterbeutel, kleinem Arzneiset (es kann immer etwas passieren! inkl. Sterilium), Messer, Taschenlampe (extra hell), einer Pfeife und natürlich dem absoluten Highlight, einem Clicker! Das sind nur die Dinge, die sich gerade in meiner Barbourjacke befinden. Ausgenommen der Leckerli, die sind im Leckerchensack. Andere Menschentragen diese Jacken als Fashionstatement, für mich sind sie ultimativ praktisch...
Diese kleinen Hundebündel bringen einen zu solch drastischen Massnahmen und sie bringen einem bei, dass es Momente gibt, in denen es einfach egal ist, wie man aussieht. Lotte musste so oft pieseln, dass ich irgendwann nur noch die Barbourjacke übergeworfen habe, dicke Schuhe an die Füsse gezogen habe und im Schweinsgalopp runter bin. Seit dem gehe ich auch ganz entspannt in Schluffklamotte spazieren, das hätte ich mir vor diesem dreifarbigen Wundertier auch nicht träumen lassen.

Trotz aller Worte lässt sich das Gefühl für meinen Hund nicht in Worte fassen, Liebe ist nicht richtig, ich liebe sie nicht wie meinen Freund oder meine Schwester oder meine Eltern. Verbundenheit auf eine sehr intime Art und Weise, ich weiss, dass sie mich lesen kann, wie ein Buch. Sie reagiert auf mich, wie ein Seismograph, manchmal sagt sie mir, wie es mir geht, bevor ich es weiss. Sie trägt es mit Fassung. Ich kenne ihre schwachen Tage und ihre Schwächen.
Es gibt Menschen, die möchte ich anschreien und ihnen sagen: "Kauf dir einen Hund, dann lernst du dich endlich selbst kennen!" Nur bei ausgeprägtem Egomanen klappt das nicht, auch das musste ich leider erfahren.

Und die Reise für Lotte und mich begann erst richtig, als ich ihr Moritz erstes Welpenhalsband anzog, sie auf den Arm nahm, mich ins Auto setze, Angst hatte, dass sie Angst haben könnte und Lotte stattdessen lieber das Auto zusammenbrüllte (schon Beaglewelpen heulen eher, als dass sie bellen), weil sie schon da lieber auf Erkundungstour gegangen wäre, als auf diesem nervigen Schoss sitzenbleiben zu müssen. Im Nachhinein ist mir klar, sie war schon da der perfekte Hund für mich. So many things to do, so many people to see, so many places to visit.

25 Gründe, warum Lotte einfach die weltbeste Beaglebegleiterin ist...

Bald ist es zwei Jahre her, zwei turbulente Jahre in denen Lotte den Job als Fels in der Brandung in meinem Leben übernommen hat. Sie war das wohl beste Weihnachtsgeschenk, das ich mir selbst hätte machen können und ich bin wohl offenbar die Person, mit der sie das Leben am liebsten teilen wollte, hier sind die Gründe (und es gäbe sicherlich noch viele mehr), warum Lotte einfach das Beste ist, was mir in vierpfotiger Form stolpernd über den Weg laufen konnte.

