Hui hui hui, wir sind nervös

Morgen gehts es an die IHA St. Gallen, ich freue mich, mein Beaglemädchen einer Richterin vorzustellen... Hoffentlich lässt sie sich auch brav ins Maul schauen, hoffentlich ist meine süsse auch hübsch genug (für mich ist sie ja sowieso die Schönste ;-) ) Hoffentlich sind einige Mitgleider des Beagle Clubs dabei und hoffentlich stell ich mich nicht zu dumm an.. Also Fragen über Fragen, die vermutlich am Montag in diesem Blog geklärt werden. Vielleicht gibts morgen via LiveStream ein paar Bilder vom Event. ;-)

Duo infernale

So, lange nicht gebloggt, aber nun endlich wieder ;-) Offenbar hat sich schon eine rege Gemeinde gebildet, die meine Lotte Blogs liest.

Duo infernale, wer könnte das sein? Lotte und ich? Weit gefehlt, Lotte und Nic, das tolle, friedliebende, ruhige, wunderschöne, herzallerliebste Quaterhorse. Ein Engel. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.

Die beiden sind also mein Duo infernale, sie sind beide doch einigermassen selbstständig und haben immer Schabernack im Kopf. Gern auch gemeinsam. Was meine Position doch durchaus schwierig macht, vorallem im Hinblick darauf, dass ich mit beiden gern an einen Horse and Dog Trail gehen würde.

Allein schon der Anblick, wenn die beiden sich begrüssen ist herzerweichend,Nic beugt sich über Lotte und pustet sie vorsichtig an, Lotte wird immer kesser und geht immer näher an seinen Kopf. Allerdings noch nicht ganz nah, so weit sind wir dann doch noch nicht, obwohl wir schon seeehr nah dran sind. Wenn ich Nic einfach im Auslauf stehen lasse, versucht er immer wieder Lotte ins Fell zu pusten, was sie noch nicht ganz cool findet, aber er akzeptiert das und geht dann nicht so nah ran. Nic würde es ausserdem nie einfallen auf Lotte draufzutreten oder etwas derartiges. Nicht einmal in den schaurigsten Situationen.

So eine passierte leider unlängst. Wir trabten gemütlichst den kleinen Trabweg bei uns im Gelände hoch, Lotte trabte locker mit da sah ich von weitem schon eine Frau, die mir den Eindruck machte, dass sie mit ihrem Husky doch überfordert wäre. Also die ganze Mannschaft Gang zurück in den Schritt... Der Husky machte schon ein böses Gesicht und legte sich mitten auf den Weg, dahinter eine überforderte Frau, die ihren (viel zu fetten) Husky beim besten Willen nicht von dem Weg bekam. Wie mühsam. Für mich. Besonders weil sich dieser dumme Hund doch die einzige wirklich enge Stelle auf dem Weg ausgesucht hat.

Dann: Aufreger Nr. 1, die dumme Wachtel am anderen Ende der Leine fragt ernsthaft (ich sass auf einem Pferd und hatte den Hund an der Leine!) "Dürfen die spielen??" Meine doch recht knappe Antowrt "nein" hat sie daraufhin durchaus verärgert. Aber damit nun nicht genug, dieser ..... Husky sprang, natürlich genau in dem Augenblick, als wir uns neben ihm durchschlängelten, auf und kläffte Lotte an. Super. Pferde sind eiegentlich Fluchttiere, aber in diesem Fall hüpfte Nic nicht einmal hoch, denn Lotte, eigentlich kein Fluchttier war so erschrocken, dass sie sich unter seinen Bauch geflüchtet hatte. ein Himmelreich für ein liebevolles Pferd. Bei jedem anderen wäre wenigstens Lotte, im schlimmsten Fall wir alle schwer verletzt gewesen. Weil andere Hundehalter ihre Tier nicht unter Kontrolle halten können. So genial ist mein Duo infernale. Nic würde, da bin ich mir, je länger je sicherer, niemals auf diesen kleinen Hund drauftreten. Er achtet extrem gut auf sie.

