Hunde verwöhnen

Es gibt einen eklatanten Unterschieden zwischen dem, was Menschen tun, wenn sie ihren Hund verwöhnen möchten.. und Hunden, die von ihren Menschen verwöhnt werden möchten. 

Fangen wir einmal bei den Menschen, also bei mir an. Wenn ich meine allerliebste Lotte verwöhnen möchte, dann gehe ich lange mit ihr spazieren. Was eigentlich mir grossen Spass bereitet. Oder ich lade Freunde ein, die ihre Hunde mitbringen, die Hunde spielen und wir quatschen miteinander. 
Gelegentlich fahre ich in weit entfernte Hundegeschäfte, wahlweise mit oder ohne Lotte und suche dort für sie ein besonders schönes, gepolstertes Halsband, das ergodynamisch geformt und mit NASA Polyurethan unterlegt ist, damit der non existente Hundeschweiss besonders perfekt aufgefangen wird und es bei 90 Grad in der Waschmaschine waschbar ist. Meist auch eine solche Leine, damit mein nicht an der Leine ziehender Hund meine nicht existenten zu langen Fingernägel nicht abbrechen kann. Oder ich surfe stundenlang im Internet, um mich über die kottechnisch genialste neue Futtererfindung von irgendeinem besonders schonend produzierendem Futterhersteller zu erkundigen, der in seinem Trockenfutter nur das Herzfleisch von Angoraziegen benutzt, damit auch die nach links drehenden Omega 5 Fettsäuren meinen Hund nicht schwindelig machen. 
Ich lese sämtlich Hundeblogs im Internet, um mich über die beste neue Hundesport Erfindung, den besten Weg eine Fährte für meinen Hunde zu legen, die besten neuen Beaglelinien aus England (die endlich so schnell sind, um eine fliegende Frisbee zu fangen, oder am besten gleich ein UFO in der Schnauze verstecken können, das ist aber eher ein familieninterner Witz), die neuesten Mittelmeerkrankheiten, die bei uns eingeschleppt wurden, den neuesten Trend bei den besten Leckerchen oder sonstiges zu informieren. 
Ich surfe in wirklich abgehobenen, teuren Hundeshops, um mir ergodynamische geformte Körbchen für 200€ anzuschauen, Leinen, Halsbänder und gerne auch Spielzeug, das so aussieht, als würde Lotte es in drei Minuten zerlegt haben, anzuschauen und mir zu überlegen, ob ich eine schlechte Hundemutter bin, nur weil Lotte eben kein ergodynamisches Körbchen für 200€ besitzt. Vielleicht hat mein Hunde ja Rückenschmerzen? Vielleicht schläft sie deshalb in Positionen, in denen mir beim Hinschauen mein noch nicht allzu altes Kreuz schon wehtut? Zugegeben, es kann nicht gesund sein, wenn der eigenen Hund wahlweise zusammengerollt wie eine Katze daliegt (obwohl ich in den besagten Blogs gelesen habe, das Beagle bekannt sind für diese Schlafposition) oder den Kopf gleich ganz aus ihrem Körbchen heraushängen lässt, so dass Madame schnarcht, als würde es um den Preis im Wettsägen gehen. Schliesslich drückt ihr diese Position ein Teil ihrer Luftröhre am, ich könnte so nicht schlafen, ich würde ersticken, aber wenns gut tut....

Hunde haben eine vollkommen andere Vorstellung von verwöhnt werden. Lotte ist es, auch wenn es mir im Herzen wehtut, furzegal, mit welcher Leine ich sie vor die Tür nehme. Sie freut sich auf nichts mehr, als einen langen, ausgedehnten Spaziergang, auf dem ich mich möglichst viel mit ihr beschäftige. Blödsinn mache, neue Wege finde, ihr Stöckchen schmeissen, bis mein Arm lahm ist und zur Krönung noch mit ihr den Tümpel steige. Für Lotte ist es der grösste Luxus, wenn sie sich erst in der frisch ausgebrachten Schweinegülle, dann im Fuchskot und zu ihrem allergrössten Glück noch eine Runde in Kotze (egal welche Spezies, aber Mensch findet sie unnachahmlich genial) wälzen darf und anschliessend zu Hause nicht geduscht wird (was niemals passieren wird). 
Lotte liebt es, wenn wir die Welt erkunden. Das Halsband ist störendes Beiwerk, Leinen sind ganz und gar überflüssig. Ein Beagle ist autark, dem muss man nicht zeigen, wo es lang geht. Der perfekte Tag geht dann weiter mit einer kleinen Jagd auf Raben, den man am Ende zwar nicht erwischt, macht aber nichts, einer kurzen Fährtenverfolgung im Wald (zwischen einer halben und fünf Stunden) und anschliessend einem ausgedehnten Spiel mit einem Hundefreund, gerne ein Beagle, die spielen halt einfach so, wie Beagle gern spielen. Den anderen muss man das immer erst beibringen. 
Wenn der lange Spaziergang von mindestens drei Stunden vorbei ist, dann sollte der Napf möglichst hoch gefüllt sein. Am liebsten mit alter Pizza, Käserändern, Wursträdern und dergleichem. Hundefutter? Auch in Ordnung, nur bitte mengenmässig anpassen, der Magen sollte wohl gefüllt sein. Ob die Omega 5 Fettstrukturen darin nach links recht oder gar nicht drehen ist Lotte so derartig wurst. Für Lotte ist es dann auch der pure Luxus, wenn sie ihren Mittagsschlaf bei mir auf dem Schoss halten kann. Nichts geht über einen Menschen, der einen ausreichend ausladenden Schoss hat, ob mir dabei die Beine einschlafen ist Lotte egal, hauptsache bequem, nah dran und Frauchen hat auf keinen Fall die Chance wegzulaufen. 
Eine Sache, bei der Lotte und ich uns sehr einig sind, ist die Anzahl der Körbchen. Eins reicht bei weitem nicht aus. Lotte hat drei (in einer Zweizimmerwohnung, die aber zugegeben sehr gross ist). Nicht jedes ist ergonomisch geformt, aber jedes mit Liebe placiert. Ihr Rückzugskörbchen, ihr Beobachtungskörbchen, ihr Fernsehkörbchen. Wie schon oft im Blog erwähnt ist Lotte kein ordinärer Bodenlieger, wo ein Wille ist, steht irgendwann ein Körbchen. Mir graut vor dem Tag, an dem der Mann in meinem Leben das Körbchen aus dem Schlafzimmer entfernen will... Zumal ich ohne das leise Hintergrundschnarchen meines Waldschratbeagles vermutlich gar nicht schlafen kann. An diesen Tag denken wir noch gar nicht. Lotte ist es aber ganz und gar egal, ob das Körbchen ergodynamisch geformt und aus Schaum gefertigt ist, der ihre Wirbelsäule entlastet. Hauptsache, sie muss nicht auf dem Boden schlafen, ein ganz ordinäres Körbchen von der Landi für zehn Franken tut seinen Dienst da bestens und ist gleich schnell vollgehaart, wie alle anderen auch. Am liebsten würde sie sowieso auf dem Bett und dem Sofa schlafen. Ein Körbchen wäre eigentlich total überflüssig. 
Für Lotte ist es der pure Luxus, wenn sie den ganzen Tag dabei sein darf. Wenn etwas um sie herum passiert und wir abends am liebsten noch Hundeschule haben, oder Tricktraining, oder Longieren oder so.. Hauptsache, wir machen es gemeinsam. Sie ist ein Meutehund, ich bin ihre Ersatzmeute, dem muss ich mich stellen und mir bewusst sein. 