  • Gelassenheit, es gibt nichts, aber auch wirklich fast gar nichts, was diesen Hund aus der Ruhe bringt. Kinder? Geschenkt. Böller? Kein Thema. Ausser vielleicht saures Frauchen, das bringt sie aus dem Takt. 
  • Richtiges Benehmen an richtiger Stelle. Natürlich Übungssache, aber Lotte ist ein Naturtalent. Sie dreht auf, wenn es darum geht und liegt acht Stunden ruhig in der Uni, wenn es verlangt ist. Sie weiss einfach, wie es geht.
  • Falsches Benehmen an richtiger Stelle. Meist mit Absicht und bringt mich mindestens zum Schmunzeln, die Kinderschokolade vom Tische geklaut, nicht gesund, aber die Extraportion Milch machts wieder wett. 
  • Charme. Sie wickelt JEDEN! um den Finger. Ihr mädchenhafter Augenaufschlag ist genau getimt, sie weiss einfach, wie es geht. Sie würde sogar Kühlschränke zum Tauen bringen. 
  • Schönheit. Punkt. 
  • Das alberne Lottetier, wenn sie selbstvergessen, alles charmante ablegt und sich undamenhaft einen Stock zum Spielen sucht, ihn vor sich her wirft, hinterherrennt und dann völlig fröhlich und ausgelassen zu mir rennt, um mit mir weiter zu spielen... Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke
  • Lotte, das Arbeitstier. Dazu muss ich ja nun wirklich nichts mehr sagen. Lotte weiss genau, wann Arbeit ist. Und dann arbeitet sie. Wahnsinn. 
  • Riesige, immer noch nach Welpen riechende Pfoten. Werden hin und wieder gewaschen. 
  • Fallschirmohren, die haben alle Beagle, aber sie sind einfach wunderbar, flauschig, weich, warm, lustig, ausdrucksstark. Es gibt einen ganzen Post dazu. 
  • Ego, kleine Hunde sind wie kleine Männer, je kleiner, umso grösser das Ego. Lotte ist im Herzen ein grosser Schweizer Sennhund. Mit Nase. 
  • Parfüm, Lotte versucht mich für neue Düfte zu begeistern. Derzeit sind unsere Geschmäcker aber weit auseinander. 
  • Ausgelebte Teeniephasen, vermutlich wird mich ein trotzendes Kind nicht mehr so stark aus dem Tritt bringen, Lotte war anstrengend. 
  • Verschlafen blinzeln. Lotte ist der schlechteste aller Wachhunde. Sie verschläft sogar, wenn ich zur Tür reinkomme, knipse ich dann das Licht an, dann blinzelt sie SO süss, dass ich sie eine halbe Stunde lang wachknuddeln möchte. 
  • Wachhund sein, wenn man keinen Wachhund braucht. Lotte kein Schisshase, aber nachts ein wenig aufmerksamer. Es ist egal, ob uns ein Windstoss, ein Jogger, ein Räuber oder ein Hase entgegenkommt in der Nacht. Es wird angebellt. Was hat es auch im Wald verloren!
  • Anderen Hunden die Meinung geigen, heute hat sie einen Welpen verkloppt, der ihren Futterbeutel nehmen wollte. Gehts noch? Gibt natürlich Schimpfe vom Chef, aber ihr Arbeitseifer ist einfach der Knaller (s.o.)
  • Menschen ignorieren. Lotte hat einen ausgesuchten Geschmack, nur bestimmte Menschen haben das Recht sich der Diva zu nähern, bei allen anderen geht sie aus dem Weg und lässt sich auch auf gar keinen Fall streicheln. Besonders bei denen, die mich nerven. Tausend Dank, Lotte
  • Den höchsten Platz suchen. Klarer Napoleonkomplex. Bietet sich die Möglichkeit ist Lotte so weit oben, dass sie auf die Welt herabschauen kann. 
  • Schnarchen, ganz leise und doch hörbar. Manchmal aber auch laut wie ein besoffener Braunbär
  • Kuscheln, ab und zu, oder bei Mum darf der Hund im Bett schlafen, sie kuschelt sich dann soo eng an mich, dass ich schmelzen möchte, wegrücken ist keine Alternative, sonst schlafe ich neben dem Bett. Man glaubt nicht, wie gross ein so kleiner Hund in einem Bett werden kann. 
  • Liebe zu Männern, Lotte liebt Männer. Besonders den Mann in meinem Leben, was ich absolut verstehen kann
  • Schnelligkeit, wenn Lotte spielt kann sie extrem schnell werden, ich sehe ihr so gern dabei zu, wenn sie sich langzieht und rennt, was ihre Stöpselbeine hergeben
  • Ihre Nase, alles wird zuerst abgeschnüffelt und zwar nicht schnell schnell, sondern gaaaanz genau. Hosenbeine, Hände, Leckerchen, ......
  • Stirnrunzeln, wenn ihr etwas nicht passt
  • Ihr Bettelblick, natürlich die perfektionierte Variante. So süss! Es gibt trotzdem nichts. 