Glaubt ihr nicht? Beispiel gefällig? Die Weidezeit beginnt und Nic muss, wie jedes andere Pferd auch, angegrast werden. Alex, seine Besitzerin und eine wunderbare Freundin und ich nehmen diesen Job sehr ernst und lassen Nic ausgiebig grasen. Lotte hat das auch schon gemerkt, dass diese 20 Minuten einfach wenig passiert und nutzt diese Zeit ihrerseits um Nic zum Spielen aufzufordern. Sehr ausgiebig. Sie rennt um ihn herum, wie eine Wildsau, brummelt ihn an, bellt ihn an, leckt ihm durch Gesicht. Legt sich daneben und jedes Mal zu meinem Schrecken, sie rennt so nah an ihm vorbei, dass sie ihm das GEsicht streift. Aber Nic erträgt das mit stoischer Ruhe. Wenn Lotte dann wirklich ganz ganz ganz ganz sicher ist, dass Nic auch heute nicht spielen möchte, dann frisst sie mit. Ein grasender Beagle und ein grasendes Pferd ist ein Bild für die Götter. Eine halbe Stunde mit Nic und Lotte ist so entspannend wie 2  Wochen Ferien. Bis auf, ja bis auf, Lotte hat herausgefunden, dass Nic lustige Hüpfer macht, wenn sie in geringem Abstand vor ihm die Seite wechselt (er will ja nicht auf sie drauftreten, ausserdem ist die Gelegenheit günstig doch noch einen Freudenhüpfer zu nehmen..) ich sitze also oben drauf und versuche Pferd und Hund so gut wie möglich neben einander herzudirigieren, während es unter mir hüpft und springt und die beiden sich eigentlich herrlich finden und meine Bemühungen eher ... doof.

Mein kleines Beaglemädchen macht den grossen alten Nic auch immer wieder auf "Gefahren" im Wald aufmerksam, als guter Onkel und wie gesagt Fluchttier hat Nic dort natürlich ein besonderes Augenmerk drauf und lässt sich von Lotte gern inspirieren. Diese Inspiration sieht meistens so aus, dass Lotte etwas genauer begutachtet und dann in ihrer jugendlichen Art davor wegspringt. Nicht etwa, weil sie Angst hätte, sondern, weil es ja eventuell spielen könnte. Diese Möglichkeit findet sie so genial, dass sie es dann anbellt, wenn es nicht spielt. Nic seinerseits sieht aber die Gefährlichkeit der Sache und geht dann nur noch ungern dran vorbei. Was wiederum dann bei mir ankommt, weil ich ja meinen Weg nicht ändern will.

Besonders genial finde ich allerdings, dass Lotte am Pferd besser hört als am Boden. Ja, ganz ehrlich. Sie orientiert sich völlig an Nic, schlägt den richtigen Weg ein, hört aufs Wort, wartet, guckt. Nicht, dass sie sonst schlecht hören würde, aber sie ist noch eine Spur aufmerksamer, noch ein bisschen gelehriger und ich glaube insgeheim noch ein bisschen glücklicher, weil sie in ihrer doch sehr unorthodoxen Meute mitlaufen darf. Ausserdem hat Nic ein ähnliches Schritttempo wie Lotte. Er ein bisschen zu langsam für ein Pferd, sie ein bisschen schneller als ein Mensch, da ergibt das gleiche Tempo. Ein ungleiches und doch gleiches Paar.

Kurz und bündig, die Besten.




Time off..

Juhu! Ostern, traditionellerweise ein Datum, an dem ich meine Sache packen und zu meiner Mami nach Deutschland fahre. Dieses Mal das erste Mal mit Lotte im Zug... 6 Stunden, zwar mit grosszügigster Umsteigezeit, aber trotzdem, für mein bewegungsfreudiges Beaglemädchen sicher kein Spass... Ticket erster Klasse gelöst und los, denn da hat man ja genug Beinfreiheit mit 4beinigem Mitfahrer.

Um 6 Uhr morgens gings los, merke: Lotte steht zwar gern um 7 auf, aber 6 ist entschieden zu früh. Durch den Bahnhof gestolpert mit Sack und Pack und dann rein ins Ungeheuer. Aber meine anfänglichen Befürchtungen, Lotte könnte sich langweilen, danebenbenehmen oder sich am Zugmobiliar vergreifen, völllig überflüssig. Wie ein alter Hase legte Lottchen sich auf ihr Handtuch und schlief und schlief. Spielende Kinder im Abteil? Kein Thema, Lotte liess sich streicheln, aber sofort wieder auf den Platz schicken, Stress im Bahnhof? Weit gefehlt! Mein kleines Supermädchen lief perfektestens bei Fuss, trabte easy neben mit her. Als hätte die Kleine das schon 10000 Mal gemacht. (Danke, Mo?!)