Vielleicht sollten wir manchmal daran denken, was für unsere Hunde Luxus ist. Denn so ein gemeinsamer Spaziergang ist Luxus, ich lache mich krumm, wenn ich mich mit Lotte auf dem Hundeplatz um ein Spielzeug balge und sie mich hinterher so unglaublich zufrieden anschaut. Natürlich finde ich es wichtig, auf die Ernährung, etc. zu achten. Aber manchmal übertreiben wir es einfach, wir lassen uns Dinge einreden von Menschen, deren Meinung nichtig ist, deren Rat wir nicht brauchen, weil man es manchmal einfach so machen muss, wie man es selbst für richtig hält. 
Ich hoffe, ich kann mein Vorhaben, weniger lesen, mehr spielen, mehr Spass, mehr Blödsinn, selbst umsetzen. Natürlich möchte ich weiterhin einen gut erzogenen Hund haben, aber manchmal muss man die Balance selbst finden. Lotte und ich finden sie immer besser. 


Ich atme dich ein 
und nie wieder aus. 
Schließ' dich in mein Herz. 
Lass dich nicht mehr raus.
(Philipp Poisel, Eiserner Steg)



Welpen kriegen ist nicht schwer...

Welpen haben, dagegen sehr!
Wir haben fünf davon bei meiner Mami durch den Garten fegen und man könnte meinen, fünf wären eine leicht überschaubare Anzahl. Falsch. Aber dazu später mehr.

Lotte und ich haben also Ferien gemacht bei Mami, danach bin ich nach Hause, die Kleinen waren kaum geboren. Aber die Veränderung in unserer Familie war bereits spürbar. Lady, unsere tolle Hündin war nicht mehr so locker drauf, wie eh und je. Nein, sie verteidigte ihre Welpen gegen alle, jeden und auch gerne gegen uns. Zu ausgewählten Tageszeiten und ausgewählte Personen durften die Kleinen anfassen. Fremde? No way! So bin ich nach meinen drei Wochen wieder nach Hause, um zu arbeiten, aber welch grosse Freude, das Schicksal gab mir die Chance noch weitere neun Tage bei unseren Kleinen zu sein (vielen Dank an diejenigen, die meine Schichten übernommen haben! I owe you biggg!!).
So fuhren Lotte und ich mit der Katastrophenbundesbahn wieder nach Bielefeld (mit einem Direktzug, dreimal umsteigen.....). Lotte ist mittlerweile die stoische Reisebegleitung, nichts bringt sie aus der Ruhe, schreiende Kinder, Koffer, die über ihren Schwanz fahren, stinkende Füsse, laute Mitfahrer. Lotte ist die Coolness in Person und hilft mir, wo es geht. Wenn die Fahrt allerdings vorbei ist, dann ist es ganz sicher, dass sich irgendetwas spassiges einfallen lässt um den Druck abzubauen. Nach einem langen Arbeits-und Reisetag waren wir endlich, endlich da. Und siehe da, Lady war kaum wiederzuerkennen! Sie findet ihre Brut manchmal durchaus lästig und verzieht sich gerne. Lotte wurde zum Spielopfer für den fünfer Tsunami, wie er im Hausgebrauch genannt wird. Die Kleinen haben sich wunderbar entwickelt und man kann ihnen beim Wachsen zuschauen. Meine Mum nimmt ihre Züchterpflichten ziemlich ernst und die Kleinen sind 24 Stunden am Tag überwacht, wobei ich jetzt mit Lotte die dankbare Nachtschicht übernommen habe. Wir spielen also bis nachts um zehn mit den Zwergen, dann geht es um fünf Uhr weiter mit füttern, spielen, Blödsinn machen. Schlafen liegt für mich dann wieder nach neun Uhr drin. Aber es macht Spass, die Kleinen haben mich zuerst nicht so wahrgenommen, aber mittlerweile rennen sie mir hinterher, wenn ich pfeife (schlau gemacht, wenn man am Anfang mit Futterschüssel winken kann). Lotte haut sich die Plauze voll und schläft natürlich nachts majestätisch in meinem Bett, um die kleinen in ihrem kleinen Stall überwachen zu können. Sie ist einfach die geborene Diva. Aber sie reagiert manchmal etwas verschnupft, wenn sich wieder ein Baby ihrem Napf nähert oder sich erdreistet ihr in den Po oder den Schwanz zu beissen.
Trotzdem spielen die Hunde unglaublich niedlich und liebevoll mit den Kindern, Lady wird immer weniger als Milchbar gebraucht, dafür mehr als Hüpfburg.

