Es gibt schlimmeres....

...als einen Hund zu haben. Das denke ich immer wieder.
Es gibt wirklich schlimmeres als sich morgens eine stunde früher aus dem Bett zu quälen (der Moment in dem der Wecker klingelt ist wirklich, wirklich tragisch) und eine Stunde mit dem Hund spazieren zu gehen. Ja, ab März gehe ich jeden Morgen eine ganze Stunde raus.(Hier gab es eininge Verwirrungen, das ist meine Zusatzstunde... Wir gehen nun täglich zwischen zwei und drei Stunden spazieren und nicht "nur" 1.5 mit Hundeschule) Es gibt schlimmeres, als danach heimzukommen und gute Laune zu haben. Natürlich muss ich mich morgens echt überwinden, Lotte und ich sind absolute Langschläfer, besonders im Winter. Sobald es dunkel ist finden wir beide den Spaziergang nur noch halb so toll. Deshalb machen wir das im Winter nicht und versuchen tunlichst (also besonders ich) die Spaziergänge tagsüber zu machen. 

...als jeden Tag einmal aus vollem Herzen zu lachen. Ich freue mich täglich über irgendetwas lustiges, was Lotte veranstaltet, sei es ihre geliebten Stöckchen vor sich her schmeissen, ihre absolut knuffigen Spielaufforderungen, uns vehement gegen etwas verteidigen, das sich am anderen Ende des Waldes befindet oder einfach unsichtbar ist, ihre Rennattacken, wenn sie aus unerfindlichen Gründen Vollgas losspurtet um sich kurz darauf umzudrehen und zurückzurennen wie eine Irre.

...als eine Begleitung zu haben, die ohne zu murren in jeder Geschwindigkeit mit mir joggt, Velo fährt, in mein Körbchen einsteigt, mich in Restaurants begleitet, kleine Kinder durch ihre Kunststückchen zum Johlen bringt, sich mit Mann und Maus versteht (auch wenn weder Mann noch Maus sie einfach so anfassen dürfen), sich aktiv für die Ausrottung von Steinmardern einsetzt (sie jagt sie so, wie andere Hunde Katzen), sich für Geographie und Deutsch interessiert und trotzdem meine Meinung nie in Frage stellt. 

...als morgens aus dem Badezimmer und stolpern und etwas verschlafen angewedelt zu werden (neben dem Bett wäre auch wirklich zu viel verlangt) und man das Gefühl bekommt, der Hund wollte fragen, welche tollen Dinge man mit diesem Tag anfangen kann. Um danach sofort den Lotte-Spezial-Strecker bewundern zu dürfen, gepaart mit einem Gähner, bei dem sie ihre uuuuuuuuuuuuunnnnnglaublich lange Zunge zeigt (ehrlich, die ist wie das Ego, doppelt so lang, wie normal.. ich bin immer wieder baff) sie kann sie richtig ausrollen, was automatisch zu Punkt zwei führt.

...die geborene Diva an der Leine zu haben. Sie weiss, dass sie schön ist, wird sie angeschaut wächst die Dame um das vierfache, legt den schönsten Gang ein und los gehts. Aber nur gucken, nicht anfassen. Sie ist ja nie böse, aber sie verzieht ihr Gesicht einfach immer etwas angewidert, wenn ihr wieder jemand im Gesicht herumfasst. Am Körper lässt sie sich nur von ausgewählten Menschen dieser Welt berühren. Kinder bekommen viiiel öfter eine Ausnahme ihrer selbstgesteckten Regel.  



Kontaktzone

Ich habe es erst sehr spät verstanden, aber Lotte hat eine Schwäche für den körperlichen Kontakt zu ihren Menschen. Ich vermute das liegt in ihrer Meutehundabstammung begründet, die sich hier wieder einmal zeigt. Beagles sind Meutehunde, obwohl man sie auch mehr oder minder gut allein halten kann. Sie mögen einfach nicht gern lang allein sein, obwohl auch das eine Übungsfrage ist. Aber eigentlich habe ich gar keine Lust meinem Hund allein sein beizubringen.
Fräulein Lotte hat diesen Hang zum Extremkuscheln immer noch, nur streicheln reicht manchmal nicht. Früher, als der Hund noch aufs Sofa durfte (sie haart einfach zu dolle) hat sie sich regelmässig in die engsten Ecken gequetscht, um die maximale Körperlänge abzudecken. 