Blackfish

Kürzlich habe ich den Film "Blackfish" geschaut, eine Dokumentation über die Haltung von Orcas in Vergnügungsparks. Mir ist das Fischstäbchen im Hals stecken geblieben. Wie schrecklich, ich werde einen solchen Park nicht mehr unterstützen und auch nicht mehr besuchen.
Aber ich komme nicht drum herum mich selbst zu fragen, mache ich denn nicht das gleiche mit Lotte?
Natürlich, ich bewege sie viel, vermutlich sogar mehr, als der Normalhundehalter. Ich überlege mir immer wieder neue Herausforderungen. Aber im Augenblick liegt sie halt einfach gelangweilt neben mit im Starbucks und musste den ganzen morgen in der Uni auf ihrer Decke liegen und mehrheitlich die Klappe halten und schlafen, sie tut das mehr oder weniger gern. Verdonnere ich meinen Hund nicht auch zu einer Art Einzelhaft?

Ist das, was ich tue eigentlich artgerecht? Muss man sich als Hundehalter solche Fragen überhaupt stellen, denn so läuft das ja schon seit hunderten von Jahren.
Ich finde man muss über solche Fragen immer wieder nachdenken, besonders bei den hochspezialisierten Hunderassen, die uns heute begleiten. Nur so können wir Hundehalter die Haltung perfektionieren und trotzdem ganze Wohnungsmöbel ohne Bissspuren besitzen.
Ich denke im Augenblick also vermehrt über das Problem nach, je länger je mehr komme ich zu dem Schluss, dass es eigentlich in Ordnung ist, was ich tue. Hunde sind hochsoziale Tiere, auch wenn das manche Menschen nicht verstehen, aber ich bin Lotte Sozialpartnerin. Sie ist meine Begleitung, es ist meine Aufgabe darauf aufzupassen, dass sie nicht zu lang allein ist. Auch wenn das ab und zu trotzdem passiert, aber eben, ab und zu, weder täglich, noch wöchentlich. Das Bedürfnis nach Sozialkontakten versuche ich ihr auch zu erfüllen, indem wir regelmässig mit Hundefreunden spazieren gehen, sie spielen darf und manchmal auch ihren besten Freund verkloppen, wenn er ihr wieder auf den Senkel geht.

Sie führt sicher kein Leben, dass sie führen würden, wenn sie auf sich allein gestellt wäre. Aber würde das überhaupt noch funktionieren? Unsere Haushunde werden verhaltensgestört, wenn sie keinen Kontakt zu Menschen haben, welche tragisch schöne Studie. Da hat Lotte natürlich Vorzugsbehandlung, sie hat nicht nur Kontakt mit Menschen, nein, ich erzähle ihr sogar alles mögliche.
Ich probiere mein möglichstes, dass Madame ihre Triebe ausleben darf, ohne dass ein anderes Tier zu Schaden kommt. Ich gehe Fährten, Joggen, Velo fahren, Agility, jagen. Ich versuche keine Minute meiner Freizeit ohne Hund zu verbringen, zum Teil begleitet sie mich auch zur Uni. Sie wird also auch mit fremden Reizen überschüttet. Das war ein Kritikpunkt von vielen in dem Film, die Orcas haben zu wenig Platz und zu wenig Reize, die sie stimulieren. Bei einem Hund ist das natürlich einfacher zu erfüllen, als für einen Orca den Ozean nachzubauen, in dem adäquate Umweltreize zu finden sind. Wir können ja die  Luft auch viel zu wenig lang anhalten, um mit ihnen Gassi zu gehen.
Lotte findet die Stadt und ihre Bewohner jeden Unifreitag immer wieder wundervoll. Man findet so viele gute Dinge zum Fressen, jede Strassenecke duftet verführerisch, nach einem unglaublich langen 8 Stunden Tag Uni ist Lotte vollkommen platt. Nicht mehr zu gebrauchen, als hätte sie selbst studiert und gelernt, aber ich glaube sie versucht diesem Treiben emotional auf die Schliche zu kommen. Es geht ihr weniger um sie Menschen als um die Reize, die auf sie einprasseln, die verschiedenen Stimmungen und Wandlungen, die während einer solchen Stunde passieren. Besonders schlimm war es für sie letzte Woche, als eine Kollegin von mir ziemlich heftig für ihre Arbeit gerügt wurde. Danach war sie richtig fertig, sie würde in solchen Situationen am liebsten den Raum verlassen, wispelt auf ihrer Decke herum und schämt sich fremd. Oder wenn ich mich in einer Stunde aufrege, Lotte wird wahnsinnig, wenn sie mir dann nicht auf den Schoss springen darf (was sie natürlich nicht darf), sie versteht einfach nicht, was es soll.