Ich könnte hier noch viel weiter ausführen, aber mir wird jeden Tag bewusst, wie sehr man sich mit jungen Hunden auseinandersetzen muss. Leider hatte ich letztens wieder eines der negativsten Beispiele vor Augen. Ein junger Typ mit einem Accesoirehündchen, mit knappen achten Wochen vom Züchter weggeholt und drei Tage später hatte er den Hund mit auf einer Grillparty, nicht an der Leine und auch nicht bei ihm. Jeder nahm dieses arme Tier auf den Arm, mit steigendem Alkoholpegel latschten die Leute dem Tier auf die Pfoten, er war völlig überfordert und sein Herrchen hat sich gar nicht um ihn gekümmert. Wenn ich daran denke, kocht mein Blut. Zugebeben, ich konnte auch die Klappe nicht halten und habe ziemlich deutlich gemacht, was ich von solchem Verhalten denke. Den Hund mitnehmen, eine Sache, ich habe Lotte auch immer dabei gehabt. Aber auf den Hund aufpassen, etwas ganz anderes. Manche Menschen sind sich der Verantwortung nicht bewusst. Wir hatten Glück und haben für vier unserer Welpen wunderbare Familie gefunden, unsere Krümelchens (die mittlerweile schon so gross sind, wie Lotte mit zehn Wochen) werden es einmal gut haben. Wenn nicht gibt es eine Klausel in unseren Kaufverträgen, dass wir die Hunde zurücknehmen und selbst weitervermitteln. Das habe ich von Familie Roth, Lottes Züchtern gelernt und ich verstehe das mittlerweile nur zu gut. Unsere Babies sind uns unglaublich fest ans Herz gewachsen, die Familien wurden auf Herz und Nieren geprüft und es wurden viele Leute abgewiesen. Die Zeit und das Herzblut, das wir auf unsere Tiere verwenden ist mit Geld nicht aufzuwiegen und der Schmerz, wenn einem unserer Tiere etwas passieren würde, wäre schrecklich.
Manche Dinge gehen mir erst jetzt auf und ich bin glücklich, dass ich meinen Beagle habe. Ich weiss, dass ich in der Lage bin und mein Leben so gestalten werde, dass mein Fellkind bestmöglich versorgt ist. Wie oft werde ich im Geschäft schräg angeschaut, wenn ich mittags mit dem Fahrrad in glühender Hitze, bei Regen oder Schnee nach Hause düse, um Lotte schnell vor die Tür zu lassen. Aber das ist mir alles wert, die Freude, die sie mir zurückgibt, wenn sie mit hoch erhobenen Schwanz mit einem Stöckchen durch den Wald spielt, wenn wir um die Wette rennen oder schwimmen, wenn wir gemeinsam eine Aufgabe im Hundesport geschafft haben, wenn sie sich (was selten ist, Lotte ist ein sehr autarker Hund) an mich ankuschelt, mich begrüsst, wenn ich nach Hause komme. Oder so wie jetzt, wo sie im heissen Garten trotzdem auf meinen Füssen liegt.




Ferien mit Hund

Dieses Jahr machen Lotte und ich "besondere" Ferien. Ich habe sie schon einige Male in diesem Blog erwähnt, die grosse Schweizer Sennhündin Lady von meiner Mama bekommt Welpen und Lotte und ich haben uns dieses Jahr als Geburtshelfer freiwillig gemeldet. Zugegeben, Lotte hatte bei der Wahl nicht viel mitzureden.
Wie dem auch sei, für Lotte müssen es die perfekten Ferien sein. Sie liebt das Haus meiner Mutter, mit einem riesigen Garten, indem sie fleissig den Thuja ausgräbt, damit ich ihn am nächsten Tag wieder eingraben kann. Eine lästige Angewohnheit, die auch bei den Hausbesitzern auf wenig Gegenliebe stösst. Ansonsten hat Lotte aber Grosskindstatus. Sie darf alles, was sie zu Hause nicht darf. Das fängt schon damit an, dass sie auf dem Sofa sitzen darf. Am Tisch betteln, alles ist erlaubt. Damit mein Hund nicht nach vier Tagen aussieht wie ein Hängebauchmastschwein gehen wir morgens eine Stunde Joggen (was übrigens auch für meine Figur wichtig ist, Eltern übertreiben bei ausgeflogenen Kinder ja zum Glück immer masslos). Die Dame mag diese morgendliche Ertüchtigung, nachmittags gehen wir dann meist mit der werdenden Mami in den Wald, wo die Damen gemeinsam im Baggersee, wo Moritz begraben liegt, ein Bad nehmen. Ja, richtig, mein Beagle schwimmt, nicht weit, aber gerne. Ich bin immer noch völlig fasziniert, sie liebt es.
Neben diesen Annehmlichkeiten hatte Lotte auch einen offenen Futtersack entdeckt, an dem sie sich bei Hunger (also alle zehn Minuten) bedient hat. Lady, die nun wirklich eine richtige Lady ist, würde sowas nie tun. Deshalb kann es überhaupt zu einem offenen Futtersack kommen.
Bei gutem Wetter verbringen die Damen den Mittag im Garten und schlafen dort eine gute Runde, oder sie beschäftigen sich mit sich selbst. Diesem Treiben könnte ich stundenlang zusehen.
Abgesehen davon, dass Lotte es in vollen Zügen geniesst, ich finde es hervorragend zwei Hunde um mich herum zu haben. Sobald ich meine Bücher zur Hand nehme, placieren sich die Damen dekorativ um mich herum und nehmen ihre buddhistische Schlafhaltung ein. Ich muss noch eine Seminararbeit schreiben, daher kommt es mir sehr zu Gute, dass ich Ferien bei Mami und nicht in Hintertimbuktu mache, hier habe ich sie wirklich in einem Sommer geschrieben. Sobald ich also meine mittäglichen Arbeitsstunden einlege sind auch die Hunde ruhig. Ab und zu kommt Lady vorbei uns lässt sich den Bauch kraulen, sie sieht so richtig schön schwanger aus, dick und rund wie ein Walfisch. Das dauert sicher nicht mehr lange, bis die Kleinen schlüpfen. Sie geniesst die Extraaufmerksamkeit, freut sich aber auch sehr über Lotte. Die beiden sind ein Herz und eine Seele. Wir waren jetzt seit Weihnachten nicht mehr da, aber Lotte kommt zur Tür herein und die Welt ist in Ordnung, es sah vielmehr so aus, als hätten wir sie nur einige Stunden getrennt. Lady ist, trotz ihrer Grösse oder gerade deswegen immer sehr, sehr behutsam mit Lotte. Sonst wäre es nicht zu verantworten die beiden auch nur eine Minute allein miteinander zu lassen, Lady ist immerhin fast viermal so schwer wie Lotte.
Aber auch ich komme auf meine heimlichen Kosten, ich liebe es zwei Hunde für mich allein zu haben. Gerade zwei, die so unterschiedlich sind, wie Lady und Lotte. Lady, die Ruhige, Feine, Sanftmütige, im Augenblick ein bisschen hormonverstrahlt, bei ihr ist gerade alles rosa, Lotte der Wirbelwind, Hansdampf in allen Gassen, ich liebe diese gegensätzlichen Mädels. Der zweite Hund ist wohl nicht mehr weit weg bei mir, es wäre schon ein Traum und Lotte ist auch sehr glücklich hier mit Lady.
Damit aber mein Wirbelwind genug Aufmerksamkeit und Hirntraining bekommt gehen wir natürlich auch hier weiterhin in die Hundeschule, eben perfekte Beagleferien, es ist von allem etwas dabei. Es gibt ganz in der Nähe hier eine Schule, die Frisbee und Longieren anbietet. Heute Abend waren wir das erste Mal da und es war herrlich, neue Inputs sind im Training manchmal Gold wert, nach drei Mal zehn Minuten longieren war Lotte so platt wie schon lange nicht mehr.
Wie man hört, meine Ferien sind absolut unspektakulär bis jetzt, aber wir warten mal, bis die Babys auf der Welt sind. In der innerfamiliären Wette liege ich weit vorne mit 13 Welpen, sollten es so viele werden, dann werden meine Ferien wohl noch ein bisschen anstrengender.
Dieses Jahr sind es wirkliche Hundeferien, auf meinem grossen Doppelbett erwartete Lotte sogar eine eigene Hundedecke, sie residiert also hochherrschaftlich neben mir in der Nacht und geniesst es.
Manchmal muss man eben auch eine Auszeit machen von all den Regeln und einfach mal geniessen. Lotte hat mir heute Abend in der Hundeschule gezeigt, dass sie es nicht ausnutzt, sondern trotzdem weiterhin mitarbeitet, obwohl die Zügel sehr lasch sind. Das macht mich stolz, offenbar habe ich es richtig gemacht mit ihr. Auch wenn es mir vorkommt, dass ich in jedem Blog schreibe, wie unglaublich stolz ich auf mein Hundemädel bin, ich kann es nur wieder betonen, sie macht mich jeden Tag stolz. Ich sehe, dass ich an einigen Dingen noch arbeiten muss und vor allem möchte, manche mögen mich dafür auslachen, dass ich jede Woche in die Hundeschule gehe und mit Lotte Dinge übe, die ich in Alltag nicht brauchen kann. Aber jede Stunde, die wir gemeinsam auf dem Hundeplatz verbringen, zeigt mir, wieviel Spass es macht und wie eng man auf einmal mit seinem Hund ist, ein richtiges Team eben. Dabei es egal, was man macht. Mein Ferienvorsatz also für diesen Sommer: Seminararbeit beenden, Welpis pflegen und mit Lotte viel, viel, viel neues auf dem Hundeplatz versuchen, am Samstag gehts zum Frisbee spielen, wollen wir doch mal sehen, ob das nicht auch etwas ist. Wir werden an dieser Stelle natürlich ausführlich berichten :-)



