Es wird wieder einmal Zeit....

Allzu lang hat man ja nichts von mir und meinem bunten Hund gehört. Aber irgendwie pendelt sich das Leben sogar mit einem Beagle irgendwann einfach ein. Eigentlich wollte ich wunderschöne Sommerbilder posten, oder zeigen, wie gut mein Beaglechen schwimmen gelernt hat. Aber da der Sommer entschieden hat eine Ice-Bucket-Challenge über ganz Europa kommen zu lassen, hat sich das gepflegt erledigt. Stattdessen hatte ich ausgiebig Zeit meine Gummistiefel zu testen. Immerhin, ich bin mir ganz sicher, dass sie dicht sind.
Arbeitsmaterial

Aber es gibt doch ein paar tolle Sommerstories zu vermelden und im Winter werden wir uns hier wieder öfter tummeln und berichten, man hat ja auch bedeutend mehr Zeit.

Meine ganz persönliche Lieblingssommerstory ereignete sich auf einer Klassenfahrt. Mit einer zugegeben schwierigen Klasse hatten wir das Glück eine spezielle Reise zu unternehmen, meine herzallerliebste Tandempartnerin Zora war mit ihrem Lagotto Enouk ebenfalls dabei. Es ging auf einen weit abgelegenen Bauernhof, ohne Handyempfang, ohne warme Dusche, schlafen im Stroh und eine Woche Kind sein waren für diese gebeutelte Klasse auf dem Programm. Warum und wieso wird hier aus Datenschutzgründen natürlich nicht verraten, nur so viel, die Kinder hatten alle einen schweren Rucksack zu tragen, die Klasse, aber auch die Schüler waren enorm schüchtern.
Schüchtern? Ganz und gar nicht das Konzept von meinem Lottehundchen, wie man weiss. Mittendrin statt nur dabei ihr Lebensmotto.

Ich hatte ehrlich gesagt im Vorfeld etwas Respekt vor dieser Reise, denn eigentlich war ich als Erziehungsperson eingeteilt und nicht als Hundeaufpasserin, Lotte musste einfach mitmachen. Obwohl sie manchmal wirklich Mühe mit fremden Personen hat, bin ich das Wagnis eingegangen. Und: es war eine sehr, sehr, sehr gute Entscheidung. Lotte liebt ältere Kinder. Sie war mein absoluter Türöffner zu einigen Kiddies. Ohne Ausbildung, ohne grössere Vorkenntnisse, ohne regelmässigen Kontakt war sie einfach WOW. Sie ist auf jedes Kind genau so zugegangen, wie das Kind es brauchte. Ein Junge hatte wahnsinnige Angst vor Hunden, es gibt ein Foto vom letzten Tag, wo die beiden einträchtig und entspannt nebeneinander auf der Bank sitzen. Er fragt mich heute noch immer nach ihr und wie es ihr geht. Wenn ich in der Schule bin, dann zeige ich den Kids auch immer ein aktuelles Foto von Lotti und erzähle kurz, was wir so machen. Oder besser gesagt, sie, ich bin da ja nur uninteressantes Beiwerk. Lehrer, wie ätzend. Aber so einfühlsam und vorsichtig, so spritzig und sportlich war sie mit einem Kind mit schwerster ADHS, die beiden sind den halben Tag über den Hof gefegt und konnten nicht genug kriegen. Dieses Kind hat es doch tatsächlich geschafft, dass mein kleiner Teilzeit-ADHS-Hund aufgegeben hat, sie konnte irgendwann schlicht nicht mehr. Aber sie hat es auch geschafft, dass dieses Kind aus tiefstem und vollstem Herzen lachen konnte.

Aber es gab auch diese stillen, kleinen Momente für uns beiden auf diesem Bauernhof, ohne Handy, ohne Internet (diese Erfahrung sei jedem ans Herz gelegt... unglaublich gut!). Der morgendliche Spaziergang, wenn die Kinder am Melken waren. Nachts gemeinsam in den Schlafsack kuscheln, es war nämlich so fürchterlich kalt, dass ich meinem Beaglechen einen eigenen, dicken Schlafsack mitgenommen hatte und wir beide aber der Meinung waren, dass Wärme und Glück sich ähnlich verhalten. Nur wenn man es teilt, bekommt man es doppelt zurück. Also schlief Lotti 5 Tage bei mir im Schlafsack. Eine enge, aber sehr kuschelige Angelegenheit. Zum Glück ist es ein Meutehund.
Sie war wieder einmal meine beste Unterstützung.

Es ist dieses Selbstverständnis zwischen uns, dass mich manchmal schmunzeln lässt. Ich muss ihr nicht erklären, was ich möchte, sie weiss es, oder sie ahnt es. Manchmal haben wir richtig Ärger miteinander, wenn sie wieder vollkommen anderer Meinung ist, als ich (zum Beispiel Fuss gehen bei der Jagd... da vergisst sie sofort die gute Kinderstube), aber in den Momenten, in denen es wirklich zählt, da ist sie mittlerweile mein absoluter Verlasshund geworden. Es gibt keinen Moment, in dem es Klick macht. Irgendwann geht man morgens vor die Tür und vergisst die Leine, oder die Pfeife, oder was auch immer. Nicht, weil man es nicht mehr braucht, ich brauche diese Dinge sehr wohl noch oft genug. Aber es geht auch ohne. Und dann ist man auf einmal so ein dickes Team, das man zusammen im Schlafsack schlafen kann.
Fahrt im Leiterwagen
Auch dem Bauernhofhund Nanuk hats gefallen

Schlafsackmädchen
Lotti und Enouk
Die Ulmet
Ausblick von der Ulmet

Oben sieht man einfach besser
Des Beagles liebste Beschäftigung... Parfüm suchen
Sie überlegen nur, was sie als nächstes machen können
Sooooo schön!
Auf sie mit Gebrüll!!!!


Die Rache der Beagelin

Oh, sie ist richtig, richtig furchtbar schrecklich böse. Schrecklich, die Rache Montezumas oder mindestens der Futterschüssel wird ganz sicher über mich kommen, blechern wird die Wasserschüssel auf meinen Kopf donnern und mich in die ewigen Beaglehöllen ohne Futter, ohne Jagen, ohne Wälzaas und ohne Gerüche hinabschleudern. Dantes Inferno ist nur der Anfang.

Madame war eine Woche nämlich im Paradies, wie ich vernommen habe. Es gab Futter mehr oder weniger a discretion, eine Meute nur für sie allein und -zum Glück- hat sie sich fast untadelig benommen. Fast... Wälzen muss einfach drin liegen. Einziges Manko war wohl in ihren Augen der kalte Gartenschlauch, ich habe den aber unterstützt!

Dafür werde ich jetzt gerade mit Nichtbeachten gestraft. Mir wurde ein müdes Schwanzwedeln zuteil. Wie nett. Seitdem werde ich geflissentlich ignoriert. Ich habe noch nicht versucht, mich einzuschleimen, aber vielleicht öffne ich gleich eine Büchse Dosenfutter. Wer weiss.

Ich war eine Woche auf Mallorca, eine richtig geniale Insel, wunderschön, wenn man die Touriorte nicht aufsucht. Es war einfach nur wunderbar. Aber: Ohne Hund. Und ich habe sie -es war nur eine Woche- trotzdem vermisst. So viele Strände, an denen ich Madame das Konzept des gepflegten Bades hätte näherbringen können. Es wäre einfach toll gewesen. Aber was nicht ist.... Sie durfte eine Woche zu einer Freundin in die Ferien und wurde nach Strich und Faden verwöhnt. Dafür, dass ich sie aus diesem Paradies entfernt habe, werde ich jetzt vollständig ignoriert. Sie behält mich zwar eisern im Auge-ich soll es ja nicht wagen, die Wohnung zu verlassen, aber so richtig freuen tut sie sich nicht. Aber das kenne ich ja. In spätestens drei Tagen wird sich Madame dann auch wieder über das normale Beagleleben freuen. Es geht ihr ja nicht allzu schlecht, abgesehen von unserer unterschiedlichen Meinung zu Futtermengen und -zeiten.

Irgendwann wird halt jeder aus dem Paradies vertrieben... Sie träumt gerade davon, dass mir die Blechkiste ein Flugticket andreht.