Nein, ich glaube ich komme wieder einmal zum Schluss, dass ich meinen Hund so artgerecht wie möglich in mein menschliches Leben integriere und sie trotzdem Hund bleiben darf. Im Herzen, dass wissen meine Leser ja nun schon lang, ist sie sowieso eine Diva-die Kallas.. Das einzige, was sie nicht artgerecht findet ist die Futterration, aber da schaut der Mann meines Lebens drauf, letztens gabs Feigen mit Vacherin, für den Hund... Naja, ein bisschen menschlich muss man ja sein.


Wir sind einfach ein "mad-team"...

An die Arbeit!

Zugegeben, der Frostboden hat Lotte nicht zu knapp geholfen, aber man sieht, wie gerne und schnell meine Dame fährtet.


Das macht richtig Spass und danach ist Lotte für den Rest des Tages todmüde. Richtige Beaglearbeit eben.

Jagd - unnütz und unethisch?

Oftmals ist wird mir die Frage gestellt, wie ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dass ich zur Jagd gehe. Die Frage muss ich auf verschiedenen Ebenen beantworten und oftmals bekomme ich von Menschen, die nicht mehr als einen Spazierweg im Wald beschritten haben, wüste Anfeidungen zu hören.
Besonders im Herbst, wenn Treibjagden wieder Hochsaison haben und ich wieder mit Hund ausrücken kann.