Das beste Schlammbad der Welt

Lotti und ich haben heute an unserem ersten Hundecrosswettbewerb teilgenommen. Wie es sich gehört erst einmal in der plauschklasse, denn als Hundehalter muss man erst einmal wissen, ob der Hund überhaupt Lust hat an Wettkämpfen teilzunehmen, wie er sich macht, etc. Wenn es da um nichts geht, dann macht das das ganze enorm viel einfacher.
Die Zusammenfassung des Tages, Lotte ist genau so eine Wildsau, wie ich gedacht habe, sie kämpft bis zum Letzten für mich, gibt sich mega Mühe, kurz: ich bin wieder einmal superstolz. Das war sicher nicht das letzte Mal, sondern der Anfang. Einfach richtig toll. 
Was mich total fasziniert hat, es war Samstag, MeteoSchweiz hat eine Unwetterwarnung für die ganze Schweiz herausgegeben, es regnete wie aus Kübeln, aber die meisten unserer Mitglieder im Hundesport standen pünktlich um halb 7 auf der Matte. Aufbauen, Posten übernehmen, Pläuscheln, Kaffee trinken, Gipfeli essen, unter Menschen sein. Das auf einen Samstag, ich kenne nur noch Pferdesportler, die das durchziehen, aber bei dem Wetter hätten selbst die abgesagt. 
Wir waren natürlich alle gespannt, ob das Teilnehmerfeld so gut besetzt sein würde, wie es auf den Anmeldelisten aussah. Es war. Das muss man sich vorstellen, Sporthundecross führt zehn Kilometer lang auf engen, matschigen Waldwegen vorbei an Posten, an denen man Aufgaben lösen muss zum Ziel. Der Hund ist vorne angeschnallt und zieht mit einer wahnsinnigen Kraft. Lotte mit ihren gerade einmal vierzehn Kilo gehört da zu den kleinsten Teilnehmern, die meisten sind Malinois oder Border Collies, die bedeutend grösser und schwerer sind. Mit einer solchen Zugmaschine bewaffnet, rennen die Teilnehmer also mit halsbrecherischem Tempo durch den Wald. Selbst Lotte, wenn sie voll im Schwung ist, was bei einem Laufhund noch schnell passiert, zieht so stark, dass ich sie kaum mit meinem Körpergewicht bremsen kann. Manchmal hilft schreien auch nichts mehr, dann hilft nur noch rennen, was die Beine hergeben. Gegen die Kraft, die selbst mein kleiner Hund entwickelt kann ich wenig tun. Ich möchte mir manchmal nicht vorstellen, wie ein Malinois, ein Rottweiler oder ein deutscher Schäferhund ziehen kann. Das muss wie fliegen sein.
Echter Wahnsinn. 

