Wir habens doch getan...

und es war GRANDIOS!
Lotte und ich waren auf der Jagd. Hier zahlen sich gefühlte tausend Stunden Rückruftraining aus, wenn der Hund erst spurlaut (!!!! ich verstehe jeden Beaglebesitzer, dem das die Tränen in die Augen treibt, tut es doch bei mir auch...)durch den Wald treibt und trotzdem zurückkommt. Ich war stolz wie Oskar. SIE KAM IMMER WIEDER ZURÜCK!!!

Die Jäger lobten mich für meinen super Hund, der ihnen ganz wunderbar Rehe und Säue aufgemacht hat. Leider standen sie meist so, dass die Jäger nicht korrekt ansprechen konnten oder das Tier einfach in keinem guten Winkel war. Stolz wie Oskar war ich und Lotte durfte Rehherz fressen.

Wir fährten fleissig weiter, an der nächsten Jagd gehts dann auch zur Nachsuche, wenn es sein muss. Auf dieser Jagd hatten wir viele disziplinierte Jäger, jeder Schuss sass. So sollte das sein.

Tausend Dank!






Wozu Beagle Ohren gut sind..

- Zum Nicht-Hören
- Zum Ausheulen
- Zum Eisbrocken sammeln
- Um Hundeparfum möglichst flächendeckend auf dem Hals zu verteilen
- Um im Wassernapf zu hängen
- Zur Essensaufbewahrung, man hängt sie gekonnt ins Futter, die hängengebliebenen Reste kann man bestens eine halbe Stunde später abschlecken
- Um Stimmungen theatralisch zu unterstreichen, man kann es kaum fassen, wie traurig Beagles schauen können, wenn auch noch die Ohren herunterhängen
- Um im hohen Gras nicht verloren zu gehen
- Um von Frauchen bei spannenden Krimis fast aus dem Kopf gedreht zu werden, sie sitzen aber trotzdem noch fest
- Um von Frauchen bei Liebesfilmen fast haarlos gestreichelt zu werden
- Damit man besonders süss aussieht, sie unterstreichen das Kindchen Schema
- Um von Welpen abgekaut zu werden (not literally)
- Um von Frauchen beim Lernen abgekaut zu werden (literally)
- Damit alle Menschen fragen können: Ist der noch jung?
- Um zu unterstreichen, dass man doch ein grosser Hund in kleiner Verpackung ist. Die Ohren sind beim Beagle immer so gross, wie das Ego 
- Um kleine Kinder anzulocken
- Um grossen Kindern die Hundeangst zu nehmen
- Manchmal auch zum Hören
- Um sich besser auf eine Fährte konzentrieren zu können (kombiniert mit Punkt 1)
- Um im Winter eiskalt zu sein und nach dem Hereinkommen genau so aufglühen wie Frauchens Gesicht
- Weil Beagles ohne ihre Ohren aussehen würden, wie kleine AmStaffs