Das alleroberste Argument, dass ich zu hören bekomme "Die Tiere sterben in Angst und Schrecken. Das Adrenalin verdirbt doch das Fleisch." Komisch, ein solches Argument höre ich nie, wenn ich an der Coop Kasse mein imaginäres Qualité et Prix Pouletschenkeli kaufe. Das tue ich natürlich nicht. Unsere Zuchttiere sterben qualvoll in Schlachthöfen, zu denen sie unter widrigsten Bedingungen gekarrt wurden. Bei Transport- und Produktionsbetrieben wird von vornherein eine bestimmte Prozentzahl der Tiere abgezogen, sie sterben an Herzversagen, oder weil sie zerdrückt werden. Weil es günstiger ist, werden Schlachttiere aus Deutschland nach Italien gekarrt, weil Geld gespart werden kann.
Auf der anderen Seite verlangt unsere Gesellschaft immer öfter nach Biofleisch, leider ist das Bild vom liebevoll aufgezogenen Kälbchen ein Marketinggag - entweder man ist heute Milch- oder man ist Fleischkuh, Zweinutzungsrassen und Mutterkuhhaltung sind zwar auf dem Vormarsch, aber noch längst nicht gang und gäbe- sie sind auch noch nicht rentabel genug.
Die Nachfrage nach Wildfleisch kann kaum gedeckt werden, auch dieses muss mittlerweile gezüchtet werden und wird auf ähnlich widrige Weise getötet. Wirkliches Biofleisch "wächst" nur im Wald, es darf sich auf natürlich Weise vermehren, lebt ein artgerechtes Leben, auf den Treibjagden wird es in Bewegung gebracht, damit es der Jäger schiessen kann. Würden die Tiere in voller Panik flüchten, dann hätte ich nicht letztens über ein Schwein stolpern müssen, bis ich es gesehen habe. Es ist dann davongerannt, wie es jedes Wildtier tut.
Machen wir uns nichts vor, Fleischkonsum ist der Luxus des kleinen Mannes geworden, obwohl Ernährungsberater, Umweltschützer und Ärzte gleichermassen davon abraten. Jeder Schweizer isst pro Woche ein Kilo Fleisch. Wir sind also weit entfernt von einer vegetarischen Gesellschaft. Das Futter für diese Tiere wird importiert, weil es gar nicht mehr so viel Weideland gibt, dass wir das Futter selbst anbauen könnten. Was für ein Irrsinn. Natürlich löst die Jagd so ein Problem nicht, aber grosse Jagden verkaufen unter Einhaltung ihrer Abschusszahlen bis zu zwei Tonnen Fleisch pro Jahr, aufbauen auf nachhaltiger, extensiver Landwirtschaft, es wird minimal zugefüttert.
Das, was mich an dieser Aussage auch sehr stört ist der grössere Teil der Menschheit, der im Wald unterwegs ist, "Nichtjäger". Jogger, OL Läufer, Mountainbiker, Reiter, Hündeler, wie oft bin ich im Wald unterwegs mit Hund und treffe herrenlose Hunde an, die auf geradewohl am Jagen sind. Mountainbiker, die quer durch den Wald rasen, sich nicht an Wege halten und somit auch keine Rückzugsmöglichkeiten für das Wild offen lassen, ebenso Jogger und OL Läufer, die einfach querfeldein durch den Wald pesen, als ob es kein Morgen gäbe und die Welt ihnen gehörte. Wild- und Waldschutzzonen werden grosszügig ignoriert, ein Grossteil der Tiere wird aufgescheucht, einige von ihnen verenden elendiglich vor Autos, die sie zu Tode fahren. Das ist wirklich ein hässlicher, langer Tod, wenn der Autofahrer das nicht meldet und das Tier im Wald verreckt, weil es eben nicht gleich ganz Tod war, wie es bei einem Schuss der Fall sein sollte. Es sind im übrigen die Jäger, die mit Nachsuchehunden diese Tiere aufspüren und töten müssen, unentgeltlich, das Fleisch ist selten brauchbar. In meinem Spaziergebiet ist der Stress im Sommer so gross, dass bis zu 60 Rehe überfahren werden, das dezimiert den Abschuss durch die Jäger deutlich, bringt ihnen mehr Arbeit und weniger verkauftes Fleisch und trotzdem zahlen sie jedes Jahr ihren Pachtzins.

"Jäger sind blutrünstige Arschlöcher, die nur aufs Töten aus sind." Waren unsere Vorfahren das auch? Es gab schliesslich mal eine Zeit, da musste man noch jagen gehen. Das ist nicht allzu weit von uns entfernt, während der Industrialisierung gab es meiner Meinung nach noch keine Supermärkte. Es wurde auch noch selbst geschlachtet.
Ich bin nicht dieser Meinung, aber ich denke, dass es immer einige schwarze Schafe gibt. Deshalb sollte man aber nicht alle Jäger über einen Kamm scheren, negativ Beispiele, wie das Facebookmonster Michelle Bachmann gibt es, keine Frage und schrecklich genug, dass es sie gibt. Das grüne Abitur wird in den letzten Jahren immer beliebter, ich denke nicht, dass das daran liegt, dass die Menschen blutrünstiger werden. Ich denke eher, dass sie mehr Interesse an unseren Wurzeln haben. Der Wald und seine Bewohner erden uns, geben uns Halt und viele Jäger unter anderem mein eigener Vater sehen das Ansitzen im Wald als eine Entschleunigung des Alltags, die Möglichkeit zu sich zu kommen und nachzudenken, sich über Stunden mit sich selbst zu beschäftigen. Wie oft hat mein Vater mir erzählt, was er alles im Ansitz gesehen hat und am Ende doch nicht geschossen hat. Er hatte keine gutes Gefühl, es war nicht der Tag. Die meisten Jäger sind sich, wie Tierärzte, der Verantwortung über das andere Leben bewusst. Machen sie den Finger krumm, dann stirbt das Tier. Es gibt nur wenige, die das als Nervenkitzel sehen.
Man könnte jetzt darüber diskutieren, ob es richtig ist, dass wir heute unser eigenes Fleisch bejagen, wir können es ja im Coop kaufen. Aber Jägersfrauen sind meist die einzigen, die noch ein ganzes Tier verwerten können und Niere, Leber und Herz gut herrichten können. Sie muss auch nicht nach der Kühllinie fragen oder sich Sorgen machen, dass sie es mit Gammelfleisch zu tun hat. 
Jäger wissen wo ihr Fleisch auf dem Teller herkommt, sie verwerten das gesamte Fleisch des Tieres, die Hunde bekommen jeweils das Herz, wenn ich aufbreche. Gekocht, versteht sich. Ich nehme ab und an sogar den Schweiss, also das Blut mit, um Fährten zu legen für Lotte. Die Darmteile werden im Wald gelassen und dort von Füchsen gefressen. 