Vorallem wahnsinnig an diesem Tag war die Motivation der Teilnehmer, praktische alle Starts wurden wahrgenommen, es liefen in der ersten Klasse ohne Schutzdienst die Teilnehmer in strömenden Regen, sie sahen allesamt aus, als hätte man sie an den Haaren durch den Dreck geschleift, alle glücklich. Keiner hat aufgegeben, das erreicht man an sonst keinem zehn Kilometer Lauf. 
Das Beste waren die Kidsklassen, sogar die Allerkleinsten liefen gemeinsam mit Mami oder Papi am Hund angeschnallt den Parcours, ehrgeizig, glücklich, im grössten Regen. Es war ihnen egal. 
Würde ich versuchen eine Schulklasse dazu zu bewegen an einem verregneten Wandertag einen zehn Kilometerlauf zu machen, sie würden mich für verrückt erklären und streiken. Aber alle Zwerge von sechs bis sechzehn sind ins Ziel gekommen. Ich habe selten so viele motivierte, glückliche Kinder auf einem Haufen gesehen. Aber auch selten so glückliche Hunde. Man stelle sich einen ausgewachsenen Malinois hinter einem vielleicht dreizehnjährigen Jungen vor, die beiden waren allein unterwegs. Die Hunde kämpfen für ihre Kids, aber sie passen auch auf sie auf. Was für eine geniale Erfahrung, die ich zum Glück selbst auch machen durfte. Wenn ich meinen Eltern für etwas in meiner Kindheit einen Orden verleihen dürfte, dann dafür, dass ich mit Hunden gross werden durfte. Hunde geben Kindern Sicherheit, die ihnen sonst niemand geben kann. Das ist mir heute wieder bewusst geworden. Die gleiche Hunde liefen meist vorher noch mit ihren erwachsenen Herrchen und liessen sich an meinem, sehr einfach Posten manchmal nicht so gut auf die Aufgabe ein, wie mit den Kids. Bei mir mussten die Teilnehmer den Hund über die Agilitywand schicken mit Kontaktzonenberührung. Da kam dieser kleine Junge von vielleicht zehn Jahren mit seinem Border Collie, schickte ihn die Wand hoch, hat nicht gesehen, dass sich Leine verhedderte und der Hund fiel von der Wand in die Leine. Lotte hätte die Wand nur unfreiweillig nochmal in Angriff genommen, der Border Collie hat das ohne mit der Wimper zu zucken locker nochmal gemacht. Das nenne ich Vertrauen in den Hundeführer. 

Es war ein toller Tag, trotz Dauerregen, ausserdem bestimmt nicht Lotte und mein letzter Start, es war wirklich richtig lässig. Auch für mich war das Gefühl überwältigend, als ich gemerkt habe, wie sehr mein Mädchen sich für mich ins Zeug legt. Die Kleine zieht immer 65 Kilo von der Stelle, das wäre so, als würde ich mit einem PKW joggen gehen. Das nenne ich "Herz zeigen". Ich bin unglaublich stolz. 


Hunde sehen uns, so wie wir sind, oder besser:
so wie wir sein könnten.


Opportunismus pur

Gibt es so etwas wie puren Opportunismus? Ja, ich erkenne ihn klar und deutlich in meinem und den mich umgebenden Hunden. (Natur pur, Opportunismus pur? Der Zwiebelfisch hat eine wunderbare Glosse dazu geschrieben, aber da wir alles pur zu uns nehmen, nehmen wir doch heute auch den puren Opportunismus).
Da dies zum Glück kein wissenschaftlicher, sondern ein rein überspitzter, frei von jeglichen Plagiaten und deren Vorwürfen und auch sonst überhaupt kein repräsentativer, sondern eher ein persönlicher Blog ist, darf ich auch Wikipedia zitieren. Es ist wunderbar einfach, schnell gefunden und manchmal herrlich unwissenschaftlich kurz. In einer wissenschaftlich so unerheblichen Arbeit wie dieser durchaus angebracht.

Der Opportunismus stellt die Zweckmäßigkeit über die Grundsatztreue.