Charakterhunde

Heute Abend lief das Dschungelbuch und bei mir die Tränen. Balou, der Bär erinnert mich einfach sehr an meinen alten Labbi. Er war genau so ein Bär, wie Balou, genau so unbedarft, manchmal genau so blauäugig und einfach zum lieb haben. 
Müsste ich Lotte kategorisieren... Mmmh. Schwierig, legally blonde? oder vielleicht doch eher Robin aus How I met your mother (aka. How I met every girl in NY, except your mother.). 
Aber wie dem auch sei, wenn mein alter Mann mir durch den Kopf geht, dann muss ich insgeheim immer darüber lachen, weil sich offenbar jemand einen Scherz erlaubt hat und mir nacheinander zwei vollkommen unterschiedliche Charaktere zur Seite gestellt hat. 
Der allgemeine Unterschied zwischen Rüden und Hündinnen ist, so fern ich das aus meiner Sicht sagen kann, ähnlich weit wie bei Männlein und Weiblein. Mo ist mit mir durch die harte Teenieschule gegangen, ich habe ihn nie vergessen, aber er musste alles, wirklich alles mitmachen. Stundenlang mitlaufen, wenn ich reiten darf (zugegeben, nicht sooo tragisch), meine ersten Autofahrversuche, in denen ich probierte meine Rennlizenz auf der Strasse zu ergattern (gaanz tragisch, ich entschuldige mich bei ihm), Männer in meinem Leben, von denen er einige abgrundtief hasste (die mein Leben nie lang bereicherten). Aber eines war er immer, ein richtiger Kumpel, er nahm mir nie etwas krumm, dafür liess er sich immer nur bis ca. 90% motivieren, dann war Schluss. Dabei sein war alles für ihn, er war ein Charmeur, ein Blödian, Pluto. Ein Hundemann in meinem Leben, der seine Lebensaufgabe darin sah mich zu begleiten und mir zu gefallen, ein Schmusebär und mein Tatortbegleiter. Er meisterte alles. Sein Tod war ein schrecklicher Verlust, ein Teil meines riesigen Hundeherzen wird immer ihm gehören. Welcher Teenie kann schon von sich behaupten mit einem betrunkenen Hundemann nach Hause gelaufen zu sein (wir fanden am gleichen Abend unsere Liebe zu Bier...)...
Auf einmal war er weg. Von jetzt auf gleich entstand eine riesige Lücke in meinem Leben. 
Gefüllt wurde sie durch: Lotte, wer hätte das gedacht. 
Lotte ist zwar nicht das absolute Gegenteil zu Mo, aber durchaus etwas gaaanz anderes. So anhänglich wie Moritz war, so eigenständig ist Lotte. Meine Mutter behauptet steif und fest, dass Lotte sich wie Eddie (the beagle, aus Herrchenjahre), wenn sie keine Lust mehr auf mich hat, einfach ihren kleinen Beaglerucksack packt und sich bis nach Helsinki durchschnüffeln würde. Autark ist ihr Lebensmotto, war Moritz ein Begleiter, dann ist sie Partnerin. Sie fordert ihren Platz im Leben. Mit Eifersucht und fremden Männern hat sie nicht zu kämpfen und wohlweislich habe ich ihr auch (noch) nicht verraten, dass Hund oft liebend gern Bier mögen. Jedenfalls unsere, Ira, unsere erste Labbihündin kam einmal an Mamas Geburtstag betrunken von einer Jagd nach Hause. Die Freude meiner Mum war unbändig, aber immerhin, betrunkene Hunde kotzen nicht, sie schnarchen nur seeehr laut. 
Dafür kämpfen wir einen täglichen Kampf gegen verschmutzte Ohren, war Moritz eher einfach zu erziehen, dann braucht Lotte wirklich Ausdauer. Wären die Hunde im umgekehrter Reihenfolge gekommen, welch Katastrophe! 
Da kommen wir auch gleich zum nächsten Problem, Mädchen unter sich sind, ja, es ist so, manchmal einfach richtige Zicken. Wenn Mo meine giftigen Tage einfach ertragen hat (so viele gibt es da auch wieder nicht), dann sind das genau die Tage, wo ich Lotte am liebsten mit dem Mann in meinem Leben verbandele, weil ich sie unerträglich zickig finde und sie mich garantiert auch. Wir zicken uns so richtig an. Wenn wir aber einen guten Tag haben, dann sind wir ein unschlagbares Team,. Sie gibt 300%, ein Arbeitstier. Und es gibt viele gute Tage, die mich WOW stolz machen. Hat Moritz bestimmte Grenzen irgendwann einfach akzeptiert, dann verhandelt Lotte diese regelmässig. Sie wäre die perfekte Scheidungsanwältin, jeder Mann liegt ihr zu Füssen und sie ist berechnend und clever. Sie weiss genau, dass sie nur lange genug warten muss, bis sie bekommt, was sie will. 
Welches Glück ich doch habe, ich komme gar nie in die Verlegenheit meine Hund im Alltag unbewusst miteinander zu vergleichen, des einen Stärke ist der anderen Schwäche und umgekehrt. Brauchte Mo zum Arbeiten wenig Motivation, weil er es sowieso richtig machen wollte, dann muss man Lotte schon etwas bieten. Hat sie den Spass allerdings begriffen, dann dreht sie voll auf. Agility? Kein Problem, sie fegt über die Hindernisse. Das findet sie einfach richtig grandios, es geht ihr auch nie schnell genug. Ich muss mittlerweile ziemlich hetzen. Canincross, das dauerte zwar eine Weile, aber mittlerweile: grosse Party. Nur eins, da kriegt Madame echt die Krise: Einengendes jeder Couleur, Gestell, Hundemantel, etc. Ich ziehe ihr das Gestell ja nur an, wenn irgendetwas an ihr zieht, aber das Gesicht, ach du meine Güte. Mo waren solche Sachen völlig wurst, dafür war er einfach nicht der mutige Hase Cäsar, Lotte hingegen schon. Kenn ich nicht? Macht nichts, wenns grösser ist als ich? Bürste hoch und anbellen, Schwanz oben, kerzengerade, der ganze Hund nicht steif, aber frech. Egal, ob ich hintendran stehe oder nicht, übrigens. Ich kann auch weggehen, macht nichts. Madame macht das schon. Mo hätte das nie gemacht, er ist jedem Konflikt wohlweislich aus dem Weg gegangen, Lotte geht gerne darauf zu. 
Mir fallen, je länger ich schreibe noch mehr Beispiele ein. Aber das Fazit dieses Posts ist sehr deutlich: Jeder Hund ist so einzigartig, wie die Lebenssituation, die er bereichert. 

Alleine lassen...

Wie ich schon mehrfach erwähnt habe, bin ich, wie vermutlich jeder Hundehalter, kein Fan davon meinen Hund allein daheim zu lassen. Anders, ich hasse es. Aber es lässt sich einfach nicht umgehen, manchmal ist es halt einfach so.
Wie ich zum Thema komme? Ich lese gerade das Buch "Trafen sich zwei..." von Patricia B. Mc Connell (sehr, sehr empfehlenswert), dort finden sich ihre Essays zum Thema Hund. Ihr Buch "Das andere Ende der Leine" ist ein Klassiker. Mein Essay heute morgen handelte vom Allein lassen, ich kenne wenige Hundehalter, die das Haus völlig gelöst verlassen.
Dabei beschreibt sie es in dem Buch richtig, wenn ich gehe, dann schaue ich, dass Lotte Unterhaltung hat. Ich verstecke Leckerli, lasse ihr einen gefrorenen Kong liegen oder eine Kaustange, einen Hirschhornknochen hat sie sowieso immer. Natürlich (versteht sich das nicht von selbst?!) hat sie frisches Wasser zur Verfügung, ein warmes Bett. Aber, sie ist allein. Da beisst die Maus keinen Faden ab. Nach spätestens vier Stunden bin ich wieder daheim, ich weiss, dass sie schläft, weil ich es schon beobachtet habe.

Nicht jeder ist in der Lage seinen Hunde mit zur Arbeit zu nehmen oder von zu Hause aus zu arbeiten, trotzdem haben viele Menschen den Wunsch einen eigenen Hund zu haben. Sogar, wenn sie 100% arbeiten. Ist das falsch? "Dürfen" solche Menschen keine Hunde halten? Ich finde nicht, es ist alles eine Frage der Organisation. Es gibt genug Hundebetreuer, oder eine nette Nachbarin, ein Teenager, der keinen Hund haben darf, der Mittags mit dem Hund rausgehen kann. Ich fahre, wenn ich den ganzen Tag arbeiten muss, Mittags nach Hause. Am Wochenende hütet der Mann in meinem Leben meinen Hund. Sie begleitet mich zur Universität, also behaupte ich, dass Lotte verglichen mit anderen, wenig allein ist.
Den (fast) gesamten Rest meiner Freizeit verbringe ich mit und um den Hund. Stehe morgens früh auf, gehe lang spazieren, joggen, fährten, gehe zur Hundeschule, ... naja, die Liste muss ich ja nicht weiterführen.
Und trotzdem, das schlechte Gewissen bleibt.  Obwohl ich versuche, diese Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten, meine Kleine so müde ist, wie es nur geht, damit sie schlafen kann. Hunde sind besonders morgens und abends aktiv, ausserdem bin ich der Meinung, dass sie ihren Tagesrhytmus anpassen. Nein, damit meine ich nicht, dass man abends nach Hause kommen kann, den Hund einmal um den Block führt und dann vorm Fernseher einschläft. Dann geht der Tag nämlich erst richtig los, Hundeschule, Fährten, Dummyarbeit, Frisbee, Agility, was auch immer. Ein ausgelasteter Hund ist ein glücklicher Hund. Auslasten kann auch mal heissen: Etwas fremdes anschauen, in die Stadt gehen, ..... Tausend und eine Möglichkeit.  Einen Hund haben heisst: aktiv sein, was wiederum bedeutet, dass man etwas erlebt. Menschen trifft und neue Ideen für den Alltag entwickeln kann.

Aber ich kann es mir hier auch weiterhin schön reden. Ich hasse es, wenn ich Lotte allein daheim lassen muss. Vielleicht habe ich aber das nächste Mal kein ganz so schlechtes Gewissen.

Frühlingsspaziergang

Endlich, endlich ist es soweit... Der Frühling ist da, Lotte mittendrin.