Falls sie heute übrigens ausnahmsweise im Bett schlafen darf, tut sie das immer noch. Aber da auch ein so kleiner Hund wie Lotte, die verglichen mit allen anderen Beagles wirklich ein Zwerg ist, sogar mit den anderen Mädels, im Bett ein RIESIGER Dinosaurier wird, passiert das nicht allzu oft. Ausserdem kann sie sich so dramatisch um sich selbst drehen, dass sie innerhalb von einer Stunde dreiviertel des Bettes erkämpfen kann. 

Nachdem ich ihr also diese beiden Möglichkeiten zum Kontaktliegen genommen habe, muss sie sich heute wohl oder übel mit meinem Schoss begnügen. Auch mein Beaglechen hat gelernt, dass ich praktisch regungslos, aber konzentriert, nach ihrem Geschmack viel zu lange, vor meiner Blechkiste sitzen kann. Welch besserer Moment könnte sich ergeben? Da sie seit langem auf meinen Schoss springen kann, ohne sich dabei den Hals zu brechen, nimmt sie die Gelegenheit sehr oft wahr. Um im gleichen Augenblick festzustellen, dass ich entweder zehn Zentimeter zu klein bin oder sie fünf Zentimeter zu gross, denn sie passt eben nicht ganz genau auf meinen Schoss. Damit ergeben sich fünf Minuten Turnerei auf meinem Schoss, um dann die immer gleichen Positionen einzunehmen. 
Sitzend,  das Kinn auf meinem Arm abgelegt, Pfote auf dem Schreibtisch. Das ergibt eine ausgesprochen unbequeme Position für mich, aber ich möchte es dem Hund ja nicht unbequem machen, also sitzen wir so lang da, bis mir der Arm einschläft, oder das Bein, oder beides.
Das macht Lotte ja zum Glück nichts, sie turnt wieder fünf Minuten, denn eigentlich geniessen wir beide unsere "Gemeinsam-Arbeits-Zeit", sie ist da mehr die schnarchende Unterstützung, sie würde mich aber auf keinen Fall allein lassen. Es ist nie sicher, ob ich wirklich auch die besten Ideen aufschreibe. Ab und an wacht sie auf, blinzelt mich an, vermutlich um abzuschätzen, wie lang ich gedenke noch vor der Kiste zu sitzen und schläft praktisch sofort wieder ein. Ich bewundere meinen Hund für diese Fähigkeit, sofort in Tiefschlaf fallen. Vermutlich liegt es daran, dass sie wirklich alles um sich hat, was sich ein Hund wünschen kann. 

Das Januarloch

Januar ist für mich der aller, allerschlimmste Monat. Von allen. Die Sonne ist nicht in Sicht, es ist grau und trüb, die Tage sind kurz, die Spaziergänge fangen an einem immergleichen Muster zu folgen und der Hund langweilt sich, Hundeschule findet nicht statt, weil der Platz unter Wasser/Schnee/Eis steht. Viel Zeit um sich Blödsinn anzugewöhnen und eben nicht zu bloggen.
Mich hatte es diesen Januar auch noch schwer erwischt und ich war gefühlt vier Wochen krank. Richtig nervig. Aber jetzt haben wir endlich Ende Februar, die nasse, eklige Zeit ist fast vorbei, gestern gabs den ersten Frühlingsspaziergang, an dem sich so einige liegen gebliebene Beaglewehwehchen zeigten und die die Blogwelt geht wieder auf.
Was ein Hund alles vergessen kann! In so kurzer Zeit.... Rückruf nicht mehr so perfekt, hier die Nase verräterisch am Boden, da der Schwanz proletig erhoben um andere Hunde anzupöbeln.
Die Dame war definitiv unterbeschäftigt.
Ja, sie pöbelt seit neuestem. Gerade den zweiten Lenz erreicht, schon haben wir den Grössenwahnsinn. Kommt Madame einer dumm, gibts sofort eins auf die Nase. Wo sind wir denn hier? Kuriert wurde diese Macke nicht etwa durch gezieltes Training, sondern durch mehr Beschäftigung. Der nette Goldie von nebenan wird jetzt nicht mehr angepöbelt.
Eigentlich ein bisschen schade, denn es stellte sich heraus, dass Lotte eine eindrucksvolle Bürste machen kann, quasi ein Iro, der vom Nacken bis zur Schwanzspitze reicht. Und so kerzengerade, wie der Schwanz dann steht würde sie jede Ausstellung gewinnen.