"Unsere Wildbestände regulieren sich von selbst viel besser, da braucht es keine Jäger. Siehe Beispiel Genf." 
Schlichter Unfug, in Genf werden jedes Jahr 545 Sauen geschossen, von Wildhütern, das kostet den Steuerzahler allein für die Nachtjagden auf dem kleinen Gebiet 400`000 CHF, jährlich. Das ist mehr als ein Abschuss täglich, einiges mehr als auf dem Jagdgebiet von Basel beispielsweise. Da kommen noch Waffen-, Personal-, Munitionskosten dazu, wie auch die eigene Schlachtanlage, etc. Alle anderen Jagdpächter zahlen dem Staat einen Pachtzins, sie kümmern sich um Wildschäden, sind vor Ort, wenn Tiere angefahren werden, machen Zählarbeit, Kirrungen, etc. Alles unentgeltlich, sie bringen dem Staat also einen Mehrwert, den sie selbst bezahlen. Der Schuss, das was immer mokiert wird, ist der kleinste Teil der Arbeit. Jagdpächter müssen sich selbst um eine Schlachthalle kümmern, sie organisieren nicht nur Treibjagden, sondern sitzen nächtelang im Dunkeln auf dem Hochsitz und warten, durchschnittlich 30 Stunden im Ansitz, bis sie ein Tier schiessen. Das erklärt auch, warum Treibjagden von Nöten sind, es sind schlicht mehr Jäger unterwegs und die Treiber geben dem Wild Bewegung, trotzdem werden die Jäger immer noch viele Nächte im Wald verbringen. Die Abschusszahlen werden von der Politik vorgegeben und müssen erreicht werden. In Genf wird ganzjährig geschossen, alle anderen halten sich an Wildruhezeiten. Es wird auch gern argumentiert, dass man in Genf vom Jagdlärm ungestört durch den Wald gehen kann, ich gehe jeden Tag durch den Wald und sehe nur die Grünröcke, die ab und zu in ihrem Vereinsheim zu den Bläserabenden unterwegs sind. Einmal im Jahr ist der Wald gesperrt, dann ist eben Jagd. Einmal im Jahr und nachts, wenn die Jäger allein ansitzen sehe ich nur sehr selten jemanden im Wald, gerade im Winter bleiben die Menschen in ihren Wohnungen. Es wird ebenso mokiert, dass man in unseren Wäldern gar keine Tiere sehen würde, das stimmt auch nicht, man muss nur wissen, wo man sie suchen muss. Ich sehe oft frischen Aufrbuch im Wald, abgebissene Triebe an Bäumen von Rehen, aber Rehe sind Fluchttiere und Sauen sind dämmerungsaktiv und auch sehr scheu, aber von Natur aus. Bambi wird sich vermutlich selten auf den Weg stellen und sich streicheln lassen.
Wer sich schon einmal länger mit einem Biologen unterhalten hat, der wird feststellen, dass viele Naturschutzvereine, wie zum Beispiel pro natura, der Jagd nicht ablehnend gegenüber stehen. Eines steht für mich aber auch fest, manche Strukturen werden sich in den nächsten Jahren verändern. 