Ein Beagle unter Beagles

Was für ein Fehler! Das schoss mir gestern durch den Kopf, als ich Lotte das erste Mal in einer Beaglemeute mitlaufen sah. Das muss ich öfter machen. 
Mal abgesehen davon liebäugele ich ja schon seit längerem mit einem zweiten Hund, es wäre einfach ideal. Und nein, ich erliege nicht der landläufigen Meinung, dass die Hunde dann weniger allein sind und sich miteinander beschäftigen, wenn der Mensch nicht zu Hause ist. Es wären dann einfach zwei Paar enttäuschte Augen, die mir hinterherstarren, wenn ich doch einmal ohne Hund das Haus verlasse. Aber ich bin halt einfach kein Hund. So einfach ist das. Ich mag eine nette Begleitung für Lotte sein, ich bin mir sogar sicher, dass sie mich eine coole Socke findet, aber ich kann ihr einfach einen Hundekumpel nicht ersetzen. 
Wie gesagt, Lotte war gestern bis auf die Socken glücklich. Bis jetzt war ich der festen Überzeugung, dass es eigentlich egal ist, was für eine zweite Rasse man einem Beagle beimischt, zugegeben, wir sehen zu wenig andere Beagles. Aber seit gestern ist klar, der zweite wird definitiv ein Beagle. Sie verstehen sich einfach, ich war absolut baff. Mein sonst manchmal ziemlich ruppige Dame war freundlich, gut gelaunt, obwohl sie am Morgen für ihren Geschmack viel zu früh aufstehen musste. Eigentlich ein Grund jeden Hund zurechtzuweisen, der in ihr Hoheitsgebiet eindringt. Nicht so in der Beaglemeute. Sogar mit Hündinnen war sie nett und freundlich!
Allerdings hat sie, als es darauf ankam, kurzfristig ihre guten Manieren vergessen. Statt, wie sonst immer, auf ihrer Decke sofort in Tiefschlaf zu fallen hatte sie nichts besseres im Sinn, als durch den Saal zu stapfen. (Vergass ich zu erwähnen, dass wir an der Generalversammlung des Beagle Club waren?) Blamiert habe ich mich nicht direkt, dazu waren zu viele Menschen anwesend, die die Eigenheiten dieser Rasse kennen. Aber naja, ein bisschen peinlich wars schon, aber ich glaube sie war einfach zu fasziniert davon, dass so viele Hunde anwesend waren, die GENAU SO aussahen wie sie (und vermutlich auch alle genau so lustige Ideen haben, wie sie). 
Eine Geschichte möchte ich meinen geneigten Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten. Ich unterhielt mich mit einer Züchterin aus dem Club, die mir erzählte, dass manche Interessenten zu ihr kämen und ihr vom Beagle vorschwärmen würden. Sie hätten sich in den Charakter verliebt. Wir mussten beide laut loslachen, man kann sich in das Aussehen des Beagles, in seine Ohren, aber sicher nicht in seinen Charakter verlieben. Nur allzu oft, das wurde gestern wieder klar, haben die Beagle einfach ganz andere Ideen, als ihre Besitzer. Ich arbeite nicht gerade an einer Charakteränderung meiner Hündin, aber manchmal könnte ich sie dafür auf den Mond schiessen (natürlich würde ich ihr sofort hinterherfliegen...)... Ach, Beagles sind schon echt coole Socken. 

Klohunde

In meinem Blog spreche ich ja auch gerne die naja, speziellen Seiten des Hundehalterlebens an.
Etwas, das selten diskutiert wird: Klohunde.
Alle unsere Hunde, auch die dümmeren, haben ganz schnell verstanden, dass das stille Örtchen, ähnlich wie die Laptopmeditation ein ganz wunderbares Zeitfenster für Körperkontakt bietet.
Einzig unsere grosse Schweizer Sennhundmädels kommen nicht mit aufs Klo, das liegt aber auch nur an deren Grösse. Lady wäre ganz sicher nicht abgeneigt, vermutlich würde sie aber gar nicht in das kleine Gästeklo bei meiner Mum hineinpassen.
Lotte hingegen findet das stille Örtchen ganz hervorragend geeignet, um Körperwärme auszutauschen. Tür schliessen lag leider nicht drin, der Hund drückte sich vehement aus und forderte Einlass.
Naja, seitdem habe ich einen Schatten. Wie wunderbar, nachdem sie mich auch schon in die Badewanne verfolgt, weil sie das Gefühl hat, dass dort das Nessie lauern könnte, um mich zu verschlingen. Ich schätze die Dienste meines ganz persönlichen Sicherheitsbeagles wirklich sehr. Wirklich. Ich frage mich nur, warum sie diese nicht gewinnbringender, beispielweise in der Abwehr von Einbrechern, einsetzen möchte. Diese würde sie mit ihrem Braunbärgeschnarche nämlich nicht abschrecken und die Dame vergisst ja nur zu gern, dass Hunde auch einmal Wachdienste übernommen haben. Sie ist schliesslich ein Beagle, zu so niederen Aufgaben, wie aufpassen oder wenigstens kurz verbellen, lässt sie sich nicht herab.
Aber immerhin, auf dem Klo und in der Badewanne wird mich sicher kein Ungeheuer anknabbern, ich habe ja meinen Beagle dabei. Nachts im Wald übrigens auch, sie kann sich wahnsinnig über Windstösse, Jogger und was-auch-immer aufregen.
Aber ich schweife ab. Alle Menschen, die mich besuchen, werden ausnahmslos auf Klo verfolgt, man kann ja nie wissen, was sie dort tun. Die meisten spedieren den Hund sehr unsanft vor dir Tür, was der Hund ganz und gar nicht nachvollziehen kann und meist etwas beleidigt davor sitzen bleibt.
Manchmal bin ich wirklich erstaunt darüber, mit welch nonchalanten Art Lotte der Meinung ist, die Welt gehöre ihr. Viele Dinge sind nur zu ihrer eigenen Unterhaltung erfunden worden, Steinmarder, Toiletten, Badewannen, Hundebetten, ....

Es gibt schlimmeres....

...als einen Hund zu haben. Das denke ich immer wieder.
Es gibt wirklich schlimmeres als sich morgens eine stunde früher aus dem Bett zu quälen (der Moment in dem der Wecker klingelt ist wirklich, wirklich tragisch) und eine Stunde mit dem Hund spazieren zu gehen. Ja, ab März gehe ich jeden Morgen eine ganze Stunde raus.(Hier gab es eininge Verwirrungen, das ist meine Zusatzstunde... Wir gehen nun täglich zwischen zwei und drei Stunden spazieren und nicht "nur" 1.5 mit Hundeschule) Es gibt schlimmeres, als danach heimzukommen und gute Laune zu haben. Natürlich muss ich mich morgens echt überwinden, Lotte und ich sind absolute Langschläfer, besonders im Winter. Sobald es dunkel ist finden wir beide den Spaziergang nur noch halb so toll. Deshalb machen wir das im Winter nicht und versuchen tunlichst (also besonders ich) die Spaziergänge tagsüber zu machen. 

...als jeden Tag einmal aus vollem Herzen zu lachen. Ich freue mich täglich über irgendetwas lustiges, was Lotte veranstaltet, sei es ihre geliebten Stöckchen vor sich her schmeissen, ihre absolut knuffigen Spielaufforderungen, uns vehement gegen etwas verteidigen, das sich am anderen Ende des Waldes befindet oder einfach unsichtbar ist, ihre Rennattacken, wenn sie aus unerfindlichen Gründen Vollgas losspurtet um sich kurz darauf umzudrehen und zurückzurennen wie eine Irre.

...als eine Begleitung zu haben, die ohne zu murren in jeder Geschwindigkeit mit mir joggt, Velo fährt, in mein Körbchen einsteigt, mich in Restaurants begleitet, kleine Kinder durch ihre Kunststückchen zum Johlen bringt, sich mit Mann und Maus versteht (auch wenn weder Mann noch Maus sie einfach so anfassen dürfen), sich aktiv für die Ausrottung von Steinmardern einsetzt (sie jagt sie so, wie andere Hunde Katzen), sich für Geographie und Deutsch interessiert und trotzdem meine Meinung nie in Frage stellt. 

...als morgens aus dem Badezimmer und stolpern und etwas verschlafen angewedelt zu werden (neben dem Bett wäre auch wirklich zu viel verlangt) und man das Gefühl bekommt, der Hund wollte fragen, welche tollen Dinge man mit diesem Tag anfangen kann. Um danach sofort den Lotte-Spezial-Strecker bewundern zu dürfen, gepaart mit einem Gähner, bei dem sie ihre uuuuuuuuuuuuunnnnnglaublich lange Zunge zeigt (ehrlich, die ist wie das Ego, doppelt so lang, wie normal.. ich bin immer wieder baff) sie kann sie richtig ausrollen, was automatisch zu Punkt zwei führt.

...die geborene Diva an der Leine zu haben. Sie weiss, dass sie schön ist, wird sie angeschaut wächst die Dame um das vierfache, legt den schönsten Gang ein und los gehts. Aber nur gucken, nicht anfassen. Sie ist ja nie böse, aber sie verzieht ihr Gesicht einfach immer etwas angewidert, wenn ihr wieder jemand im Gesicht herumfasst. Am Körper lässt sie sich nur von ausgewählten Menschen dieser Welt berühren. Kinder bekommen viiiel öfter eine Ausnahme ihrer selbstgesteckten Regel.  



Kontaktzone

Ich habe es erst sehr spät verstanden, aber Lotte hat eine Schwäche für den körperlichen Kontakt zu ihren Menschen. Ich vermute das liegt in ihrer Meutehundabstammung begründet, die sich hier wieder einmal zeigt. Beagles sind Meutehunde, obwohl man sie auch mehr oder minder gut allein halten kann. Sie mögen einfach nicht gern lang allein sein, obwohl auch das eine Übungsfrage ist. Aber eigentlich habe ich gar keine Lust meinem Hund allein sein beizubringen.
Fräulein Lotte hat diesen Hang zum Extremkuscheln immer noch, nur streicheln reicht manchmal nicht. Früher, als der Hund noch aufs Sofa durfte (sie haart einfach zu dolle) hat sie sich regelmässig in die engsten Ecken gequetscht, um die maximale Körperlänge abzudecken. 

Falls sie heute übrigens ausnahmsweise im Bett schlafen darf, tut sie das immer noch. Aber da auch ein so kleiner Hund wie Lotte, die verglichen mit allen anderen Beagles wirklich ein Zwerg ist, sogar mit den anderen Mädels, im Bett ein RIESIGER Dinosaurier wird, passiert das nicht allzu oft. Ausserdem kann sie sich so dramatisch um sich selbst drehen, dass sie innerhalb von einer Stunde dreiviertel des Bettes erkämpfen kann. 