Arbeitshunde und die Arbeit mit Hunden

Je länger, je mehr frage ich mich, in welcher Welt leben wir eigentlich? 
Wir kaufen uns Hunde, wohlgemerkt, WIR kaufen sie. Dann höre ich so schlaue Dinge, wie auch aus meinem Mund: "Aber mein Beagle jagt nicht.". Was im Grunde genommen gar nicht stimmt. Sie jagt eigentlich doch, nur einfach nicht vogelfrei, sondern in bestimmten Rahmensituationen. 
Ich gehe, wie der geneigte Blogleser weiss, gerne und mittlerweile viel fährten. Ich habe das aber schon in sehr zartem Alter mit Lotte begonnen und je länger je mehr habe ich unglaublich Spass daran. Lotte natürlich auch, sie darf einmal in der Woche das tun, wofür sie gezüchtet ist. Sie darf mit der Nase jagen. Das findet sie so grandios, dass sie schon, sobald sie weiss, dass die Fährte liegt, fast einen Salto macht und ich sie an die Leine nehmen muss, weil ich meistens, um es schwieriger zu machen, die Fährte liegen lasse und einen Spaziergang mache. Lotte kriegt sich dabei kaum ein. Sie fipst, winselt und will einfach nur zurück, endlich arbeiten dürfen. Sobald es auf die Fährte geht, geht sie ab. Und wie. Vielleicht überläuft sie manchmal die Winkel, ich lege die Fährten sicherlich oft auch nicht so, wie man das machen sollte, aber egal. Es ist einfach just for fun, ich verfolge damit kein sportliches Ziel, sondern ich verfolge damit das Ziel meinen Hund artgerecht und korrekt auszulasten. 
Sie ist ein Nasenhund, wie alle unsere Hunde. Besonders die Jäger unter unseren Vierbeinern. Bei Lady, unserer grossen Schweizerin bin ich manchmal gar nicht so sicher, ob die Nase nicht einfach nur ein hübsches Beiwerk ist, 
Ich konstatiere hier, wie immer unwissenschaftlich, dass Tiere, wenn sie das tun dürfen, wofür sie ausgelegt sind, Spass am Leben haben. 
Letztens wurde mir etwas zugetragen, das mich, obwohl ich die Trainerin, aus deren Mund die Aussage kam, sehr respektiere, stutzig gemacht hat. 
"Fährtende Hunde arbeiten selbstständig und durch dieses selbstständige arbeiten kann es auch passieren, dass die Hunde selbstständig jagen gehen." (So ungefähr zitiert)
Im ersten Augenblick hatte ich das Gefühl, dass das durchaus sinnvoll ist. Je länger ich allerdings darüber nachdenke, umso unsinniger wird diese Aussage. Es pervertiert sozusagen Zuchtbemühungen. Für mich stellt sich das Bild wie folgt dar: Jemand kauft sich, gewollt oder nicht, einen Jagdhund, dieser Hund ist ausgelegt seine Nase zu benutzen. Aus diversen Studien weiss ich, dass ein Verhalten, wenn es unterdrückt wird und das wird das natürliche Jagdverhalten des Hundes durch uns sowieso schon, zu Übersprungshandlungen und extremeren Handlungen führen kann. Sprich, wenn der Hund dann einmal dazu kommt einer Spur zu folgen, dann wird er sie nicht mehr loslassen. Rückruf hin oder her. Auch hier führe ich eine unwissenschaftliche Aussage an, ich bin der Meinung, dass ein Hund, auch wenn er auf der Nase nicht gefördert wird, das Riechen nicht verlernt. 
Wenn ein Hund nun schon Jagdverhalten zeigt, ist es nicht cleverer dieses Jagdverhalten in einen anderen, gewollten Kontext zu setzen? Ist es nicht intelligenter, wenn man dem Hund beibringt einer menschlichen oder einer Tropffährte aus Blut, Katzenfutter oder sonstigen Widerwärtigkeiten zu folgen, als ihm das Jagen vollständig zu versagen oder auf gut Glück durch den Wald zu laufen und zu hoffen, dass keine frische Fährte findet? 
Natürlich arbeitet Lotte die Fährte selbstständig, ihrem Geruchssinn kann ich nicht einmal ansatzweise Paroli bieten und möchte das auch gar nicht. Aber der Ansatz, dass sie es ganz allein macht, stimmt eben auch nicht. Letzte Woche war ich so fahrig und durch den Wind, dass ich  Lotte vollkommen aus dem Konzept gebracht habe. Wir mussten die Jagd schliesslich gemeinsam abbrechen, nicht wegen ihr, sondern weil ich so unkonzentriert war. Sie konzentriert sich also trotzdem auf mich -  oder gerade deswegen, weil sie die Fähigkeit hat mich zu führen? Fährten ist in meinen Augen Teamarbeit.
Natürlich lernen Hunde auf der Fährte ihre Nase zu benutzen, aber sie lernen, einem bestimmten Geruch zu folgen. Es käme ja auch niemand auf die Idee zu behaupten, dass ein Drogenspürhund ein Jäger ist, weil er weiss, wofür seine Nase an der dafür vorgesehenen Stelle angewachsen ist. 
Lotte läuft also fährtend vor mir her, aber ich erkenne, wann sie abkommt, gebe ihr Kommando. Am Ende bin ich diejenige, die den Napf aufmacht. 
Nach dem Fährten sehe ich einen unglaublich zufriedenen Hund, der nach 20 Minuten Arbeit so müde ist, dass er zwei Stunden zufrieden schläft, ohne einen Mucks. Ich habe den Hund also auf eine Art ausgelastet, die ihr gut tat. Sie durfte das tun, was WIR seit vielen, vielen Jahren in den Genen dieser Hunde versteckt haben. 
Ich exponiere mich sogar noch weiter, ich behaupte, dass es genau das Fährten war, neben meiner unermüdlichen Appellarbeit, die dazu geführt haben, dass Lotte praktisch nicht auf eigene Faust jagen geht. Sie weiss, dass sie in einem, von mir gestecktem Rahmen, die Freiheit dazu bekommt. Wenn ein Verhalten, ich erinnere mich dunkel an mein Studium, unter einer Schwelle gehalten wird, weil es immer wieder ein bisschen, oder wenigstens ansatzweise ausgelebt werden darf, dann wird es, wenn sich wirklich die Möglichkeit dazu bietet sehr viel weniger stark ausgelebt werden oder gar nicht zu Tage tritt. So erlebe ich das Tag für Tag, wenn ich durch den Wald laufe. 
Es stört mich oft, dass wir versuchen den Hunden, denen wir in fast unermüdlicher Zuchtarbeit bestimmte Aufgaben zugewiesen haben, heute innerhalb von wenigen Generationen diese wieder abzugewöhnen. Müssen wir nicht vielmehr daran arbeiten, sie umzulenken oder in ein Teamwork zu integrieren? Das gilt für mich genau so für den Border Collie, wie für den American Staff, diese Hunde sind intelligent, stark und clever. Boder Collie sind aus einem guten Grund meisterhafte Agilityathleten, warum? Weil sie schnell sind und unglaublich auf ihren Führer bezogen. 
Warum sollten wir unsere Jagdhunde nicht darauf trainieren mit uns eine nachgestellte Jagd zu unternehmen? Und zwar egal, ob Vorstehhund, Grubenterrier oder Laufhunde, sie alle verfügen über eine wahrhaft meisterliche Nase.  
Warum können wir nicht die Talente, die unsere Hunde mitbringen nutzen und sie fördern und zwar so, dass beide etwas davon haben. Die Nase des Hundes ist eben nicht wie bei uns ein hübscher Brillenhalter, die hat doch tatsächlich einen Nutzen. Warum lassen wir diesen Nutzen so einfach aussen vor oder unterdrücken ihn willentlich? Wir haben einen Dackel bei uns im Hundesport, die genau wie Lotte sehr, sehr früh angefangen hat zu fährten. Anfangs war ich auch skeptisch, ich wollte auf keinen Fall, dass Lotte ihre Nase am Boden hält, aber die Dackelbesitzerin hat mir ein paar Tricks und Kniffe gezeigt, die uns sehr geholfen haben. Auch dieser Dackel jagt nicht. 