Eine neue Macke ist auch ihre Hapophobie, sie lässt sich von Fremden einfach nicht mehr anfassen. Tut sie nicht. Kennt sie die Menschen ist das kein Thema, aber Fremde? Bitte nein, nehmen sie Gichtgrapschen weg, sonst gehe ich. Und sie geht wirklich! Setzt sich mit dem Rücken zu meinem Gesprächspartner und ignoriert. Die dummen Gesichter sind super. Sie bekommt daheim auch wirklich genug Aufmerksamkeit, mehr braucht Hund nicht.
Trotz und alledem ist sie nach wie vor ein grosser Fan der Innenstadt, so many people to meet. Wenn sie nicht angefasst wird. Aber Menschen müssen Hunde irgendwie immer anfassen, ich kann diesen Reflex auch immer nur sehr schwer unterdrücken, ich glaube sie hat einfach genug davon, dass ihr dauernd jemand ins Gesicht gefasst hat. Da hat sie sich so viel Mühe mit der Frisur gegeben und dann das! Und dann erst noch an die Ohren, ihr persönliches Heiligtum. Ich muss auch immer darauf achten, dass ich den Rest des Hundes streichle, aber diese Ohren sind soooo toll. So flauschig, so perfekt, wie ein Pyjama im Übergrösse. Leider habe nicht nur ich diese Feststellung gemacht, sondern auch noch viele andere Menschen, die Lottes Ohren zu schätzen wissen.
Vielleicht kuriert sich diese Krankheit ja in der Uni wieder, denn die hat zu allem Unglück auch mittem im Winter wieder angefangen, aber vielleicht reisst uns das aus der Lethargie des vergangen Monats.

Lotte hat tausend Namen... fast.. :-)


Das erste Mal....

In meinem Bekanntenkreis gibt es immer mehr Hunde, woran das wohl liegen könnte? Eine gute Freundin von mir geht morgen zum ersten Mal den Wurf Lagottos anschauen, von dem sie sich einen Rüden wünscht. Natürlich muss ich bei solchen Gelegenheiten immer daran denken, wie ich meine Lotte kennengelernt habe.
Ein kleines, fiepsendes Eufelchen, das gar nicht damit einverstanden war, dass sie aus der Wurfkiste gehoben wurde und irgendeinem komisch riechenden und offenbar ganz und gar nicht zum Rudel gehörenden Menschen unter Nase gehalten wurde. Ich war hin und weg von diesem Tier. Von da an habe ich sie oft besucht, wahrscheinlich so oft, dass ich meiner Züchterfamilie so richtig auf den Keks gegangen bin. Ich habe die Tage gezählt, konnte es kaum erwarten diesen kleinen Hund auf dem Arm zu halten und mit nach Hause zu bringen. Damals wusste ich noch nicht, dass es nicht lang unser zu Hause sein sollte und wir später ein viel besseres für uns finden würden.
Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, jeden Tag aufgeschrieben, was ich mit meinem Hund alles tun wollen würde, was ich alles beachten wollte. Ich habe mir generalstabsmässig durch alle Beagleforen gelesen und war der Meinung auf alles vorbereitet zu sein.

Aber jedes Tier ist anders, ich hätte nie damit gerechnet, dass ich eine jagende Dreckschweindiva, die sich niemals auf den Boden legt, bekommen könnte. (Wir wünschen uns eine marys nap Reisetasche...)Ein anhängliches Wesen, das mit jedem Monat, den sie mit mir lebt andere Hund noch weniger neben sich akzeptiert und ich damit schweren Herzens wohl Einzelhundbesitzerin bleiben werde, sie findet andere Hunde nett, aber irgendwann reicht es. Sie fordert ihre Privilegien ein oder verkloppt die anderen Hunde, bis sie ihre Körbchen zurückerobert hat. Ihr ist es ja schnurz, ob die anderen auf dem Boden liegen. Es gab Momente, in denen ich mit diesen sturen Etwas überfordert war, aber ich habe viel gelernt.