Auf gar keinen Fall darf ich die 10000000 "ouh mein Gott, ist der süss..." vergessen. Wie man mittlerweile ja unschwer herausgefunden hat, bin ich extrem allergisch auf Menschen, die einfach meinen Hund antatschen. Ich mache das ja auch nicht mit fremden Kindern... Und diese Übergriffe abzuwehren war manchmal wirklich derart nervig und lästig und mühsam, sogar Lotte hat sich irgendwann nicht mehr darum gekümmert, obwohl sie ja der Menschenfreund par excellence ist. Ich glaube sie war genervt. Dann setzt sie ihr lustiges Gesicht auf, guckt mich von unten an , als ob sie sagen wollte, "Wie gehts jetzt weiter?!" und stellt sich kurz an das nähergelegene Hosenbein. Dieser Umstand erklärt auch meine Garderobe am Reisetag, ich sah aus, wie ein Schwein. Alte, dreckige Jeans, eine Fleecejacke in irgendwann mal schwarz gewesen, jetzt mit weissen Haaren verschönert, Wanderschuhe und Rucksack. Ausserdem, vermutlich als Krönung für alle meine armen Mitreisenden, meine Barbourjacke, die einen für mich unwiederstehlichen Geruch aus Wachs, Leckerchen, Cervelat (gibts nur in der Hundeschule, danach stinkt die Jacke die ganze Woche...), angekautem Spielzeug, Futtersack und nasser Schleppleine (natürlich zweimal durch ein frisch gedüngtes Feld gezogen) verströmt. Kurz gesagt, eine Zumutung für alle Mitreisenden, dafür hatte wir genug Platz. Bei Mami war ich sowieso nie länger als 5 Minuten sauber, diese 5 Minuten ist die Zeit, die ich brauche, um durchs Haus mit Lady in den Garten zu kommen und dort loszufetzen. Ich kann nicht anders, ich bin ein Draussenkind... Lotte ist ein Beagle, also eigentlich auch ein geborener Dreckhund (obwohl sie mich immer persönlich dafür verantwortlich macht und mich hasst, wenn es regnet). Aber wälzen un grünschillernden Widerwärtigkeiten liegt immer drin. Aber Regen?! Niemals!

Aber dann, endlich bei Mami auf der Matte, Lady, läufig, aber doch hocherfreut, dass dieses kleine junge Ding wieder einmal hereinschneite. Wie eigentlich auch der ganze Rest der Familie. Bei Mami ist immer Hundezeit, die Viecher werden, wenn ich da bin, noch viel mehr verwöhnt als eh schon, lange Spielrunden, Spaziergänge an didaktisch wohlgewählten Orten, Fährtenarbeit im Grünen, Lotte darf sogar bei mir im Bett schlafen, was sie so ausgiebig geniesst, dass sie eigentlich auch morgens nicht aufstehen mag und sich lieber nochmal unter die warme Decke kuschelt und noch ein bisschen weiter döst, während ich ein Buch lese. Richtig herrlich. Lotte und Lady spielen übrigens wunderbar miteinander, das Bild ist zum Todlachen, Lady, der 55kg Riesenhund, der mit diesem kleinen 10`000 Volt Mädchen spielt, sich unterwirft, sie vorischtig in die Schranken weist und besonders süss, sie zurechtweist, wenn sich Lotte beim Spazierengehen von der Gruppe entfernt. Lady fand es nur ganz und gar nicht nett, wenn sich dieses kleine Mädchen wieder einmal zu nah an Friedhelm heranwagte, den er ist ausgesprochen Ladys Mensch. Solche Banalitäten interessieren Lotte aber ganz und gar nicht, also rauf auf den Schoss.

Ich bin ja wirklich ein erklärter Fan meiner Hundedame, denn als sie sich auch bei meiner 97-jährigen Grossmutter ausgesprochen brav präsentierte, war ich superhappy.