Nachdem ich ihr also diese beiden Möglichkeiten zum Kontaktliegen genommen habe, muss sie sich heute wohl oder übel mit meinem Schoss begnügen. Auch mein Beaglechen hat gelernt, dass ich praktisch regungslos, aber konzentriert, nach ihrem Geschmack viel zu lange, vor meiner Blechkiste sitzen kann. Welch besserer Moment könnte sich ergeben? Da sie seit langem auf meinen Schoss springen kann, ohne sich dabei den Hals zu brechen, nimmt sie die Gelegenheit sehr oft wahr. Um im gleichen Augenblick festzustellen, dass ich entweder zehn Zentimeter zu klein bin oder sie fünf Zentimeter zu gross, denn sie passt eben nicht ganz genau auf meinen Schoss. Damit ergeben sich fünf Minuten Turnerei auf meinem Schoss, um dann die immer gleichen Positionen einzunehmen. 
Sitzend,  das Kinn auf meinem Arm abgelegt, Pfote auf dem Schreibtisch. Das ergibt eine ausgesprochen unbequeme Position für mich, aber ich möchte es dem Hund ja nicht unbequem machen, also sitzen wir so lang da, bis mir der Arm einschläft, oder das Bein, oder beides.
Das macht Lotte ja zum Glück nichts, sie turnt wieder fünf Minuten, denn eigentlich geniessen wir beide unsere "Gemeinsam-Arbeits-Zeit", sie ist da mehr die schnarchende Unterstützung, sie würde mich aber auf keinen Fall allein lassen. Es ist nie sicher, ob ich wirklich auch die besten Ideen aufschreibe. Ab und an wacht sie auf, blinzelt mich an, vermutlich um abzuschätzen, wie lang ich gedenke noch vor der Kiste zu sitzen und schläft praktisch sofort wieder ein. Ich bewundere meinen Hund für diese Fähigkeit, sofort in Tiefschlaf fallen. Vermutlich liegt es daran, dass sie wirklich alles um sich hat, was sich ein Hund wünschen kann. 

Das Januarloch

Januar ist für mich der aller, allerschlimmste Monat. Von allen. Die Sonne ist nicht in Sicht, es ist grau und trüb, die Tage sind kurz, die Spaziergänge fangen an einem immergleichen Muster zu folgen und der Hund langweilt sich, Hundeschule findet nicht statt, weil der Platz unter Wasser/Schnee/Eis steht. Viel Zeit um sich Blödsinn anzugewöhnen und eben nicht zu bloggen.
Mich hatte es diesen Januar auch noch schwer erwischt und ich war gefühlt vier Wochen krank. Richtig nervig. Aber jetzt haben wir endlich Ende Februar, die nasse, eklige Zeit ist fast vorbei, gestern gabs den ersten Frühlingsspaziergang, an dem sich so einige liegen gebliebene Beaglewehwehchen zeigten und die die Blogwelt geht wieder auf.
Was ein Hund alles vergessen kann! In so kurzer Zeit.... Rückruf nicht mehr so perfekt, hier die Nase verräterisch am Boden, da der Schwanz proletig erhoben um andere Hunde anzupöbeln.
Die Dame war definitiv unterbeschäftigt.
Ja, sie pöbelt seit neuestem. Gerade den zweiten Lenz erreicht, schon haben wir den Grössenwahnsinn. Kommt Madame einer dumm, gibts sofort eins auf die Nase. Wo sind wir denn hier? Kuriert wurde diese Macke nicht etwa durch gezieltes Training, sondern durch mehr Beschäftigung. Der nette Goldie von nebenan wird jetzt nicht mehr angepöbelt.
Eigentlich ein bisschen schade, denn es stellte sich heraus, dass Lotte eine eindrucksvolle Bürste machen kann, quasi ein Iro, der vom Nacken bis zur Schwanzspitze reicht. Und so kerzengerade, wie der Schwanz dann steht würde sie jede Ausstellung gewinnen.

Eine neue Macke ist auch ihre Hapophobie, sie lässt sich von Fremden einfach nicht mehr anfassen. Tut sie nicht. Kennt sie die Menschen ist das kein Thema, aber Fremde? Bitte nein, nehmen sie Gichtgrapschen weg, sonst gehe ich. Und sie geht wirklich! Setzt sich mit dem Rücken zu meinem Gesprächspartner und ignoriert. Die dummen Gesichter sind super. Sie bekommt daheim auch wirklich genug Aufmerksamkeit, mehr braucht Hund nicht.
Trotz und alledem ist sie nach wie vor ein grosser Fan der Innenstadt, so many people to meet. Wenn sie nicht angefasst wird. Aber Menschen müssen Hunde irgendwie immer anfassen, ich kann diesen Reflex auch immer nur sehr schwer unterdrücken, ich glaube sie hat einfach genug davon, dass ihr dauernd jemand ins Gesicht gefasst hat. Da hat sie sich so viel Mühe mit der Frisur gegeben und dann das! Und dann erst noch an die Ohren, ihr persönliches Heiligtum. Ich muss auch immer darauf achten, dass ich den Rest des Hundes streichle, aber diese Ohren sind soooo toll. So flauschig, so perfekt, wie ein Pyjama im Übergrösse. Leider habe nicht nur ich diese Feststellung gemacht, sondern auch noch viele andere Menschen, die Lottes Ohren zu schätzen wissen.
Vielleicht kuriert sich diese Krankheit ja in der Uni wieder, denn die hat zu allem Unglück auch mittem im Winter wieder angefangen, aber vielleicht reisst uns das aus der Lethargie des vergangen Monats.

Lotte hat tausend Namen... fast.. :-)


Das erste Mal....

In meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Hunde, woran das wohl liegen könnte? Eine gute Freundin von mir geht morgen zum ersten Mal den Wurf Lagottos anschauen, von dem sie sich einen Rüden wünscht. Natürlich muss ich bei solchen Gelegenheiten immer daran denken, wie ich meine Lotte kennengelernt habe.
Ein kleines, fiepsendes Eufelchen, das gar nicht damit einverstanden war, dass sie aus der Wurfkiste gehoben wurde und irgendeinem komisch riechenden und offenbar ganz und gar nicht zum Rudel gehörenden Menschen unter Nase gehalten wurde. Ich war hin und weg von diesem Tier. Von da an habe ich sie oft besucht, wahrscheinlich so oft, dass ich meiner Züchterfamilie so richtig auf den Keks gegangen bin. Ich habe die Tage gezählt, konnte es kaum erwarten diesen kleinen Hund auf dem Arm zu halten und mit nach Hause zu bringen. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht lang unser zu Hause sein sollte und wir später ein viel besseres für uns finden würden.
Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, jeden Tag aufgeschrieben, was ich mit meinem Hund alles tun wollen würde, was ich alles beachten wollte. Ich habe mir generalstabsmässig durch alle Beagleforen gelesen und war der Meinung auf alles vorbereitet zu sein.

Aber jedes Tier ist anders, ich hätte nie damit gerechnet, dass ich eine jagende Dreckschweindiva, die sich niemals auf den Boden legt, bekommen könnte. (Wir wünschen uns eine marys nap Reisetasche...)Ein anhängliches Wesen, das mit jedem Monat, den sie mit mir lebt andere Hund noch weniger neben sich akzeptiert und ich damit schweren Herzens wohl Einzelhundbesitzerin bleiben werde, sie findet andere Hunde nett, aber irgendwann reicht es. Sie fordert ihre Privilegien ein oder verkloppt die anderen Hunde, bis sie ihre Körbchen zurückerobert hat. Ihr ist es ja schnurz, ob die anderen auf dem Boden liegen. Es gab Momente, in denen ich mit diesen sturen Etwas überfordert war, aber ich habe viel gelernt.

Alles das wusste ich in diesem ersten Augenblick nicht, ich konnte es erahnen. Ein Welpe ist wie ein Baby und ich bin der Meinung, auch wenn wir das nicht wollen, wir binden unser Herz an unsere Tiere, vielleicht nicht wie bei Kindern, aber nahe dran. Wenn Eltern verzückt vom Geruch ihrer Kinder sprechen, dann schmunzle ich, weil mir unvermittelt Lottes Stinkfüsse in den Sinn kommen. Sie stinken wirklich und sie sind Hundehobbitfüsse, mit sooooo viel Fell dazwischen, dass ich es manchmal schneiden muss, aber für mich riechen sie nach meiner Lotte.  Wir sind wirklich ein mad team, ich kann mir nicht mehr vorstellen ohne sie zu sein. Ich war gerade eine Woche ziemlich krank im Bett, wäre ich allein in der Wohnung gewesen, ich hätte sicher die Wände angekratzt, so habe ich meinem Hund ab und zu etwas vorgelesen und die fünf Tage Zweisamkeit genossen. Sie durfte sich mit aufs Sofa kuscheln und ich bin sicher, ohne sie wäre ich nicht so schnell wieder fit geworden. Vielleicht ist das alles auch einfach nur Einbildung und vielleicht habe ich den Knall, den mir manche Menschen nachsagen, aber ich habe ihn gern. Dieses warme, weiche Wesen, das sich gerade in mein Bett geschlichen hat und sich dich an mich ankuschelt, hat mein Hundeherz erobert und gewonnen.