Jagd ist heute nicht mehr wie früher ein gesellschaftliches Highlight, sondern wird von wenigen betrieben. Sie stecken viel Geld, Zeit und Arbeit in ihre Pachten. Ansitzjagden gewinnen an Priorität, die Jagd mit Hund im Trieb wird unwichtiger. Alte Bräuche werden sich nach und nach auflösen, auch wenn ich persönlich diese Bräuche zum Teil sehr schätze. Ich mag das Jägerlatein, weil ich denke, dass jeder Zusammenschluss von Menschen eine "eigene Sprache" spricht, Hündeler, Gümmeler, Wanderer, Berufsgruppen, Sprache eint uns, bei so viele verschiedenen Menschen, die ich auf der Jagd antreffe schätze ich es, dass wir eine Sprache sprechen. Auch das althergebrachte Brauchtum mit dem letzten Bissen und dem Verblasen der Strecke wird oft belächelt oder kritisiert, der Schütze würde sich noch einmal im Blut suhlen dürfen, vor all seinen Kollegen angeben, was er tolles geschossen habe. Dabei wird einerseits nicht beachtet, dass ein Fehlabschuss grössten Spott einbringen kann, der sogar dazu führen kann, dass ein Jäger, der ein Wildstück nicht richtig angesprochen hat, nicht mehr zur Jagd eingeladen wird. Andererseits empfinde ich es als eine Rückblick auf die Jagd, wie ist es gelaufen und Ruhe einkehren lassen, die Schützen ziehen den Hut vor dem Tier und es wird nicht viel geredet dabei. Die Hörner lassen mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken laufen, manchmal heulen die Hunde dazu, Abschied nehmen. 
Das gemeinsame Essen nach der Jagd ist oft lustig und feuchtfröhlich, aber das ist auch in jedem Turnverein so, der ja auch gesellschaftlich anerkannt ist, wie auch die Studentenverbindungen, die Jägerschaft ist auch einer dieser alten Treffpunkte, in einer schnelllebigen Zeit haben junge Menschen wie ich selten die Chance sich mit älteren Menschen zu unterhalten, die nicht aus der eigenen Familie stammen. Mit älter meine ich über sechzig. Es gibt zu wenig wirklich engagierte junge Jäger in meinem Alter. Man trifft sich ein paar Mal im Jahr, redet, erfährt etwas über die anderen, auch das ist Jagd. Es wird heute oft davon geschrieben, dass die Menschen zunehmend vereinsamen, aber solche Abend verhindern das. 

Die Jagd bedeutet für mich viel mehr, als das Beschiessen von Tieren, das ist für mich der allerkleinste Teil. Es ist ein faszinierendes Sammelsurium aus Brauch, Tradition, Zusammentreffen, aber auch Lebenserfahrungen machen. Es ist kein Spass für mich, wenn ich Tier getötet wird, aber es ist auch kein Spass für mich, wenn wir unserem Wildtieren den Platz streitig machen und nicht dafür sorgen, dass sie ein artgerechtes Leben führen können. Dafür dienen letzendlich die Abschusszahlen, sie garantieren, dass die Tiere, die dem Abschuss entgehen, genügend Platz haben, dass aber auch der Bewuchs im Wald intakt bleibt, dass die Felder der Bauern, die unsere Grundnahrungsmittel herstellen intakt bleiben und ein ökologisches Gleichgewicht angestrebt wird. Ich bin dafür, dass an Orten, wo es möglich die alten Prädatoren eingesetzt werden, aber es gibt kleine, stadtnahe Reviere in denen das schlicht nicht mehr möglich ist. Luchs, Wolf und Bär brauchen viel Platz und Erfahrungen mit "Problembären" gab es ja genug in der letzten Zeit. 
Ich könnte hier seitenweise weiterschreiben, die Problematik mit Jagdhunden, die nur noch zu Schönheitszwecken gezüchtet werden, etc. Aber das führt zu weit. 

Dies ist ein sehr persönlicher Bericht und diejenigen, die ihn kritisieren möchten, die lade ich ein. Allerdings bitte ich um Sachlichkeit, persönliche Angriffe werde ich nicht dulden. 




Gastautorin bei issnruede.de

Und da wäre unser Erstlingswerk, wie immer inspiriert von meiner Beagleschönheit.

http://issnruede.de/der-beagle-ein-familienhund/

Viel Spass beim Lesen!