Mich würde wirklich die Meinung meiner Leser interessieren, wie seht ihr das? 

Ein Leben ohne Hund ist möglich...

.. aber es lohnt sich nicht.
Zu diesem Blog inspirierte mich wieder einmal Frau von der Leyen, die mit ihren wahnsinnigen Kolumnen jedes Mal mein Herz berührt. Thema dieses Mal, Nichthundemenschen die Beziehung zu einem Hund näher bringen. Nichts könnte schwieriger sein. Sie verstehen einfach nicht, dass man als "Hundemensch" durchaus in der Lage ist normale menschliche Beziehungen einzugehen, man nicht verschroben (oder nur ein bisschen) ist und auch Dinge tut, die andere Menschen zu tun pflegen. Vielleicht nicht so häufig.
Wie oft ernte ich mitleidige Blicke, wenn ich sage, dass ich mit 25 einen Hund besitze und mir nichts mehr wünsche, als mein Rudel zu vergrössern? Am liebsten noch einen grossen, richtig flotten Hund dazu. Border Collie, Aussie, Cattle Dog, etwas, das hütet, ohne zu jagen. Natürlich bin ich auf meine Art verrückt, ich gehe praktisch nie reisen, ausser mit Hund. Aber ich würde auch mit Hund nicht mehr und nicht weniger reisen gehen. Es ist einfach nicht so mein Ding, grosse Städte finde ich schrecklich, ich hasse nichts mehr als Flugreisen, weil ich panische Angst vor diesen Dingern habe. Am liebsten würde ich die Welt zu Fuss erkunden. Und da passt ein Hund bestens rein.
Nichthundemenschen begegnen mir oft mit solchen, oder ähnlichen Sprüchen:

Meine heutige (btw tolle) Chefin fragte mich an meinem Bewerbungsgespräch, warum ich meinen Hund als "Hobby" angegeben hätte. Zum Glück unterdrückte ich den spontanen Einwurf "Hätte ich es als Lifestyle angeben sollen?". Ein bisschen mitleidig sah sie mich an, als ich verliebt von meinem zukünftigen Hundebaby erzählte, sie scheut sich auch nicht, mich immer wieder nach Lotte zu fragen, aber ein bisschen strange findet sie es schon. Da Lotte in den letzten zwei Jahren hin und wieder krank war, gerne zu den schlechtesten Momenten, ist sie der Meinung, dass Hunde fast anstrengender (und teurer) sind als Kinder.
Trotzdem bezeichne ich mich sehr ungern als "Hundemama" und finde es immer sehr gewöhnungsbedürftig, wenn andere Menschen von sich als "Hundemutter" sprechen. Ich möchte doch kein Kind haben, dass sich in Kotze wälzt. Ausserdem hat sie entschieden zu viele Haare, die sich in meinem Bett breitmachen können, wenn sie ihr ausfallen. Ich würde auch mein Essen nicht wieder hervorwürgen, damit Lotte sich den Bauch vollschlagen kann, so wie Lady es (zu meinem Entsetzen) nachts neben meinem Bett getan hat, damit ihre Lütten auch genug Futter bekamen.
Ich gebe auch keine Geburtstagsfeste für meinen Hund, backe Kuchen oder sonstiges. Nein, ich bin keine Hundemutter, ich bin Hundebesitzerin, nerviges anderen Leinenende, "du" oder so, nicht Mama.

Andere Menschen im meinem Umkreis sind gerne der Meinung, dass ein Hund wirklich unglaublich viel Arbeit macht. "Also ich hätte gerne einen Hund, nur nicht 24 Stunden am Tag." Ein Kommilitone. Bitte?! Auch wenn ich gerne viel mit Lotte unternehme, sie den ganzen Tag um mich haben möchte, ich bin hier nicht der Alleinunterhalter. Wenn ich Lust habe auf Fernsehen, dann geht der Hund auf seinen Platz. Fertig. Wenn ich für die Uni arbeite, dann hat sie mich nur in homöopathischen Dosen daran zu erinnern, dass sie da ist. Natürlich wäre es ein Traum meinen Hund mit ins Büro zu nehmen, aber nicht, weil ich dann dort mehr Ablenkung hätte, sondern weil sie einfach nicht allein zu Hause wäre.
Und dann erst die Hundehaare! und der Gestank! beides lässt sich, man glaube es, oder auch nicht, durch tägliches Saugen im Griff behalten. Febreze und Bodenputzmittel sind treue Helfer. Es kostet mich am Tag fünf Minuten und meine Wohnung stinkt nicht und auch Menschen mit Hundehaarallergie können bei mir sitzen, ohne zu ersticken. Sogar länger als fünf Minuten.

Ich finde meinen Hund nicht wichtiger, als Menschen in meinem Leben, aber wie Katharina von der Leyen richtig bemerkt, sie gibt mir einen ganz anderen Blick aufs Leben. Sie ermöglicht es mir allein zu sein, ohne allein zu sein. Tolle Aufgaben zu entwickeln, ohne, dass mir jemand reinredet und ich trotzdem guten Gewissens vor mich hin brabbeln kann. Zwei Stunden Arbeit auf dem Hundeplatz, eine Partnerin beim Joggen, die mich im wahrsten Sinne des Wortes mitzieht ohne mich zu nerven, Ablenkung und Motivation zugleich, Erkältungs- und Winterdepressionsvorbeugung.
Hundemenschen verstehen die Art von Beziehung, die ich zu meinem Hund pflege. Sie könnte niemals die Beziehung zum Mann in meinem Leben ersetzen, oder zu meiner Familie. Aber es ist ein Stück meiner Familie, Hunde gehören seit jeher dazu und geben jedem Ort, an dem ich fremd bin, ein  Stück Wärme.