Meine Hunde sind allesamt Opportunisten. Keiner war da eine Ausnahme, sogar mein geliebter Labrador nicht. Lotte ist mir mittlerweile genauso sehr am Herz festgewachsen wie er, aber auch sie ist eher kompromissbereit in bestimmten Gefühlslagen. Lotte ist prinzipiell ein sehr treuer Hund, so treu, dass sie sich nur selten im Wald zwischen den Bäumen verläuft und wenn gerade nichts aussergewöhnliches passiert gern bei mir ist und mit mir Blödsinn macht.
Aber es gibt Ausnahmen.
Lotte ist ein Männerhund, mit ihren wunderbar geschminkten Augen (man könnte meinen, sie wäre bei der Schönheit doppelt und beim Gehorsam nur schnell angestanden) bezirzt sie jeden Mann. Hund oder Mann. Auch Meinen, die kleine Ziege. Sie liebt ihn, abgöttisch. Er mag sie auch, aber nicht ganz so gern, wie sie ihn. Sobald er reinkommt wird sich nach ihm umgedreht, sie ist dabei schneller als ich, dann springt sie an ihm hoch, zeigt ihre Schokoladenseite. Sie macht den Clown mit ihm, so wie sie es nie mit mir machen würde. Warum? Schlicht, er wollte sie nicht. Er kümmert sich nicht immer um sie, er ist interessant, weil nicht immer verfügbar, ausserdem ein wunderbarer Mitschläfer (Lotte ist ein Langschläferhund, alles vor 10 Uhr ist persönliche Beleidigung. Der Mann in meinem Leben horcht morgens auch gern lang am Kissen, da haben sich schon zwei gefunden). Da kann man als Hundehalterin einfach einpacken. Ich kümmere mich den ganzen Tag liebevoll um dieses kleine Gerät, gehe mit ihr raus, spiele, gehe in die Hundeschule und plane mein Leben rund um den Hund. Der Dank? Lotte würde niemals Kartoffeln ordinär aus meiner Hand fressen, der Mann in MEINEM Leben könnte ihr sogar Reiswaffeln geben, die sie mit grösster Zärtlichkeit aus seiner Hand pflücken würde, um sie dann vor seinen Füssen zu verspeisen. (Anders als andere Beagle hat Lotte kein quasireligiöses Verhältnis zu Essen entwickelt, sie frisst längst nicht alles, Staubtrockenes? Niemals!) Nein, das ist nicht fair.
Woran diese Affenliebe liegt? Keine Ahnung. Auch Mo liebte den Mann in meinem Leben, das habe ich ja noch leidlich verstanden. Die beiden waren wie zwei Verschworene gegen mich, die beiden Gentleman, so schien es, haben hin und wieder hinter vorgehaltener Pfote über meine Unzulänglichkeiten gelästert und sie mit stoischer Ruhe ertragen, ich ihre aber auch. Moritz hätte Tango im Stehen getanzt für ein ordinäres Leckerchen aus seiner Hand, die beiden waren wirklich herzerweichend.
Ich mag den Mann ja auch, sehr sogar, sonst würde er meine Wohnung nicht bevölkern dürfen, aber er will gar nicht so viel mit meinem Viechern zu tun haben. Sie lieben ihn trotzdem.
Wenn andere Menschen sich nur ein wenig für meine Hunde interessieren, dann flippen diese Viecher aus. Sie winden sich um fremde Beine, als hätten sie seit Monaten keine Streicheleinheit empfangen. Es wird DER Hundeblick aufgelegt, der einzigartige, der Kopf leicht zur Seite geneigt, in den Augen tritt ganz leicht das Weisse hervor, durch den Blick von unten links, die Ohren hängen auf Halbmast. Diese Masche können meine Hunde perfekt und Lotte perfektioniert das weiter. Sie ist einfach noch nicht zurückhaltend genug, wenn sich der Mensch wirklich ganz und gar nicht interessiert, dann springt sie hoch. Ein klarer Kardinalfehler, aber ich werde den Teufel tun und ihr das austreiben, damit versaut sie sich die Masche. Sie wirds schon merken. Gestern wollte sie dem Mann wieder auf dem Schoss springen, weil er sie für ganz kurze Zeit am Tisch ignoriert hat. Sie hätte ja auch zu mir kommen können, bei mir hätte sie natürlich auf den Schoss gedurft (natürlich erst nach dem Essen), aber beim Mann könnte immer etwas herunterfallen, da nimmt man in Kauf ganz abgewiesen zu werden, anstatt sich ein Leckerchen entgehen zu lassen. Ausserdem treibt sie Schabernack mit ihm, wie ein kleines, freches Mädchen, aber nicht so frech, dass er sie nervig finden würde.
Ein wohl erzogener Hund, dem der Mann Käsestückchen auf die Pfoten legen kann ohne dass sie sie nimmt, geben ihm das Gefühl er sei ein Löwenbändiger. Er nutzt das aus und Lotte spielt mit, nicht aber ohne ihn irgendwann anzupfeifen, dass es genug wäre. Er wird dann mit ihrem Divablick bestraft und angebellt, eigentlich hasst sie es, wenn sie mit anderen Menschen zusammenarbeiten muss. Ich habe sie letztens in der Hundeschule einem meiner Kollegen in die Hand gedrückt, der sie nach einer Viertelstunde entnervt zurückgab.. Er war offenbar nicht gut genug und wurde vollständig ignoriert. Entweder waren es nicht die richtigen Leckerchen, oder er war schlicht zu alt. Lotte mag Männer im Alter zwischen 20 und 30. Leider könnte ich mit ihr an meiner Seite keinen vernünftigen Flirt anfangen (falls ich es denn brauchen würde), schliesslich stehe ich meistens dreckig da, um es meiner Diva recht zu machen.
Wenn es allerdings um existentielle Dinge geht, wie Fressen oder Aua, da kommt die Dame dann doch immer noch gern zu mir. Sie würde sich Schmerzen nie vor anderen anmerken lassen, wenn sie dann aber warm und sicher auf meinem Arm sitzt, dann kann ich dafür angefaucht werden. Ich glaube ich habe über das Theater, als Madame sich ihren Nagel ausgerissen hat nicht berichtet, aber es war furchterregend. Nicht, dass wir es bemerkt hätten, als es im Garten passiert ist (jeder andere Hund hätte geschrien wie am Spiess), nein, erst in der Küche, als sie mich sah, fing sie an zu humpeln. Über das Theater hinterher beim Tierarzt mag ich fast nicht berichten, aber wir brauchten drei Personen, um die Dame festzuhalten, dabei war das Schlimmste schon vorbei. Wir wollten nur einen Verband anlegen. Ich bin auch prinzipiell gut genug böse angeschaut zu werden, wenn beim Tierarzt die Spritze weh getan hat, ich kann ja im Grunde genommen nichts dafür, aber der Tierarzt wird am Ende sicher noch einmal angewedelt, nur weil es dort immer Frolic gibt. Mich ignoriert die Diva einen Tag lang.
Ich nehme es in Kauf und amüsiere mich, irgendwann erinnert sie sich doch wieder an ihre Grundsatztreue.


Opportunismus ist die Kunst, mit dem Winde zu segeln, den andere machen. (Alessandro Manzoni)