Wie man unschwer erkennen kann, werden wir ein immer besseres Team. Zu unserem Team zähle ich natürlich auch Simone, unsere Mitbewohnerin, die alle Launen von Hund und Halter stoisch erträgt. Lotte hat sich so richtig eingelebt und ist nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag. Es gibt einfach auch immer irgendetwas zu lästern, es wäre ja vermessen zu sagen, dass Lotte nie Mist macht. Bei Mami hatte sie in Rendevous mit einer Klebertube, die sie aus der Packung gezogen hat (wie auch immer das ging, ich kriege diese Plastikdinger nie ohne Schere auf), reingebissen, für eklig befunden und auf den Teppich hat tropfen lassen. Ausserdem ist Lotte der Meinung Bücher und Altpapier wären das gleiche und versucht mit aller Ausdauer, den unteren Teil unseres Bücherschrankes (der obere ist sogar für Lotte zu weit weg) zu zerkleinern, damit er besser in unsere Altpapiertonne passt. Ist manchmal zugegeben nervig. Aber auch das wird besser. Simone und ich werden auf jeden Fall Profis im Zudecken der Bücherwand. Fühlt die Dame sich zu wenig beachtet, dann wird auch nochmal reingepieselt, obwohl sie ja eigentlich weiss, wie Stubenreinheit geht. Ihr Sturkopf ist wirklich nicht zu unterschätzen, aber ich mag ihn. Er macht dieses kleine Mädel einzigartig, Lotte arbeitet nur, wenn ihr einleuchtet, warum sie arbeiten soll. Fährtenarbeit? Alles klar, gibt am Ende Essen. Hundeschule? Alles klar, gibt am Ende auch Essen/Spielen/Spass.. Im Regen spazieren gehen? Es ist nass, kalt, widerwärtig am Bauch und das Essen, was man dabei abstauben kann ist nicht mehr, als das,was man bei Sonnenschein bekommt, ergo: lohnt sich nicht :)

Also alles in allem, Lotte und ich hatten ein wunderbares Wochenende, mit viel Spass, viel Spiel und viiiiel Streicheleinheiten. Mein kleines Supermädchen! Danke Mami, danke Friedhelm und danke Enni!

Only girls in the world

Sooo, da stehen wir also. Es nieselt, es windet, und wir warten... warten... warten... warten... warten..

Ich habe mittlerweile den Titel für diesen Blogbeitrag gefunden.

Und wir warten weiter...

Es gibt hier in der Nähe 4 Kirchturmuhren, die alle fast gleichzeitig schlagen...


Wir warten immernoch... Seit 45 Minuten...


Auf was warten wir?


Lotte probiert gerade aus, wer von uns beiden den längeren Atem hat. Ganz ehrlich. Meiner ist langsam verdammt kalt. Es geht nur drum, dass die die junge Dame ihren werten Brustkorb auf die Strasse legt. Stattdessen will sie mir einfach gerade weiss machen, dass sie nur sitzen kann. Platz? Noch nie gehört.


NIIIEEEE!!!!!!!! Ehrlich!!!!!!!!

Warten...


Unwillkürlich kommen mir die Textzeilen von Rhiannas "Only Girl in the world" in den Sinn:

Want you to make me feel like I’m the only girl in the world
Like I’m the only one that you’ll ever love
Like I’m the only one who knows your heart
Only girl in the world…
Like I’m the only one that’s in command
Cuz I’m the only one who understands how to make you feel like a man
Want you to make me feel like I’m the only girl in the world
Like I’m the only one that you’ll ever love
Like I’m the only one who knows your heart
Only one…

Und sogar die Textzeile "how to make me feel like a man" stimmt in diesem Fall. Ich verstehe sie ganz einfach nicht. Sie sitzt vor mir, schaut mich unverwandt an, bewegt sich keinen Millimeter. In keine Richtung. Mir ist kalt, ich bin furchtbar erkältet, aber jetzt auf aufgeben? NEVER!

Hier treffen gerade zwei Sturköpfe aufeinander. Dieses stumme Ringen wird hoffentlich nicht allzu oft vorkommen, aber es gibt mir einen guten Einblick in das, was mich erwarten wird, wenn Lotte in die Pubertät kommt... (Vielleicht doch besser steriliseren?!? Spass, never ever..)

Also warten wir. Ich fange an französisch Vokabeln in meinem Kopf durchzugehen. Schliesslich muss ich ruhig bleiben. Druck, Stress, würde die Situation nicht besser machen. Es ist sowieso schon gerade nicht locker flockig. Lotte schaut mich immer noch an, "Mädchen, gib auf, ich habe den längeren Atem!"