Ich könnte mich am Tag mehrfach kaputtlachen über Lotte, heute traten mir vor lauter Glück und Liebe die Tränen in die Augen, weil sie so süss eine Hasenjagd erträumte. Eine halbe Stunde später hatte sie ihre Aufmerksamkeitsminuten, die sich damit einläutete mir auf den Rücken zu springen, als ich vor dem Tiefkühler sass.
Wenn ich mit Nichthundemenschen spreche versuche ich immer, Lotte nur als "Köter" darzustellen. Oder ich gehe gleich in die Vollen und stelle mich als total spleenig dar. Spätestens der Blick auf mein Facebookprofil zeigt deutlich, wie gern ich mein Leben mit ihr teile. Ich habe es mittlerweile aufgegeben mich zu erklären, es ist einfach, wie es ist. Es ist eine Leidenschaft, eine ähnliche Leidenschaft, wie meine Mutter sie zu ihren beiden Hundemädels hat. Trotzdem ersetzen ihre Hunde ihre Kinder nur sehr ungenügend oder auf einer ganz anderen Basis, das liegt schon allein daran, dass Lady und Sunny nicht halb so gut mit dem Mac umgehen können wie ich.

Hunde sind kein Menschenersatz, aber sie sind wunderbare Geschöpfe, die unser Menschsein um einen unvergleichlichen Schatz bereichern, der uns eine Art von Zuneigung, Tröstlichkeit und Hingabe lehrt und den Umgang mit Rückschlägen. Mo war mein unvergessener Herzehund, Lotte ist meine unerschrockene, freche Begleiterin. Hat sie einen ihrer Bombentage, dann gibt sie alles, wirklich alles für mich. Sie spiegelt mich und mein Verhalten so stark, dass sie, wenn ich unkonzentriert bin, die Fährte verliert.
Jeder Hund gibt uns ein Geschenk, das unser Leben bereichert. Sie nehmen uns, ohne uns zu werten. Folgen uns unerschrocken ins dunkelste Tal und trotzdem sind sie eine Herausforderung für sich. Welcher Hundehalter hat nicht mit Frust umgehen lernen müssen, den ein scheinbar gehörloser Hund in einem aufbauen kann. Oder eine eingeschlichene Marotte, die sich so schwer wieder abtrainieren lässt, weil sie schon eingefahren ist. (Lotte bettelt zum Beispiel, wenn man essend auf dem Sofa sitzt-nervig. Aber ich erwische mich jedes vierte Mal dabei, dass ich ihr etwas abgebe, es ist ja nur das Sofa......... Von dem Mann in meinem Leben ganz zu schweigen.)

Liebe Nichthundehalter, es tut mir leid, wenn ihr nachvollziehen könnt, warum ich so viel Spass daran habe einen Blog über meinen Hund zu schreiben. Wenn ihr es komisch findet, dass ich von Beziehung zu meinem Hund rede und ihr insgeheim denkt, dass wir alle einer komischen Sekte angehören, die Vierbeiner anbetet. Ich wünsche euch, dass sich eines Tages ein tapsiger kleiner Welpe auf eurem Schoss zusammenrollt und sich in euer Herz krallt, der nicht fragt, wer ihr seit, sondern euch vom ersten Blick an bedingungslos liebt. Und euch drei Monate später den letzten Nerv raubt, weil er zweihundert Bücher gefressen hat, die neuen Schuhe, eine Haarbürste, mehrere Hundebetten auseinandergenommen hat, mit dem Stopfmaterial von Ikeaspielzeugen Frau Holle gespielt und dann freudig in die Wohnung gepieselt hat. Das war der Teil, den ich mit Selbstbeherrschung meinte, ich habe immer Mühe damit, Lotte für so Blödsinn nicht zusammenzustauchen, aber sie weiss es nicht mehr. Auch deswegen leben Hundehalter eher im "jetzt".

Und wer am Tag mindestens einmal den Wald von innen sieht, der ist einfach näher an der Erde, als an der Sonne. Wunderbar.