Clownesk

Ich habe dieses Thema sicherlich schon mehrfach in meinem Blog angesprochen, aber ich finde es immer wieder amüsant. Besonders, wenn ich die Hauptrolle spiele. Sich zum Affen machen.
Es ist meine Lieblingsbeschäftigung, wenn ich mit Lotte unterwegs bin.
Ich denke, die Art darüber hinwegzusehen, wenn man sich selbst zum Affen machen, oder gemacht wird, haben ausschliesslich Eltern und Hundehalter. Wer schonmal ein brüllendes Kind mit seiner unbeeindruckten Mutter im Kaufhaus erlebt hat, der weiss, was ich meine. Ich unterhalte mitunter mit meinen Nachbarn, die ein Schreikind haben darüber. Man bekommt ein ziemliches dickes Fell. Als Hundehalter sowieso. Da der eine Teil der Menschheit gar nicht verstehen kann, warum man so ein Vieh in seine Wohnung lässt, ein anderer Teil gerne einen hätte, aber eine Allergie/keine Zeit/noch Reisen/sich verwirklichen will, bleiben zwei Sorten Hundehalter, diejenigen mit Chihuahuas auf dem Arm und die partiell oder ganz dreckigen.
Ich gehöre zu letzteren, wenn ich mit dem Hund draussen war sehe ich aus, wie ein Schwein. Aber es stört mich nicht. Im Augenblick ist es aber so, dass ich eine halbe Stunde mit dem Bus unterwegs bin, um an meinen Spazierplatz zu gelangen (dort gibt es keine Leinenpflicht). Da sieht die Sache schon anders aus.
Als Hundehalter muss man sich darauf einstellen mehrfach in der Woche komisch angeschaut zu werden. Gerade letztens hatten wir wieder eine herrliche Situation, ich lief mit meinem Stiefgrossmami durch die langen Erlen mit unseren Hunden, es war ein wunderbarer Tag. Lotte wälzte sich in menschlicher Kotze. Man kann das nicht einmal nett ausdrücken. Sobald sie in unsere Nähe kam stank es bestialisch. Natürlich versucht man in solchen Situationen den Hund notdürftig zu waschen, aber wer schon einmal Erfahrung mit anderen stinkenden Dingen gemacht hat weiss, das Zeug hält sich. Lotte hat auch die einzigartige Gabe derart widerwärtige Dinge gekonnt auf ihrem Halsband zu verteilen. Das wäscht man dann nicht so leicht ab, Nylon nimmt Gerüche gern und intensiv auf.
Irgendwann sass ich dann mit diesem stinkenden Vieh im Bus. Ich hatte gerade die Mittagszeit erwischt, alle Schüler wollten nach Hause. Und alle Kindergärtner. Und die ganze Kindergartengruppe. Lotte zieht Kinder magisch an. Der perfekte Moment um im Boden zu versinken, nach Hause zu laufen oder den Hund stehen zu lassen. Da der Boden sich nicht auftat, ich lange und ausgiebig laufen war und Lotte auf keinen Fall irgendwo einfach stehen lasse musste ich wohl oder übel einsteigen.
Kinder sind oftmals nicht gerade für ihre brave Zurückhaltung bekannt und siehe da, es wurde auch gleich im Bus herumproletet, wie sehr mein Hund stinken würde. Das wäre das widerlichste, was die Kinder jemals in ihrem Leben gerochen haben. Mitleidige Blicke der Omis, denn natürlich hatte ich mich mit Lotte im Gras gewälzt, mit meinen Wanderschuhen, die den Namen Schlammschuhe haben durch alle Pfützen gelaufen und meine dreckigen Finger an meiner Jeans abgewischt. Kurz, wir sahen aus, als hätten wir keine Wohnung, sondern unseren eigenen Einkaufswagen. Unter der Brücke. Und rochen auch so. In solchen Situationen ist das dümmste, was man machen kann, eine Entschuldigung murmeln. Einfach Brust raus, Krone drauf, weitergehen. Passt schon. Hundehalter lernen das. Hartes Training. Solche Tage sind dann Prüfungen, hat mans oder nicht? Das fängt schon beim rammelnden Welpen an, letztens schämte sich ein Mann so sehr für seinen jungen Rhodesian Ridgeback, dass er puterrot im Gesicht wurde, als sein Hund Bibi bestieg. Der muss noch viel lernen.
Besondere Trainingseinheiten kann es auf dem Hundeplatz geben. In unserer Gruppe läuft eine Schapendoeshündin mit, ein top Agilityhund, schnell, führig, super. Nur manchmal eine Diva. Wenn sie keine Lust hat, dann vergisst sie kurz ihre Abstammung als Hütehund und lässt sich fix über den Platz jagen. Wäre doch gelacht, wenn Herrchen nicht auch seine Fitnesseinheit abliefern müsste. Das anschliessende Donnerwetter unserer Trainerin erträgt Herrchen dann mit Hundeblick. Kann halt passieren. Wir sehen das unseren Hunden nach, wir nehmen dir Schmach, die ihnen gebühren würde gern auf uns. Hunde zu haben ist manchmal eine Aschenputtelübung, man sortiert ziemlich lange in der Asche die Erbsen, es gibt immer wieder fiese Rückschläge der vierbeinigen Divas. Aber irgendwann gibt es den Moment, indem man als Hundehalter glänzen kann, alles überstrahlen. Das schöne Halsband anziehen, in die Stadt gehen und Showlaufen. Oder auf dem Hundeplatz das Lob der Woche der Trainerin abstauben, oder von anderen gesagt bekommen, dass Lotte ein so wahnsinnig toller Hund ist. (Was sie auch wirklich ist, von Tag zu Tag besser, ruhiger, lustiger, mein Verlasshund).
Den Rest der Zeit lernt man mit Humor zu nehmen. Es gibt Menschen, die mich im Winter nicht erkennen, wenn ich mit dem Hund gehe. Ich trage einen Schlapphut, mehrfache Lagen Kleidung, Regen/Schneehosen, die bis zu den Knien hoch zugesaut sind und darüber meine unverzichtbare Barbourjacke, an der man oft das Wetter der letzten Woche erkennen an oder wenigstens die Schlammhöhe im Wald, je nachdem auch Lottes letzte Spielpartner, die mich als Prellbock benutzt haben, ablesen. Mein Vater hält stets eine frische Jogginghose für mich bereit, falls ich wieder schlammgebadet bei ihm einfalle. Ich habe schon oft versucht sauber von Spaziergang zu kommen. Es klappt nicht. Ich bin wahrscheinlich in der hundeeigenen Selbstbewusstseinsschule auf einem höherem Level angelangt. Dreck und Sabber, kein Ding. Next Level: Kotze auf Nylonhalsbändern im Bus. Ich weiss nicht, ob ich das Level danach überhaupt kennenlernen möchte.

In diesem Sinne:

Hunde sind nicht unser ganzes Leben,
aber sie machen unser Leben ganz.