Wir stehen also am Waldrand, es hat schon lang eingedunkelt, es nieselt weiter. Wir sind ganz allein hier oben und haben einen tollen Blick auf Basel, den ich allerdings gern eintauschen würde gegen eine heisse Dusche.

Also weiter im Text. "Lotte, Plaaaatz." Ruhig, als hätte ich alle Zeit der Welt. Lott weiss auch, dass mir kalt ist. Mittlerweile nestelt sie zwischendurch mit der Nase am Boden, um zu prüfen, ob da unten auch alles klar ist.

Platz? Nein... Fehlanzeige.

Wir warten weiter.


Die Kirchtürme schlagen wieder.

Ich liebe dieses Mädel, was da vor mir sitzt. Aber Herrgott, warum muss sie in aller Welt Namen so stur sein, wie ich?


Sonst gab es heute nichts, aber rein gar nichts auszusetzen, an der jungen Dame. Sie hat die zweite Fährte toll gearbeitet. Fuss, Sitz, Brings, klappt alles. Aber Platz, dieses doofe Platz, das will sie heute einfach nicht.

Wir stehen jetzt eine Stunde am gleichen Fleck. Gucken uns an.

Like I’m the only one that you’ll ever love
Like I’m the only one who knows your heart

Jep, you know my heart, I know yours. Strong. Verry strong. Ouh darling.

Was einem da nicht so alles durch den Kopf geht. Warum bin ich genau an diesen Hund geraten? Sie ist mir wirklich ähnlich und ich merke immer mehr, wie wichtig sie für mich geworden ist. Dieses kleine sture Ding, das mich mit diesem knuffigen Gesicht unverwandt anschaut, immer mit dem Ausdruck (den ich natürlich interpretiere) "Vergiss das, Mädel, du gibst zuerst auf." Werde ich nicht. Sorry Lotte.

Eine Stunde. Am gleichen Fleck. Ich hoffe und glaube, dass ich nicht länger zu den Hundehaltern gehöre, die von ihrem Hund nur den Preis kennen. Ich kenne langsam aber sicher auch ihre Sturheit. Die ich ja sonst eigentlich mag, sie versucht sich so lange, bis sie es verstanden hat, auf der Fährte und im Agi wird ihr das zugute kommen. Sie hat einfach Biss. Ich darf mir jetzt nur nicht die Zähne ziehen lassen.

Kein Mensch weit und breit. Wenigstens muss ich mich nicht erklären. Es muss ziemlich dämlich aussehen, wie wir schweigend voreinander stehen. 2 Meter Abstand. Lotte mit ihrem blauen Leuchthalsband. Ich in meinen Wanderschuhen (die wirklich warm sind... Zum Glück) und vor Dreck starrenden Hundejeans. Würde ich uns begegnen, ich glaube, ich hätte Angst einer völlig durchgedrehten Hundebesitzerin schutzlos ausgeliefert zu sein. Aber nein, wir testen ja nur, wer den längeren Atem hat.

Ach Lotte, wenn ich dir doch nur sagen könnte, wieviel einfacher es wäre, wenn du einfach machen würdest, was ich dir sage. Aber ok, darauf hab ich auch nie gehört, Kopf durch die Wand. Recht hast du, mein Mädchen. Kampfloser Appell ist manchmal einfach auch doof.

Es nieselt weiter. Zum Glück habe ich immer Kapuzenpullis an. Meine Barbourjacke ist zwar genial winddicht und eigentlich auch wasserfest, aber ohne Kapuze wird der Kopf halt nass. Jetzt sehe ich endgültig aus, wie ein Terrorist.

Am Waldrand sehe ich einen Fuchs vorbeihuschen. Lotte nicht. Sie kratzt sich hinter dem Ohr, wie immer, wenn sie eine schwere Aufgabe lösen muss, oder gestresst ist. So schwer ist die Ausgabe nicht, also Stress. Aber aufgeben, niemals!

Die Kirchturmglocken läuten wieder. 1.5 Stunden. Nichts tun, nur stehen. Mantra eines Hundebesitzers, reloaded. Geduld will geübt sein. Wirklich gar nicht meine Stärke. Aber ok, in diesem Fall hilft einfach nichts anderes.