Alles das wusste ich in diesem ersten Augenblick nicht, ich konnte es erahnen. Ein Welpe ist wie ein Baby und ich bin der Meinung, auch wenn wir das nicht wollen, wir binden unser Herz an unsere Tiere, vielleicht nicht wie bei Kindern, aber nahe dran. Wenn Eltern verzückt vom Geruch ihrer Kinder sprechen, dann schmunzle ich, weil mir unvermittelt Lottes Stinkfüsse in den Sinn kommen. Sie stinken wirklich und sie sind Hundehobbitfüsse, mit sooooo viel Fell dazwischen, dass ich es manchmal schneiden muss, aber für mich riechen sie nach meiner Lotte.  Wir sind wirklich ein mad team, ich kann mir nicht mehr vorstellen ohne sie zu sein. Ich war gerade eine Woche ziemlich krank im Bett, wäre ich allein in der Wohnung gewesen, ich hätte sicher die Wände angekratzt, so habe ich meinem Hund ab und zu etwas vorgelesen und die fünf Tage Zweisamkeit genossen. Sie durfte sich mit aufs Sofa kuscheln und ich bin sicher, ohne sie wäre ich nicht so schnell wieder fit geworden. Vielleicht ist das alles auch einfach nur Einbildung und vielleicht habe ich den Knall, den mir manche Menschen nachsagen, aber ich habe ihn gern. Dieses warme, weiche Wesen, das sich gerade in mein Bett geschlichen hat und sich dich an mich ankuschelt, hat mein Hundeherz erobert und gewonnen.

Ich hoffe, dass ich sie ganz lang in meinem Leben behalten darf, denn auf der anderen Seite ist der Hund eines Freundes gerade unvermittelt und brutal aus dem Leben gerissen worden. Wann immer ich daran denke, läuft es mir kalt den Rücken herunter. Mit drei Jahren auf dem Spaziergang todgebissen, welche Bestie ist dazu fähig? Auch so etwas ahnt man nicht, wenn man seinen Hund zum ersten Mal auf dem Arm hält. Ich kann nur erahnen, wie schrecklich ein solches Erlebnis sein muss.  Ich habe schon zwei Hunde gehen lassen müssen, nur der Gedanke daran tut weh.
Hunde schaffen es, sich in unser Herz zu schleichen, sich auf dem Diwan des Lebens einen Ehrenplatz zu erkämpfen und mit jeder Stunde, jedem Spaziergang, jedem Monat, jedem Jahr wachsen sie einem stärker an Herz, vergrössern es pathologisch und geben dem Leben einen anderen Blickwinkel.
Wer sonst, ausser Hundehaltern, ist jeden Tag im Wald, spricht mit gross und klein, hat immer etwas zu plauschen, macht sich zum Affen und ist trotzdem glücklich dabei? Wer hat die Taschen voll klebriger Leckerli, durchgeschlabberten Beisswürsten, Hundetüten, Futterbeutel, kleinem Arzneiset (es kann immer etwas passieren! inkl. Sterilium), Messer, Taschenlampe (extra hell), einer Pfeife und natürlich dem absoluten Highlight, einem Clicker! Das sind nur die Dinge, die sich gerade in meiner Barbourjacke befinden. Ausgenommen der Leckerli, die sind im Leckerchensack. Andere Menschentragen diese Jacken als Fashionstatement, für mich sind sie ultimativ praktisch...
Diese kleinen Hundebündel bringen einen zu solch drastischen Massnahmen und sie bringen einem bei, dass es Momente gibt, in denen es einfach egal ist, wie man aussieht. Lotte musste so oft pieseln, dass ich irgendwann nur noch die Barbourjacke übergeworfen habe, dicke Schuhe an die Füsse gezogen habe und im Schweinsgalopp runter bin. Seit dem gehe ich auch ganz entspannt in Schluffklamotte spazieren, das hätte ich mir vor diesem dreifarbigen Wundertier auch nicht träumen lassen.