Ich hoffe, dass ich sie ganz lang in meinem Leben behalten darf, denn auf der anderen Seite ist der Hund eines Freundes gerade unvermittelt und brutal aus dem Leben gerissen worden. Wann immer ich daran denke, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Mit drei Jahren auf dem Spaziergang todgebissen, welche Bestie ist dazu fähig? Auch so etwas ahnt man nicht, wenn man seinen Hund zum ersten Mal auf dem Arm hält. Ich kann nur erahnen, wie schrecklich ein solches Erlebnis sein muss.  Ich habe schon zwei Hunde gehen lassen müssen, nur der Gedanke daran tut weh.
Hunde schaffen es, sich in unser Herz zu schleichen, sich auf dem Diwan des Lebens einen Ehrenplatz zu erkämpfen und mit jeder Stunde, jedem Spaziergang, jedem Monat, jedem Jahr wachsen sie einem stärker an Herz, vergrössern es pathologisch und geben dem Leben einen anderen Blickwinkel.
Wer sonst, ausser Hundehaltern, ist jeden Tag im Wald, spricht mit gross und klein, hat immer etwas zu plauschen, macht sich zum Affen und ist trotzdem glücklich dabei? Wer hat die Taschen voll klebriger Leckerli, durchgeschlabberten Beisswürsten, Hundetüten, Futterbeutel, kleinem Arzneiset (es kann immer etwas passieren! inkl. Sterilium), Messer, Taschenlampe (extra hell), einer Pfeife und natürlich dem absoluten Highlight, einem Clicker! Das sind nur die Dinge, die sich gerade in meiner Barbourjacke befinden. Ausgenommen der Leckerli, die sind im Leckerchensack. Andere Menschentragen diese Jacken als Fashionstatement, für mich sind sie ultimativ praktisch...
Diese kleinen Hundebündel bringen einen zu solch drastischen Massnahmen und sie bringen einem bei, dass es Momente gibt, in denen es einfach egal ist, wie man aussieht. Lotte musste so oft pieseln, dass ich irgendwann nur noch die Barbourjacke übergeworfen habe, dicke Schuhe an die Füsse gezogen habe und im Schweinsgalopp runter bin. Seit dem gehe ich auch ganz entspannt in Schluffklamotte spazieren, das hätte ich mir vor diesem dreifarbigen Wundertier auch nicht träumen lassen.

Trotz aller Worte lässt sich das Gefühl für meinen Hund nicht in Worte fassen, Liebe ist nicht richtig, ich liebe sie nicht wie meinen Freund oder meine Schwester oder meine Eltern. Verbundenheit auf eine sehr intime Art und Weise, ich weiss, dass sie mich lesen kann, wie ein Buch. Sie reagiert auf mich, wie ein Seismograph, manchmal sagt sie mir, wie es mir geht, bevor ich es weiss. Sie trägt es mit Fassung. Ich kenne ihre schwachen Tage und ihre Schwächen.
Es gibt Menschen, die möchte ich anschreien und ihnen sagen: "Kauf dir einen Hund, dann lernst du dich endlich selbst kennen!" Nur bei ausgeprägtem Egomanen klappt das nicht, auch das musste ich leider erfahren.

Und die Reise für Lotte und mich begann erst richtig, als ich ihr Moritz erstes Welpenhalsband anzog, sie auf den Arm nahm, mich ins Auto setze, Angst hatte, dass sie Angst haben könnte und Lotte stattdessen lieber das Auto zusammenbrüllte (schon Beaglewelpen heulen eher, als dass sie bellen), weil sie schon da lieber auf Erkundungstour gegangen wäre, als auf diesem nervigen Schoss sitzenbleiben zu müssen. Im Nachhinein ist mir klar, sie war schon da der perfekte Hund für mich. So many things to do, so many people to see, so many places to visit.

25 Gründe, warum Lotte einfach die weltbeste Beaglebegleiterin ist...

Bald ist es zwei Jahre her, zwei turbulente Jahre in denen Lotte den Job als Fels in der Brandung in meinem Leben übernommen hat. Sie war das wohl beste Weihnachtsgeschenk, das ich mir selbst hätte machen können und ich bin wohl offenbar die Person, mit der sie das Leben am liebsten teilen wollte, hier sind die Gründe (und es gäbe sicherlich noch viele mehr), warum Lotte einfach das Beste ist, was mir in vierpfotiger Form stolpernd über den Weg laufen konnte.

  • Gelassenheit, es gibt nichts, aber auch wirklich fast gar nichts, was diesen Hund aus der Ruhe bringt. Kinder? Geschenkt. Böller? Kein Thema. Ausser vielleicht saures Frauchen, das bringt sie aus dem Takt. 
  • Richtiges Benehmen an richtiger Stelle. Natürlich Übungssache, aber Lotte ist ein Naturtalent. Sie dreht auf, wenn es darum geht und liegt acht Stunden ruhig in der Uni, wenn es verlangt ist. Sie weiss einfach, wie es geht.
  • Falsches Benehmen an richtiger Stelle. Meist mit Absicht und bringt mich mindestens zum Schmunzeln, die Kinderschokolade vom Tische geklaut, nicht gesund, aber die Extraportion Milch machts wieder wett. 
  • Charme. Sie wickelt JEDEN! um den Finger. Ihr mädchenhafter Augenaufschlag ist genau getimt, sie weiss einfach, wie es geht. Sie würde sogar Kühlschränke zum Tauen bringen. 
  • Schönheit. Punkt. 
  • Das alberne Lottetier, wenn sie selbstvergessen, alles charmante ablegt und sich undamenhaft einen Stock zum Spielen sucht, ihn vor sich her wirft, hinterherrennt und dann völlig fröhlich und ausgelassen zu mir rennt, um mit mir weiter zu spielen... Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke
  • Lotte, das Arbeitstier. Dazu muss ich ja nun wirklich nichts mehr sagen. Lotte weiss genau, wann Arbeit ist. Und dann arbeitet sie. Wahnsinn. 
  • Riesige, immer noch nach Welpen riechende Pfoten. Werden hin und wieder gewaschen. 
  • Fallschirmohren, die haben alle Beagle, aber sie sind einfach wunderbar, flauschig, weich, warm, lustig, ausdrucksstark. Es gibt einen ganzen Post dazu. 
  • Ego, kleine Hunde sind wie kleine Männer, je kleiner, umso grösser das Ego. Lotte ist im Herzen ein grosser Schweizer Sennhund. Mit Nase. 
  • Parfüm, Lotte versucht mich für neue Düfte zu begeistern. Derzeit sind unsere Geschmäcker aber weit auseinander. 
  • Ausgelebte Teeniephasen, vermutlich wird mich ein trotzendes Kind nicht mehr so stark aus dem Tritt bringen, Lotte war anstrengend. 
  • Verschlafen blinzeln. Lotte ist der schlechteste aller Wachhunde. Sie verschläft sogar, wenn ich zur Tür reinkomme, knipse ich dann das Licht an, dann blinzelt sie SO süss, dass ich sie eine halbe Stunde lang wachknuddeln möchte. 
  • Wachhund sein, wenn man keinen Wachhund braucht. Lotte kein Schisshase, aber nachts ein wenig aufmerksamer. Es ist egal, ob uns ein Windstoss, ein Jogger, ein Räuber oder ein Hase entgegenkommt in der Nacht. Es wird angebellt. Was hat es auch im Wald verloren!
  • Anderen Hunden die Meinung geigen, heute hat sie einen Welpen verkloppt, der ihren Futterbeutel nehmen wollte. Gehts noch? Gibt natürlich Schimpfe vom Chef, aber ihr Arbeitseifer ist einfach der Knaller (s.o.)
  • Menschen ignorieren. Lotte hat einen ausgesuchten Geschmack, nur bestimmte Menschen haben das Recht sich der Diva zu nähern, bei allen anderen geht sie aus dem Weg und lässt sich auch auf gar keinen Fall streicheln. Besonders bei denen, die mich nerven. Tausend Dank, Lotte
  • Den höchsten Platz suchen. Klarer Napoleonkomplex. Bietet sich die Möglichkeit ist Lotte so weit oben, dass sie auf die Welt herabschauen kann. 
  • Schnarchen, ganz leise und doch hörbar. Manchmal aber auch laut wie ein besoffener Braunbär
  • Kuscheln, ab und zu, oder bei Mum darf der Hund im Bett schlafen, sie kuschelt sich dann soo eng an mich, dass ich schmelzen möchte, wegrücken ist keine Alternative, sonst schlafe ich neben dem Bett. Man glaubt nicht, wie gross ein so kleiner Hund in einem Bett werden kann. 
  • Liebe zu Männern, Lotte liebt Männer. Besonders den Mann in meinem Leben, was ich absolut verstehen kann
  • Schnelligkeit, wenn Lotte spielt kann sie extrem schnell werden, ich sehe ihr so gern dabei zu, wenn sie sich langzieht und rennt, was ihre Stöpselbeine hergeben
  • Ihre Nase, alles wird zuerst abgeschnüffelt und zwar nicht schnell schnell, sondern gaaaanz genau. Hosenbeine, Hände, Leckerchen, ......
  • Stirnrunzeln, wenn ihr etwas nicht passt
  • Ihr Bettelblick, natürlich die perfektionierte Variante. So süss! Es gibt trotzdem nichts. 

Blackfish

Kürzlich habe ich den Film "Blackfish" geschaut, eine Dokumentation über die Haltung von Orcas in Vergnügungsparks. Mir ist das Fischstäbchen im Hals stecken geblieben. Wie schrecklich, ich werde einen solchen Park nicht mehr unterstützen und auch nicht mehr besuchen.
Aber ich komme nicht drum herum mich selbst zu fragen, mache ich denn nicht das gleiche mit Lotte?
Natürlich, ich bewege sie viel, vermutlich sogar mehr, als der Normalhundehalter. Ich überlege mir immer wieder neue Herausforderungen. Aber im Augenblick liegt sie halt einfach gelangweilt neben mit im Starbucks und musste den ganzen morgen in der Uni auf ihrer Decke liegen und mehrheitlich die Klappe halten und schlafen, sie tut das mehr oder weniger gern. Verdonnere ich meinen Hund nicht auch zu einer Art Einzelhaft?

Ist das, was ich tue eigentlich artgerecht? Muss man sich als Hundehalter solche Fragen überhaupt stellen, denn so läuft das ja schon seit hunderten von Jahren.
Ich finde man muss über solche Fragen immer wieder nachdenken, besonders bei den hochspezialisierten Hunderassen, die uns heute begleiten. Nur so können wir Hundehalter die Haltung perfektionieren und trotzdem ganze Wohnungsmöbel ohne Bissspuren besitzen.
Ich denke im Augenblick also vermehrt über das Problem nach, je länger je mehr komme ich zu dem Schluss, dass es eigentlich in Ordnung ist, was ich tue. Hunde sind hochsoziale Tiere, auch wenn das manche Menschen nicht verstehen, aber ich bin Lotte Sozialpartnerin. Sie ist meine Begleitung, es ist meine Aufgabe darauf aufzupassen, dass sie nicht zu lang allein ist. Auch wenn das ab und zu trotzdem passiert, aber eben, ab und zu, weder täglich, noch wöchentlich. Das Bedürfnis nach Sozialkontakten versuche ich ihr auch zu erfüllen, indem wir regelmässig mit Hundefreunden spazieren gehen, sie spielen darf und manchmal auch ihren besten Freund verkloppen, wenn er ihr wieder auf den Senkel geht.