Hunde und ihre Menschen

Für mich ist es eine wahrhaft rührende Geschichte und wenn ich sie jetzt hier aufschreibe, dann werden einige meiner Leser denken, dass ich übertreibe. Ich versuche also diese Geschichte, die mir im Augenblick passiert so wie sie mir vorkommt wiederzugeben.
Alles fing damit an, dass eine wunderbare Arbeitskollegin von mir mir eines Abends im Geschäft erzählte, dass sie gern einen Hund zu sich nehmen würde. Sie reitet Endurance, also Langstreckenrennen, ist eine hervorragende Pferdefrau, von der ich in Sachen Pferd im Augenblick so einiges lerne. Und sie hätte gern einen Begleiter für alle Felle. Am liebsten einen Terrier, nicht etwa irgendeinen, nein, einen Jagdterrier. Innerlich habe ich mir an den Kopf gefasst und gedacht, die spinnt. Aber hei, jedem seins, ich habe auch einen Beagle.
Wie dem auch sei, ich stöbere hin und wieder gern auf der Homepage des Tierschutzbunds Basel, plötzlich, kurz nach dem Gespräch fand sich auf dieser Seite ein Jagdterrier. Spasseshalber schickte ich meiner Kollegin diesen Link. Sie fand ihn toll, aber.... Offenbar hat sie das Thema aber nicht losgelassen und sie ging ihn anschauen. Schon im Tierheim hatte man ihr gesagt, dass sie von diesem Hund nicht allzuviel erwarten müsse, er sei schwierig und kommuniziere so gut wie gar nicht mit Menschen. Ausserdem sei er aggressiv gegen andere Hunde. Sie ging trotzdem mit ihm spazieren. Er muss sich aufgeführt haben, wie ein Berserker. Aber meine Kollegin ist eine Pferdefrau mit einem schwierigen Pferd, so leicht lässt sie sich nicht einschüchtern (ein Charakterzug, den ich sehr an ihr schätze). Also fragte sie mich, ob ich nicht das nächste Mal mit Frau Lotte mitkommen könnte auf einen Spaziergang. Da ich mein Lottekind ja kenne wusste ich, dass das kein Problem werden dürfte. Lotte ist freundlich und nett, manchmal eine Zicke, aber wenn einer wirklich Stunk machen möchte, dann geht sie auf Abstand.
Trotzdem war ich am Anfang nervös, grundlos. Die reissende Bestie stellte sich als netter Hund heraus, der Gefallen an Lotti fand. Wir spazierten durch ein Dorf, an Kindern vorbei, trafen viele andere Hunde, die alle ganz blieben. So wie man sich das vorstellt. Es war herrlich entspannt und locker.
Aber da war ja immer noch diese Geschichte mit dem Stall. Pferde sind ein deutlich anderes Kaliber als andere Hunde.
Also wurde der Terrier, übrigens ein wunderschönes Tier, zum Stall geholt. Und er führte sich auf, als wäre der Leibhaftige hinter ihm persönlich her. Ich habe noch nie in meinem Leben einen Hund so in Angst und Rage erlebt wie ihn. Da meine Kollegin und ich aber über Willen und Ausdauer verfügen gingen wir sechs geschlagene Stunden durch den Wald. Lotti natürlich immer dabei, die diese Aufregung nicht verstand. Zu Anfang ging der Herr sogar so weit, dass er dem Pferd ins Gesicht sprang und es dabei verletze. Andere hätten das Vieh nach dieser Aktion ins Auto gepackt, ins Tierheim gefahren und nie wieder angesehen. Aber, wo die Liebe hinfällt. Wir zogen es durch und nach einer Zeit wurde er ruhiger, von entspannt konnte nicht die Rede sein, er liess das Pferd neben sich zu mit Sicherheitsabstand und Sicherheitsbeagle zwischen Hund und Pferd. Lotte spielte ihre Rolle hervorragend, war der absolute Verlasshund. Ohne Leine, mitten im Wald. Kein Thema. Ebenso das Pferd, ein junger Araber, der offenbar die Situation ähnlich wie Lotte einschätzte. Ein falscher Tritt und wir würden "zerstören, was zusammen gehört". Die beiden waren Spitzenklasse.
Am Ende konnten wir ein wenig entfernt vom Hof stehen, ohne dass dieser wunderbare deutsche Jagdterrier sich so aufregte, dass man mit einem Tinnitus nach Hause gehen würde. Ein kleiner Schritt.
Zugebene, ich war sehr unsicher, ob sich das legen würde. Terrier sind nicht gerade dafür bekannt ihre Vorurteile anderen Tieren gegenüber zu überdenken. Ich hatte mich schon fast damit abgefunden, dass es nichts wird.
Aber meine Kollegin ist vernarrt in diesen Hund. Wir einigten uns darauf ihm eine "letzte Chance" zu geben. Wir gehen gemeinsam noch mal in den Stall, er bekommt eine Stunde Zeit, wenn er in dieser Stunde Besserung zum letzten Mal zeigt (jedes Verhalten wäre besser gewesen), dann darf er zu ihr. Dann hat er nachgedacht.
Wir einigten uns sehr spontan auf heute morgen. Ich war besorgt und nervös, das Bild von einem Jagdterrier, der einem Pferd ohne mit der Wimper zu zucken ins Gesicht springt, das vergisst man nicht so schnell.
Aber, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Schon beim ersten Anblick eines Pferdes bellte der Hund zwar, liess sich aber schnell davon abbringen und wir konnten mit ihm über den Hof laufen, ohne Stress und Hektik und vor allem ohne ohrenbetäubendes Schreien, Bellen, Zetern. Es waren viele Pferde unterwegs. Ich konnte meinen Augen kaum trauen.
Wir packten also zwei Pferde ein und gingen auf Wanderschaft. Es war, als hätte dieser Hund verstanden, dass dies seine letzte Chance auf einen tollen Platz wäre-er benahm sich vorbildlich. Lotte hingegen, die den Braten gerochen hatte nicht, sie ging auf Jagd, weil ich offenbar zu sehr mit dem Terrier beschäftigt war. Eigentlich ein gutes Zeichen, denn der ganze Spaziergang war sehr entspannt, der Hunde lief an der Leine neben den Pferden her, als hätte er nie etwas anderes getan, er bellte sie höchstens an, wenn er mehr Abstand wollte. Wohlgemerkt, am Anfang lag der Wohlfühlabstand bei dreissig Metern, heute morgen bei zwei Metern. Dieser Hund hat ganz schwer nachgedacht.
Jetzt hat er einen tollen neuen Platz.
Ich kann gerade in diesem Fall gar nicht ausdrücken, wie sehr ich mich freue. Es gibt so Hunde-Menschen Teams, die einfach toll miteinander aussehen. Dieses Team ist so eines. Dieser Hund hat sich wahnsinnig zusammengerissen, er hat alles gegeben, um zu zeigen, ich will zu dir. Mit dir mache ich diesen Blödsinn mit diesen Riesentieren.
Als wir ihn zurück ins Tierheim gegeben haben sind mir fast die Tränen gekommen, natürlich kann man viel in einen Hund hineininterpretieren, aber im Stall, wo wir sicher noch eine Stunde lang sasssen um sicher zu sein, dass wir nicht träumen, war der Hund so wahnsinnig entspannt. Direkt neben den Pferden. Er liess sich von allen Leuten streicheln und benahm sich wie ein alter Profi. Abgesehen von seinen gelegentlichen Attacken gegen den Traktor, aber als Terrier kann man nicht sicher sein, ob sich der Mensch, den man mag auch wirklich selbst verteidigen kann. Er liess sich aber immer schnell davon überzeugen das Ungeheuer sein zu lassen. Kurz, der Hund war wie verwandelt. Im Tierheim liess er die Ohren sinken, zog zur Tür.
Bubi, sie holt dich bald. Für immer. Du hast die richtige Wahl getroffen, ich freue mich für ein wunderbares Hund-Mensch-Team.
Ich werde weiter hin und wieder über die beiden berichten. Es ist eine rührende Geschichte.
Mir soll nochmal jemand erzählen, dass sich Menschen ihre Hund aussuchen. In diesem Fall glaube ich das Gegenteil. Der Hund hat sie gesucht. Und gefunden.


Der Hund hat im Leben ein einziges Ziel: Sein Herz zu verschenken. 
Anonym