Trotz aller Worte lässt sich das Gefühl für meinen Hund nicht in Worte fassen, Liebe ist nicht richtig, ich liebe sie nicht wie meinen Freund oder meine Schwester oder meine Eltern. Verbundenheit auf eine sehr intime Art und Weise, ich weiss, dass sie mich lesen kann, wie ein Buch. Sie reagiert auf mich, wie ein Seismograph, manchmal sagt sie mir, wie es mir geht, bevor ich es weiss. Sie trägt es mit Fassung. Ich kenne ihre schwachen Tage und ihre Schwächen.
Es gibt Menschen, die möchte ich anschreien und ihnen sagen: "Kauf dir einen Hund, dann lernst du dich endlich selbst kennen!" Nur bei ausgeprägtem Egomanen klappt das nicht, auch das musste ich leider erfahren.

Und die Reise für Lotte und mich begann erst richtig, als ich ihr Moritz erstes Welpenhalsband anzog, sie auf den Arm nahm, mich ins Auto setze, Angst hatte, dass sie Angst haben könnte und Lotte stattdessen lieber das Auto zusammenbrüllte (schon Beaglewelpen heulen eher, als dass sie bellen), weil sie schon da lieber auf Erkundungstour gegangen wäre, als auf diesem nervigen Schoss sitzenbleiben zu müssen. Im Nachhinein ist mir klar, sie war schon da der perfekte Hund für mich. So many things to do, so many people to see, so many places to visit.

25 Gründe, warum Lotte einfach die weltbeste Beaglebegleiterin ist...

Bald ist es zwei Jahre her, zwei turbulente Jahre in denen Lotte den Job als Fels in der Brandung in meinem Leben übernommen hat. Sie war das wohl beste Weihnachtsgeschenk, das ich mir selbst hätte machen können und ich bin wohl offenbar die Person, mit der sie das Leben am liebsten teilen wollte, hier sind die Gründe (und es gäbe sicherlich noch viele mehr), warum Lotte einfach das Beste ist, was mir in vierpfotiger Form stolpernd über den Weg laufen konnte.