Sie führt sicher kein Leben, dass sie führen würden, wenn sie auf sich allein gestellt wäre. Aber würde das überhaupt noch funktionieren? Unsere Haushunde werden verhaltensgestört, wenn sie keinen Kontakt zu Menschen haben, welche tragisch schöne Studie. Da hat Lotte natürlich Vorzugsbehandlung, sie hat nicht nur Kontakt mit Menschen, nein, ich erzähle ihr sogar alles mögliche.
Ich probiere mein möglichstes, dass Madame ihre Triebe ausleben darf, ohne dass ein anderes Tier zu Schaden kommt. Ich gehe Fährten, Joggen, Velo fahren, Agility, jagen. Ich versuche keine Minute meiner Freizeit ohne Hund zu verbringen, zum Teil begleitet sie mich auch zur Uni. Sie wird also auch mit fremden Reizen überschüttet. Das war ein Kritikpunkt von vielen in dem Film, die Orcas haben zu wenig Platz und zu wenig Reize, die sie stimulieren. Bei einem Hund ist das natürlich einfacher zu erfüllen, als für einen Orca den Ozean nachzubauen, in dem adäquate Umweltreize zu finden sind. Wir können ja die  Luft auch viel zu wenig lang anhalten, um mit ihnen Gassi zu gehen.
Lotte findet die Stadt und ihre Bewohner jeden Unifreitag immer wieder wundervoll. Man findet so viele gute Dinge zum Fressen, jede Strassenecke duftet verführerisch, nach einem unglaublich langen 8 Stunden Tag Uni ist Lotte vollkommen platt. Nicht mehr zu gebrauchen, als hätte sie selbst studiert und gelernt, aber ich glaube sie versucht diesem Treiben emotional auf die Schliche zu kommen. Es geht ihr weniger um sie Menschen als um die Reize, die auf sie einprasseln, die verschiedenen Stimmungen und Wandlungen, die während einer solchen Stunde passieren. Besonders schlimm war es für sie letzte Woche, als eine Kollegin von mir ziemlich heftig für ihre Arbeit gerügt wurde. Danach war sie richtig fertig, sie würde in solchen Situationen am liebsten den Raum verlassen, wispelt auf ihrer Decke herum und schämt sich fremd. Oder wenn ich mich in einer Stunde aufrege, Lotte wird wahnsinnig, wenn sie mir dann nicht auf den Schoss springen darf (was sie natürlich nicht darf), sie versteht einfach nicht, was es soll.

Nein, ich glaube ich komme wieder einmal zum Schluss, dass ich meinen Hund so artgerecht wie möglich in mein menschliches Leben integriere und sie trotzdem Hund bleiben darf. Im Herzen, dass wissen meine Leser ja nun schon lang, ist sie sowieso eine Diva-die Kallas.. Das einzige, was sie nicht artgerecht findet ist die Futterration, aber da schaut der Mann meines Lebens drauf, letztens gabs Feigen mit Vacherin, für den Hund... Naja, ein bisschen menschlich muss man ja sein.


Wir sind einfach ein "mad-team"...

An die Arbeit!

Zugegeben, der Frostboden hat Lotte nicht zu knapp geholfen, aber man sieht, wie gerne und schnell meine Dame fährtet.


Das macht richtig Spass und danach ist Lotte für den Rest des Tages todmüde. Richtige Beaglearbeit eben.

Jagd - unnütz und unethisch?

Oftmals ist wird mir die Frage gestellt, wie ich es mit meinem Gewissen vereinbaren kann, dass ich zur Jagd gehe. Die Frage muss ich auf verschiedenen Ebenen beantworten und oftmals bekomme ich von Menschen, die nicht mehr als einen Spazierweg im Wald beschritten haben, wüste Anfeidungen zu hören.
Besonders im Herbst, wenn Treibjagden wieder Hochsaison haben und ich wieder mit Hund ausrücken kann.

Das alleroberste Argument, dass ich zu hören bekomme "Die Tiere sterben in Angst und Schrecken. Das Adrenalin verdirbt doch das Fleisch." Komisch, ein solches Argument höre ich nie, wenn ich an der Coop Kasse mein imaginäres Qualité et Prix Pouletschenkeli kaufe. Das tue ich natürlich nicht. Unsere Zuchttiere sterben qualvoll in Schlachthöfen, zu denen sie unter widrigsten Bedingungen gekarrt wurden. Bei Transport- und Produktionsbetrieben wird von vornherein eine bestimmte Prozentzahl der Tiere abgezogen, sie sterben an Herzversagen, oder weil sie zerdrückt werden. Weil es günstiger ist, werden Schlachttiere aus Deutschland nach Italien gekarrt, weil Geld gespart werden kann.
Auf der anderen Seite verlangt unsere Gesellschaft immer öfter nach Biofleisch, leider ist das Bild vom liebevoll aufgezogenen Kälbchen ein Marketinggag - entweder man ist heute Milch- oder man ist Fleischkuh, Zweinutzungsrassen und Mutterkuhhaltung sind zwar auf dem Vormarsch, aber noch längst nicht gang und gäbe- sie sind auch noch nicht rentabel genug.
Die Nachfrage nach Wildfleisch kann kaum gedeckt werden, auch dieses muss mittlerweile gezüchtet werden und wird auf ähnlich widrige Weise getötet. Wirkliches Biofleisch "wächst" nur im Wald, es darf sich auf natürlich Weise vermehren, lebt ein artgerechtes Leben, auf den Treibjagden wird es in Bewegung gebracht, damit es der Jäger schiessen kann. Würden die Tiere in voller Panik flüchten, dann hätte ich nicht letztens über ein Schwein stolpern müssen, bis ich es gesehen habe. Es ist dann davongerannt, wie es jedes Wildtier tut.
Machen wir uns nichts vor, Fleischkonsum ist der Luxus des kleinen Mannes geworden, obwohl Ernährungsberater, Umweltschützer und Ärzte gleichermassen davon abraten. Jeder Schweizer isst pro Woche ein Kilo Fleisch. Wir sind also weit entfernt von einer vegetarischen Gesellschaft. Das Futter für diese Tiere wird importiert, weil es gar nicht mehr so viel Weideland gibt, dass wir das Futter selbst anbauen könnten. Was für ein Irrsinn. Natürlich löst die Jagd so ein Problem nicht, aber grosse Jagden verkaufen unter Einhaltung ihrer Abschusszahlen bis zu zwei Tonnen Fleisch pro Jahr, aufbauen auf nachhaltiger, extensiver Landwirtschaft, es wird minimal zugefüttert.
Das, was mich an dieser Aussage auch sehr stört ist der grössere Teil der Menschheit, der im Wald unterwegs ist, "Nichtjäger". Jogger, OL Läufer, Mountainbiker, Reiter, Hündeler, wie oft bin ich im Wald unterwegs mit Hund und treffe herrenlose Hunde an, die auf geradewohl am Jagen sind. Mountainbiker, die quer durch den Wald rasen, sich nicht an Wege halten und somit auch keine Rückzugsmöglichkeiten für das Wild offen lassen, ebenso Jogger und OL Läufer, die einfach querfeldein durch den Wald pesen, als ob es kein Morgen gäbe und die Welt ihnen gehörte. Wild- und Waldschutzzonen werden grosszügig ignoriert, ein Grossteil der Tiere wird aufgescheucht, einige von ihnen verenden elendiglich vor Autos, die sie zu Tode fahren. Das ist wirklich ein hässlicher, langer Tod, wenn der Autofahrer das nicht meldet und das Tier im Wald verreckt, weil es eben nicht gleich ganz Tod war, wie es bei einem Schuss der Fall sein sollte. Es sind im übrigen die Jäger, die mit Nachsuchehunden diese Tiere aufspüren und töten müssen, unentgeltlich, das Fleisch ist selten brauchbar. In meinem Spaziergebiet ist der Stress im Sommer so gross, dass bis zu 60 Rehe überfahren werden, das dezimiert den Abschuss durch die Jäger deutlich, bringt ihnen mehr Arbeit und weniger verkauftes Fleisch und trotzdem zahlen sie jedes Jahr ihren Pachtzins.