Ein Schritt auf Lotte zu, sie schaut mich erwartungsvoll an. Ich biete ihr ein Leckerchen an, ziehe sie damit ins Platz. Sie legt sich brav hin. Gutes Mädchen. Das hättest du ja auch die 10 Mal vorher, wo ich dir das angeboten hab, annehmen können. Stures Ding.

Manchmal muss man den jungen Dingern einfach die Hand bieten.

Das war die vermutlich härteste Lektion für uns beide. Ich nehme die kleine Maus auf den Arm und herze sie ausgiebig, hole ihr Spieltier raus und wir spielen los. Hüpfen nach Hause. Durchgefroren und beide um eine wichtige Erfahrung reicher. Manche Dinge kann man in keiner Hundeschule und auf keinem Hundeplatz lernen.

Den Dickschädel des eigenen Hundes muss man einfach erfahren. Auch wenns kalt, dunkel und nass ist. Allein auf einem Feldweg.

"Wer am längsten stur ist, gewinnt." C. Blocher

Obwohl ich kein Fan, dieses Politikers bin, ist dieses Zitat durchaus sehr passend. :)

Fährtenarbeit

Heute morgen habe ich, natürlich unter Anleitung von Renate aus dem Hundesport Allschwil (sehr empfehlenwerter Verein, supernette Leute, tolles Kursangebot, bei dem jeder auf seine Kosten kommt), die erste Fährte für Lotte gelegt, oder besser gesagt getupft.
Bisher war mir ja meistens klar, welche Lektionen auf mich und Lotte zukommen werden, aber Fährte, das ist was vollkommen neues für uns beiden. Ich war also ziemlich aufgeregt und bin trotz meiner mordsmässigen Erkältung mit der Hunderikscha hoch zum Hundesport. Im Gepäck eine gute Portion Nervosität, abgeschnittene Strumpfhosen und Nassfutter. Was man damit wohl macht?

Lotte war wie immer superaufgeregt, und ich war, als es nicht auf den Hundeplatz ging, einigermassen überrascht. Jedenfalls suchte Renate mit mir eine weit abgelegene Wiese aus, steckte einen orangen Wimpel ein und dann gings los. Genialerweise hatte ich erstmal mein Geschirr vergessen, aber ok, Anfängerfehler.

Man verpackt also das Nassfutter sexy in den Strumpf (der aus praktischen Gründen lang sein sollte) steckt sich das ganze unter den Fuss, macht ein Dreieck, um dem Hund einen Startpunkt zu geben und läuft dann in kleinen Schritten einfach geradeaus los. 20m, mehr nicht am Anfang. Am Ende leert man den Strumpf aus (Strumpf auf keinen Fall in Lottes Nähe kommen lassen, die Dinger sind echt nicht ungefährlich, wenn sie gefressen werden. Die werden nämlich nicht so einfach verdaut.).. So weit, so gut.

Aber was würde wohl Frau Lotte damit anfangen?!?
Ganz langsam also zum Fähnchen hin und siehe da, der Geruch war so dermassen spannend! Natürlich hat sie eine Weile gebraucht, um das alles zu kapieren, aber dann ist sie wunderbar mit der Nase am Boden der Fährte nachgelaufen. JUHU! Sie ist einfach ein cleveres Mädchen. Sie hat die Psur wirklich selber gesucht und am Ende auch das Fressen gefunden. Wir kennen also unsere Aufgabe für die nächsten Wochen: Fährten, fährten, fährten... Vermutlich gibt es einmal am Tag auf der Fährte zu Fressen. Und wer weiss, vielleicht werden wir ja ein solches Topteam, dass wir irgendwann mal an Prüfungen teilnehmen können? Lotte und mir hats auf jeden Fall riesigen Spass gemacht!
UND: Die Kleine ist völlig k.o. diese Nasenarbeit ist aber auch anstrengend... :) Sie wird langsam übrigens wirklich erwachsen, der nackte Babybauch wird langsam mit Fell zugedeckt.... Mein kleines Supermädchen wird groossssssss!

Anbei noch ein paar neue Fotos:



Lotte und Nic, das Duo infernale. Zwei sehr eigene Charaktere, die sich mit jedem Tag besser verstehen.



Unser Hauptfortbewegungsmittel... Was braucht man mehr, wenn man genau zwischen Stadt und Waldrand wohnt?



Lotte im Schnee mit Mantel, das arme Ding hat aber auch wirklich fies gefroren!



Mein Mädchen <3