  • Gelassenheit, es gibt nichts, aber auch wirklich fast gar nichts, was diesen Hund aus der Ruhe bringt. Kinder? Geschenkt. Böller? Kein Thema. Ausser vielleicht saures Frauchen, das bringt sie aus dem Takt. 
  • Richtiges Benehmen an richtiger Stelle. Natürlich Übungssache, aber Lotte ist ein Naturtalent. Sie dreht auf, wenn es darum geht und liegt acht Stunden ruhig in der Uni, wenn es verlangt ist. Sie weiss einfach, wie es geht.
  • Falsches Benehmen an richtiger Stelle. Meist mit Absicht und bringt mich mindestens zum Schmunzeln, die Kinderschokolade vom Tische geklaut, nicht gesund, aber die Extraportion Milch machts wieder wett. 
  • Charme. Sie wickelt JEDEN! um den Finger. Ihr mädchenhafter Augenaufschlag ist genau getimt, sie weiss einfach, wie es geht. Sie würde sogar Kühlschränke zum Tauen bringen. 
  • Schönheit. Punkt. 
  • Das alberne Lottetier, wenn sie selbstvergessen, alles charmante ablegt und sich undamenhaft einen Stock zum Spielen sucht, ihn vor sich her wirft, hinterherrennt und dann völlig fröhlich und ausgelassen zu mir rennt, um mit mir weiter zu spielen... Ich muss schmunzeln, wenn ich daran denke
  • Lotte, das Arbeitstier. Dazu muss ich ja nun wirklich nichts mehr sagen. Lotte weiss genau, wann Arbeit ist. Und dann arbeitet sie. Wahnsinn. 
  • Riesige, immer noch nach Welpen riechende Pfoten. Werden hin und wieder gewaschen. 
  • Fallschirmohren, die haben alle Beagle, aber sie sind einfach wunderbar, flauschig, weich, warm, lustig, ausdrucksstark. Es gibt einen ganzen Post dazu. 
  • Ego, kleine Hunde sind wie kleine Männer, je kleiner, umso grösser das Ego. Lotte ist im Herzen ein grosser Schweizer Sennhund. Mit Nase. 
  • Parfüm, Lotte versucht mich für neue Düfte zu begeistern. Derzeit sind unsere Geschmäcker aber weit auseinander. 
  • Ausgelebte Teeniephasen, vermutlich wird mich ein trotzendes Kind nicht mehr so stark aus dem Tritt bringen, Lotte war anstrengend. 
  • Verschlafen blinzeln. Lotte ist der schlechteste aller Wachhunde. Sie verschläft sogar, wenn ich zur Tür reinkomme, knipse ich dann das Licht an, dann blinzelt sie SO süss, dass ich sie eine halbe Stunde lang wachknuddeln möchte. 
  • Wachhund sein, wenn man keinen Wachhund braucht. Lotte kein Schisshase, aber nachts ein wenig aufmerksamer. Es ist egal, ob uns ein Windstoss, ein Jogger, ein Räuber oder ein Hase entgegenkommt in der Nacht. Es wird angebellt. Was hat es auch im Wald verloren!
  • Anderen Hunden die Meinung geigen, heute hat sie einen Welpen verkloppt, der ihren Futterbeutel nehmen wollte. Gehts noch? Gibt natürlich Schimpfe vom Chef, aber ihr Arbeitseifer ist einfach der Knaller (s.o.)
  • Menschen ignorieren. Lotte hat einen ausgesuchten Geschmack, nur bestimmte Menschen haben das Recht sich der Diva zu nähern, bei allen anderen geht sie aus dem Weg und lässt sich auch auf gar keinen Fall streicheln. Besonders bei denen, die mich nerven. Tausend Dank, Lotte
  • Den höchsten Platz suchen. Klarer Napoleonkomplex. Bietet sich die Möglichkeit ist Lotte so weit oben, dass sie auf die Welt herabschauen kann. 
  • Schnarchen, ganz leise und doch hörbar. Manchmal aber auch laut wie ein besoffener Braunbär
  • Kuscheln, ab und zu, oder bei Mum darf der Hund im Bett schlafen, sie kuschelt sich dann soo eng an mich, dass ich schmelzen möchte, wegrücken ist keine Alternative, sonst schlafe ich neben dem Bett. Man glaubt nicht, wie gross ein so kleiner Hund in einem Bett werden kann. 
  • Liebe zu Männern, Lotte liebt Männer. Besonders den Mann in meinem Leben, was ich absolut verstehen kann
  • Schnelligkeit, wenn Lotte spielt kann sie extrem schnell werden, ich sehe ihr so gern dabei zu, wenn sie sich langzieht und rennt, was ihre Stöpselbeine hergeben
  • Ihre Nase, alles wird zuerst abgeschnüffelt und zwar nicht schnell schnell, sondern gaaaanz genau. Hosenbeine, Hände, Leckerchen, ......
  • Stirnrunzeln, wenn ihr etwas nicht passt
  • Ihr Bettelblick, natürlich die perfektionierte Variante. So süss! Es gibt trotzdem nichts. 

Blackfish

Kürzlich habe ich den Film "Blackfish" geschaut, eine Dokumentation über die Haltung von Orcas in Vergnügungsparks. Mir ist das Fischstäbchen im Hals stecken geblieben. Wie schrecklich, ich werde einen solchen Park nicht mehr unterstützen und auch nicht mehr besuchen.
Aber ich komme nicht drum herum mich selbst zu fragen, mache ich denn nicht das gleiche mit Lotte?
Natürlich, ich bewege sie viel, vermutlich sogar mehr, als der Normalhundehalter. Ich überlege mir immer wieder neue Herausforderungen. Aber im Augenblick liegt sie halt einfach gelangweilt neben mit im Starbucks und musste den ganzen morgen in der Uni auf ihrer Decke liegen und mehrheitlich die Klappe halten und schlafen, sie tut das mehr oder weniger gern. Verdonnere ich meinen Hund nicht auch zu einer Art Einzelhaft?