"Jäger sind blutrünstige Arschlöcher, die nur aufs Töten aus sind." Waren unsere Vorfahren das auch? Es gab schliesslich mal eine Zeit, da musste man noch jagen gehen. Das ist nicht allzu weit von uns entfernt, während der Industrialisierung gab es meiner Meinung nach noch keine Supermärkte. Es wurde auch noch selbst geschlachtet.
Ich bin nicht dieser Meinung, aber ich denke, dass es immer einige schwarze Schafe gibt. Deshalb sollte man aber nicht alle Jäger über einen Kamm scheren, negativ Beispiele, wie das Facebookmonster Michelle Bachmann gibt es, keine Frage und schrecklich genug, dass es sie gibt. Das grüne Abitur wird in den letzten Jahren immer beliebter, ich denke nicht, dass das daran liegt, dass die Menschen blutrünstiger werden. Ich denke eher, dass sie mehr Interesse an unseren Wurzeln haben. Der Wald und seine Bewohner erden uns, geben uns Halt und viele Jäger unter anderem mein eigener Vater sehen das Ansitzen im Wald als eine Entschleunigung des Alltags, die Möglichkeit zu sich zu kommen und nachzudenken, sich über Stunden mit sich selbst zu beschäftigen. Wie oft hat mein Vater mir erzählt, was er alles im Ansitz gesehen hat und am Ende doch nicht geschossen hat. Er hatte keine gutes Gefühl, es war nicht der Tag. Die meisten Jäger sind sich, wie Tierärzte, der Verantwortung über das andere Leben bewusst. Machen sie den Finger krumm, dann stirbt das Tier. Es gibt nur wenige, die das als Nervenkitzel sehen.
Man könnte jetzt darüber diskutieren, ob es richtig ist, dass wir heute unser eigenes Fleisch bejagen, wir können es ja im Coop kaufen. Aber Jägersfrauen sind meist die einzigen, die noch ein ganzes Tier verwerten können und Niere, Leber und Herz gut herrichten können. Sie muss auch nicht nach der Kühllinie fragen oder sich Sorgen machen, dass sie es mit Gammelfleisch zu tun hat. 
Jäger wissen wo ihr Fleisch auf dem Teller herkommt, sie verwerten das gesamte Fleisch des Tieres, die Hunde bekommen jeweils das Herz, wenn ich aufbreche. Gekocht, versteht sich. Ich nehme ab und an sogar den Schweiss, also das Blut mit, um Fährten zu legen für Lotte. Die Darmteile werden im Wald gelassen und dort von Füchsen gefressen. 

"Unsere Wildbestände regulieren sich von selbst viel besser, da braucht es keine Jäger. Siehe Beispiel Genf." 
Schlichter Unfug, in Genf werden jedes Jahr 545 Sauen geschossen, von Wildhütern, das kostet den Steuerzahler allein für die Nachtjagden auf dem kleinen Gebiet 400`000 CHF, jährlich. Das ist mehr als ein Abschuss täglich, einiges mehr als auf dem Jagdgebiet von Basel beispielsweise. Da kommen noch Waffen-, Personal-, Munitionskosten dazu, wie auch die eigene Schlachtanlage, etc. Alle anderen Jagdpächter zahlen dem Staat einen Pachtzins, sie kümmern sich um Wildschäden, sind vor Ort, wenn Tiere angefahren werden, machen Zählarbeit, Kirrungen, etc. Alles unentgeltlich, sie bringen dem Staat also einen Mehrwert, den sie selbst bezahlen. Der Schuss, das was immer mokiert wird, ist der kleinste Teil der Arbeit. Jagdpächter müssen sich selbst um eine Schlachthalle kümmern, sie organisieren nicht nur Treibjagden, sondern sitzen nächtelang im Dunkeln auf dem Hochsitz und warten, durchschnittlich 30 Stunden im Ansitz, bis sie ein Tier schiessen. Das erklärt auch, warum Treibjagden von Nöten sind, es sind schlicht mehr Jäger unterwegs und die Treiber geben dem Wild Bewegung, trotzdem werden die Jäger immer noch viele Nächte im Wald verbringen. Die Abschusszahlen werden von der Politik vorgegeben und müssen erreicht werden. In Genf wird ganzjährig geschossen, alle anderen halten sich an Wildruhezeiten. Es wird auch gern argumentiert, dass man in Genf vom Jagdlärm ungestört durch den Wald gehen kann, ich gehe jeden Tag durch den Wald und sehe nur die Grünröcke, die ab und zu in ihrem Vereinsheim zu den Bläserabenden unterwegs sind. Einmal im Jahr ist der Wald gesperrt, dann ist eben Jagd. Einmal im Jahr und nachts, wenn die Jäger allein ansitzen sehe ich nur sehr selten jemanden im Wald, gerade im Winter bleiben die Menschen in ihren Wohnungen. Es wird ebenso mokiert, dass man in unseren Wäldern gar keine Tiere sehen würde, das stimmt auch nicht, man muss nur wissen, wo man sie suchen muss. Ich sehe oft frischen Aufrbuch im Wald, abgebissene Triebe an Bäumen von Rehen, aber Rehe sind Fluchttiere und Sauen sind dämmerungsaktiv und auch sehr scheu, aber von Natur aus. Bambi wird sich vermutlich selten auf den Weg stellen und sich streicheln lassen.
Wer sich schon einmal länger mit einem Biologen unterhalten hat, der wird feststellen, dass viele Naturschutzvereine, wie zum Beispiel pro natura, der Jagd nicht ablehnend gegenüber stehen. Eines steht für mich aber auch fest, manche Strukturen werden sich in den nächsten Jahren verändern. 

Jagd ist heute nicht mehr wie früher ein gesellschaftliches Highlight, sondern wird von wenigen betrieben. Sie stecken viel Geld, Zeit und Arbeit in ihre Pachten. Ansitzjagden gewinnen an Priorität, die Jagd mit Hund im Trieb wird unwichtiger. Alte Bräuche werden sich nach und nach auflösen, auch wenn ich persönlich diese Bräuche zum Teil sehr schätze. Ich mag das Jägerlatein, weil ich denke, dass jeder Zusammenschluss von Menschen eine "eigene Sprache" spricht, Hündeler, Gümmeler, Wanderer, Berufsgruppen, Sprache eint uns, bei so viele verschiedenen Menschen, die ich auf der Jagd antreffe schätze ich es, dass wir eine Sprache sprechen. Auch das althergebrachte Brauchtum mit dem letzten Bissen und dem Verblasen der Strecke wird oft belächelt oder kritisiert, der Schütze würde sich noch einmal im Blut suhlen dürfen, vor all seinen Kollegen angeben, was er tolles geschossen habe. Dabei wird einerseits nicht beachtet, dass ein Fehlabschuss grössten Spott einbringen kann, der sogar dazu führen kann, dass ein Jäger, der ein Wildstück nicht richtig angesprochen hat, nicht mehr zur Jagd eingeladen wird. Andererseits empfinde ich es als eine Rückblick auf die Jagd, wie ist es gelaufen und Ruhe einkehren lassen, die Schützen ziehen den Hut vor dem Tier und es wird nicht viel geredet dabei. Die Hörner lassen mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken laufen, manchmal heulen die Hunde dazu, Abschied nehmen. 
Das gemeinsame Essen nach der Jagd ist oft lustig und feuchtfröhlich, aber das ist auch in jedem Turnverein so, der ja auch gesellschaftlich anerkannt ist, wie auch die Studentenverbindungen, die Jägerschaft ist auch einer dieser alten Treffpunkte, in einer schnelllebigen Zeit haben junge Menschen wie ich selten die Chance sich mit älteren Menschen zu unterhalten, die nicht aus der eigenen Familie stammen. Mit älter meine ich über sechzig. Es gibt zu wenig wirklich engagierte junge Jäger in meinem Alter. Man trifft sich ein paar Mal im Jahr, redet, erfährt etwas über die anderen, auch das ist Jagd. Es wird heute oft davon geschrieben, dass die Menschen zunehmend vereinsamen, aber solche Abend verhindern das. 

Die Jagd bedeutet für mich viel mehr, als das Beschiessen von Tieren, das ist für mich der allerkleinste Teil. Es ist ein faszinierendes Sammelsurium aus Brauch, Tradition, Zusammentreffen, aber auch Lebenserfahrungen machen. Es ist kein Spass für mich, wenn ich Tier getötet wird, aber es ist auch kein Spass für mich, wenn wir unserem Wildtieren den Platz streitig machen und nicht dafür sorgen, dass sie ein artgerechtes Leben führen können. Dafür dienen letzendlich die Abschusszahlen, sie garantieren, dass die Tiere, die dem Abschuss entgehen, genügend Platz haben, dass aber auch der Bewuchs im Wald intakt bleibt, dass die Felder der Bauern, die unsere Grundnahrungsmittel herstellen intakt bleiben und ein ökologisches Gleichgewicht angestrebt wird. Ich bin dafür, dass an Orten, wo es möglich die alten Prädatoren eingesetzt werden, aber es gibt kleine, stadtnahe Reviere in denen das schlicht nicht mehr möglich ist. Luchs, Wolf und Bär brauchen viel Platz und Erfahrungen mit "Problembären" gab es ja genug in der letzten Zeit. 
Ich könnte hier seitenweise weiterschreiben, die Problematik mit Jagdhunden, die nur noch zu Schönheitszwecken gezüchtet werden, etc. Aber das führt zu weit. 

Dies ist ein sehr persönlicher Bericht und diejenigen, die ihn kritisieren möchten, die lade ich ein. Allerdings bitte ich um Sachlichkeit, persönliche Angriffe werde ich nicht dulden. 




Gastautorin bei issnruede.de

Und da wäre unser Erstlingswerk, wie immer inspiriert von meiner Beagleschönheit.

http://issnruede.de/der-beagle-ein-familienhund/

Viel Spass beim Lesen!

Wir habens doch getan...

und es war GRANDIOS!
Lotte und ich waren auf der Jagd. Hier zahlen sich gefühlte tausend Stunden Rückruftraining aus, wenn der Hund erst spurlaut (!!!! ich verstehe jeden Beaglebesitzer, dem das die Tränen in die Augen treibt, tut es doch bei mir auch...)durch den Wald treibt und trotzdem zurückkommt. Ich war stolz wie Oskar. SIE KAM IMMER WIEDER ZURÜCK!!!

Die Jäger lobten mich für meinen super Hund, der ihnen ganz wunderbar Rehe und Säue aufgemacht hat. Leider standen sie meist so, dass die Jäger nicht korrekt ansprechen konnten oder das Tier einfach in keinem guten Winkel war. Stolz wie Oskar war ich und Lotte durfte Rehherz fressen.

Wir fährten fleissig weiter, an der nächsten Jagd gehts dann auch zur Nachsuche, wenn es sein muss. Auf dieser Jagd hatten wir viele disziplinierte Jäger, jeder Schuss sass. So sollte das sein.

Tausend Dank!






Wozu Beagle Ohren gut sind..

- Zum Nicht-Hören
- Zum Ausheulen
- Zum Eisbrocken sammeln
- Um Hundeparfum möglichst flächendeckend auf dem Hals zu verteilen
- Um im Wassernapf zu hängen
- Zur Essensaufbewahrung, man hängt sie gekonnt ins Futter, die hängengebliebenen Reste kann man bestens eine halbe Stunde später abschlecken
- Um Stimmungen theatralisch zu unterstreichen, man kann es kaum fassen, wie traurig Beagles schauen können, wenn auch noch die Ohren herunterhängen
- Um im hohen Gras nicht verloren zu gehen
- Um von Frauchen bei spannenden Krimis fast aus dem Kopf gedreht zu werden, sie sitzen aber trotzdem noch fest
- Um von Frauchen bei Liebesfilmen fast haarlos gestreichelt zu werden
- Damit man besonders süss aussieht, sie unterstreichen das Kindchen Schema
- Um von Welpen abgekaut zu werden (not literally)
- Um von Frauchen beim Lernen abgekaut zu werden (literally)
- Damit alle Menschen fragen können: Ist der noch jung?
- Um zu unterstreichen, dass man doch ein grosser Hund in kleiner Verpackung ist. Die Ohren sind beim Beagle immer so gross, wie das Ego 
- Um kleine Kinder anzulocken
- Um grossen Kindern die Hundeangst zu nehmen
- Manchmal auch zum Hören
- Um sich besser auf eine Fährte konzentrieren zu können (kombiniert mit Punkt 1)
- Um im Winter eiskalt zu sein und nach dem Hereinkommen genau so aufglühen wie Frauchens Gesicht
- Weil Beagles ohne ihre Ohren aussehen würden, wie kleine AmStaffs

Arbeitshunde und die Arbeit mit Hunden

Je länger, je mehr frage ich mich, in welcher Welt leben wir eigentlich? 
Wir kaufen uns Hunde, wohlgemerkt, WIR kaufen sie. Dann höre ich so schlaue Dinge, wie auch aus meinem Mund: "Aber mein Beagle jagt nicht.". Was im Grunde genommen gar nicht stimmt. Sie jagt eigentlich doch, nur einfach nicht vogelfrei, sondern in bestimmten Rahmensituationen. 
Ich gehe, wie der geneigte Blogleser weiss, gerne und mittlerweile viel fährten. Ich habe das aber schon in sehr zartem Alter mit Lotte begonnen und je länger je mehr habe ich unglaublich Spass daran. Lotte natürlich auch, sie darf einmal in der Woche das tun, wofür sie gezüchtet ist. Sie darf mit der Nase jagen. Das findet sie so grandios, dass sie schon, sobald sie weiss, dass die Fährte liegt, fast einen Salto macht und ich sie an die Leine nehmen muss, weil ich meistens, um es schwieriger zu machen, die Fährte liegen lasse und einen Spaziergang mache. Lotte kriegt sich dabei kaum ein. Sie fipst, winselt und will einfach nur zurück, endlich arbeiten dürfen. Sobald es auf die Fährte geht, geht sie ab. Und wie. Vielleicht überläuft sie manchmal die Winkel, ich lege die Fährten sicherlich oft auch nicht so, wie man das machen sollte, aber egal. Es ist einfach just for fun, ich verfolge damit kein sportliches Ziel, sondern ich verfolge damit das Ziel meinen Hund artgerecht und korrekt auszulasten. 
Sie ist ein Nasenhund, wie alle unsere Hunde. Besonders die Jäger unter unseren Vierbeinern. Bei Lady, unserer grossen Schweizerin bin ich manchmal gar nicht so sicher, ob die Nase nicht einfach nur ein hübsches Beiwerk ist, 
Ich konstatiere hier, wie immer unwissenschaftlich, dass Tiere, wenn sie das tun dürfen, wofür sie ausgelegt sind, Spass am Leben haben. 
Letztens wurde mir etwas zugetragen, das mich, obwohl ich die Trainerin, aus deren Mund die Aussage kam, sehr respektiere, stutzig gemacht hat. 
"Fährtende Hunde arbeiten selbstständig und durch dieses selbstständige arbeiten kann es auch passieren, dass die Hunde selbstständig jagen gehen." (So ungefähr zitiert)
Im ersten Augenblick hatte ich das Gefühl, dass das durchaus sinnvoll ist. Je länger ich allerdings darüber nachdenke, umso unsinniger wird diese Aussage. Es pervertiert sozusagen Zuchtbemühungen. Für mich stellt sich das Bild wie folgt dar: Jemand kauft sich, gewollt oder nicht, einen Jagdhund, dieser Hund ist ausgelegt seine Nase zu benutzen. Aus diversen Studien weiss ich, dass ein Verhalten, wenn es unterdrückt wird und das wird das natürliche Jagdverhalten des Hundes durch uns sowieso schon, zu Übersprungshandlungen und extremeren Handlungen führen kann. Sprich, wenn der Hund dann einmal dazu kommt einer Spur zu folgen, dann wird er sie nicht mehr loslassen. Rückruf hin oder her. Auch hier führe ich eine unwissenschaftliche Aussage an, ich bin der Meinung, dass ein Hund, auch wenn er auf der Nase nicht gefördert wird, das Riechen nicht verlernt. 
Wenn ein Hund nun schon Jagdverhalten zeigt, ist es nicht cleverer dieses Jagdverhalten in einen anderen, gewollten Kontext zu setzen? Ist es nicht intelligenter, wenn man dem Hund beibringt einer menschlichen oder einer Tropffährte aus Blut, Katzenfutter oder sonstigen Widerwärtigkeiten zu folgen, als ihm das Jagen vollständig zu versagen oder auf gut Glück durch den Wald zu laufen und zu hoffen, dass keine frische Fährte findet? 
Natürlich arbeitet Lotte die Fährte selbstständig, ihrem Geruchssinn kann ich nicht einmal ansatzweise Paroli bieten und möchte das auch gar nicht. Aber der Ansatz, dass sie es ganz allein macht, stimmt eben auch nicht. Letzte Woche war ich so fahrig und durch den Wind, dass ich  Lotte vollkommen aus dem Konzept gebracht habe. Wir mussten die Jagd schliesslich gemeinsam abbrechen, nicht wegen ihr, sondern weil ich so unkonzentriert war. Sie konzentriert sich also trotzdem auf mich -  oder gerade deswegen, weil sie die Fähigkeit hat mich zu führen? Fährten ist in meinen Augen Teamarbeit.
Natürlich lernen Hunde auf der Fährte ihre Nase zu benutzen, aber sie lernen, einem bestimmten Geruch zu folgen. Es käme ja auch niemand auf die Idee zu behaupten, dass ein Drogenspürhund ein Jäger ist, weil er weiss, wofür seine Nase an der dafür vorgesehenen Stelle angewachsen ist. 
Lotte läuft also fährtend vor mir her, aber ich erkenne, wann sie abkommt, gebe ihr Kommando. Am Ende bin ich diejenige, die den Napf aufmacht. 
Nach dem Fährten sehe ich einen unglaublich zufriedenen Hund, der nach 20 Minuten Arbeit so müde ist, dass er zwei Stunden zufrieden schläft, ohne einen Mucks. Ich habe den Hund also auf eine Art ausgelastet, die ihr gut tat. Sie durfte das tun, was WIR seit vielen, vielen Jahren in den Genen dieser Hunde versteckt haben. 
Ich exponiere mich sogar noch weiter, ich behaupte, dass es genau das Fährten war, neben meiner unermüdlichen Appellarbeit, die dazu geführt haben, dass Lotte praktisch nicht auf eigene Faust jagen geht. Sie weiss, dass sie in einem, von mir gestecktem Rahmen, die Freiheit dazu bekommt. Wenn ein Verhalten, ich erinnere mich dunkel an mein Studium, unter einer Schwelle gehalten wird, weil es immer wieder ein bisschen, oder wenigstens ansatzweise ausgelebt werden darf, dann wird es, wenn sich wirklich die Möglichkeit dazu bietet sehr viel weniger stark ausgelebt werden oder gar nicht zu Tage tritt. So erlebe ich das Tag für Tag, wenn ich durch den Wald laufe. 
Es stört mich oft, dass wir versuchen den Hunden, denen wir in fast unermüdlicher Zuchtarbeit bestimmte Aufgaben zugewiesen haben, heute innerhalb von wenigen Generationen diese wieder abzugewöhnen. Müssen wir nicht vielmehr daran arbeiten, sie umzulenken oder in ein Teamwork zu integrieren? Das gilt für mich genau so für den Border Collie, wie für den American Staff, diese Hunde sind intelligent, stark und clever. Boder Collie sind aus einem guten Grund meisterhafte Agilityathleten, warum? Weil sie schnell sind und unglaublich auf ihren Führer bezogen. 
Warum sollten wir unsere Jagdhunde nicht darauf trainieren mit uns eine nachgestellte Jagd zu unternehmen? Und zwar egal, ob Vorstehhund, Grubenterrier oder Laufhunde, sie alle verfügen über eine wahrhaft meisterliche Nase.  
Warum können wir nicht die Talente, die unsere Hunde mitbringen nutzen und sie fördern und zwar so, dass beide etwas davon haben. Die Nase des Hundes ist eben nicht wie bei uns ein hübscher Brillenhalter, die hat doch tatsächlich einen Nutzen. Warum lassen wir diesen Nutzen so einfach aussen vor oder unterdrücken ihn willentlich? Wir haben einen Dackel bei uns im Hundesport, die genau wie Lotte sehr, sehr früh angefangen hat zu fährten. Anfangs war ich auch skeptisch, ich wollte auf keinen Fall, dass Lotte ihre Nase am Boden hält, aber die Dackelbesitzerin hat mir ein paar Tricks und Kniffe gezeigt, die uns sehr geholfen haben. Auch dieser Dackel jagt nicht. 

Mich würde wirklich die Meinung meiner Leser interessieren, wie seht ihr das?