Ist das, was ich tue eigentlich artgerecht? Muss man sich als Hundehalter solche Fragen überhaupt stellen, denn so läuft das ja schon seit hunderten von Jahren.
Ich finde man muss über solche Fragen immer wieder nachdenken, besonders bei den hochspezialisierten Hunderassen, die uns heute begleiten. Nur so können wir Hundehalter die Haltung perfektionieren und trotzdem ganze Wohnungsmöbel ohne Bissspuren besitzen.
Ich denke im Augenblick also vermehrt über das Problem nach, je länger je mehr komme ich zu dem Schluss, dass es eigentlich in Ordnung ist, was ich tue. Hunde sind hochsoziale Tiere, auch wenn das manche Menschen nicht verstehen, aber ich bin Lotte Sozialpartnerin. Sie ist meine Begleitung, es ist meine Aufgabe darauf aufzupassen, dass sie nicht zu lang allein ist. Auch wenn das ab und zu trotzdem passiert, aber eben, ab und zu, weder täglich, noch wöchentlich. Das Bedürfnis nach Sozialkontakten versuche ich ihr auch zu erfüllen, indem wir regelmässig mit Hundefreunden spazieren gehen, sie spielen darf und manchmal auch ihren besten Freund verkloppen, wenn er ihr wieder auf den Senkel geht.

Sie führt sicher kein Leben, dass sie führen würden, wenn sie auf sich allein gestellt wäre. Aber würde das überhaupt noch funktionieren? Unsere Haushunde werden verhaltensgestört, wenn sie keinen Kontakt zu Menschen haben, welche tragisch schöne Studie. Da hat Lotte natürlich Vorzugsbehandlung, sie hat nicht nur Kontakt mit Menschen, nein, ich erzähle ihr sogar alles mögliche.
Ich probiere mein möglichstes, dass Madame ihre Triebe ausleben darf, ohne dass ein anderes Tier zu Schaden kommt. Ich gehe Fährten, Joggen, Velo fahren, Agility, jagen. Ich versuche keine Minute meiner Freizeit ohne Hund zu verbringen, zum Teil begleitet sie mich auch zur Uni. Sie wird also auch mit fremden Reizen überschüttet. Das war ein Kritikpunkt von vielen in dem Film, die Orcas haben zu wenig Platz und zu wenig Reize, die sie stimulieren. Bei einem Hund ist das natürlich einfacher zu erfüllen, als für einen Orca den Ozean nachzubauen, in dem adäquate Umweltreize zu finden sind. Wir können ja die  Luft auch viel zu wenig lang anhalten, um mit ihnen Gassi zu gehen.
Lotte findet die Stadt und ihre Bewohner jeden Unifreitag immer wieder wundervoll. Man findet so viele gute Dinge zum Fressen, jede Strassenecke duftet verführerisch, nach einem unglaublich langen 8 Stunden Tag Uni ist Lotte vollkommen platt. Nicht mehr zu gebrauchen, als hätte sie selbst studiert und gelernt, aber ich glaube sie versucht diesem Treiben emotional auf die Schliche zu kommen. Es geht ihr weniger um sie Menschen als um die Reize, die auf sie einprasseln, die verschiedenen Stimmungen und Wandlungen, die während einer solchen Stunde passieren. Besonders schlimm war es für sie letzte Woche, als eine Kollegin von mir ziemlich heftig für ihre Arbeit gerügt wurde. Danach war sie richtig fertig, sie würde in solchen Situationen am liebsten den Raum verlassen, wispelt auf ihrer Decke herum und schämt sich fremd. Oder wenn ich mich in einer Stunde aufrege, Lotte wird wahnsinnig, wenn sie mir dann nicht auf den Schoss springen darf (was sie natürlich nicht darf), sie versteht einfach nicht, was es soll.

Nein, ich glaube ich komme wieder einmal zum Schluss, dass ich meinen Hund so artgerecht wie möglich in mein menschliches Leben integriere und sie trotzdem Hund bleiben darf. Im Herzen, dass wissen meine Leser ja nun schon lang, ist sie sowieso eine Diva-die Kallas.. Das einzige, was sie nicht artgerecht findet ist die Futterration, aber da schaut der Mann meines Lebens drauf, letztens gabs Feigen mit Vacherin, für den Hund... Naja, ein bisschen menschlich muss man ja sein.


Wir sind einfach ein "mad-team"...