Agilitytraining!!

Hell yeah! Wir habens getan, wir gehen, wie so viele andere Menschen auch, ins Agility.
Und das kam so:
Agility? So ein Blödsinn, meine Einstellung zu diesen durchgedrehten Border Collies, die sich kaum beruhigen können, wenn sie ein Hindernis sehen. Die sich fast umbringen beim Versuch einen Tunnel zu durchfliegen, und dann die Menschen erst! Jedes Wochenende im Camper bei anderen Meetings? Die sind doch völlig durchgedreht. CRAZY! Agilitymenschen sind fast so schlimm wie BARFER. Ich habe sie mit ihren kläffenden Kötern, wenn sie auf dem Platz neben uns trainiert haben, gekonnt ignoriert und Lotte hats auch nicht weiter gestört. Die Viecher drehen auch immer so auf, wenn sie auf den Platz kommen, schrecklich.

Bis, ja, bis... wir einmal diesen vermaledeiten Parcours ausprobieren durften, weil unsere Agimannschaft (sprich: Aschi, nicht Arschi) bei Regen den Platz nicht betritt (bisschen Weicheier, aber das ist auch nur eine Plauschgruppe). Was sich da herausstellte war erstaunlich. Lotte hatte mitnichten die Agimannschaften ignoriert, nein, sie hatte offenbar intensiv zugeschaut (ist mein Hund multitaskingfähig?) und nur auf ihren Einsatz gewartet.

Lotte fegte über den Parcours wie eine Wilde, Tunnel, Sprung, Sack, Reifen, furchtlos, wie mein Beagle eben ist, drüber, drunter, YEAH! Der Spass stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Ich war baff. Nicht doch, wir wollten doch Fährten, DiscDogging und Underdogsport betreiben, Dinge, die nicht alle machen, wie Agi.
Ein Trainingspartner von mir, dessen Frau mit deren Hunden (eingefleischte Agi Menschen besitzen mehr als einen Hund) Agi betreibt, sah zu und erkannte gleich das Potential, er zeigt uns einige kleine Dinge, und Lotte war Feuer und Flamme!
Ehrlich gesagt, mir hat es auch bombig Spass gemacht, es ist schon cool, wenn man sieht, wie der eigene Hund abdrücken kann und dann auf einmal springt, wie eine Gazelle, furchtlos durch den Tunnel rennt, um des Rennens Willen, nicht, weil sie nachher ein Leckerchen bekommt.
Er gab mir also die Adresse einer Trainerin, widerwillig nahm ich sie an, ignorierte sie ein paar Tage auf meinem Handy. Das konnte doch nicht wahr sein! Einen Agihund?!?

Wir liefen in der folgenden Woche nochmal über den Parcours, nur um sicher zu gehen, dass die Trulla auch wirklich, wirklich Spass daran hat und nicht aus Feuereifer, weils mal was anderes ist, mitmacht. Sie fand es noch viel besser, als beim letzten Mal. Sogar beim Spielen hüpfte sie fröhlich über die Sprünge und nahm den Tunnel und den Sack als willkommene Ablenkung gegenüber den anderen Hunden. (Normalerweise lassen wir unsere Hunde nicht über den Parcours spielen, aber das ist eine andere Geschichte.)

Ich musste mich ein weiteres Mal dem Beaglewillen beugen. Ich schrieb also fleissig eMails, weil bei der Trainerin nicht gerade ein Platz frei war. Für mich ist es ausserdem ein bisschen schwierig mit den flexiblen Arbeitszeiten zu einer bestimmten Zeit an einem Ort zu sein, also empfahl sie mich weiter. Yippieyeah! Wir haben jetzt eine Schule gefunden, wo wir trainieren können. Und es macht Spass wie nichts, Lotte ist flotte unterwegs, sie liebt die Sprünge, sie ist alt genug und ausgewachsen für alle anderen Geräte und hat keinerlei Angst vor gar nichts. Einfach nur toll. Wir haben riesigen Spass, wer hätte das gedacht?
Es ist richtig irre, leider für mich auch eine gut komplexe Angelegenheit, Drehung hier, Drehung da, Belgier, Japaner, meine Koordination, die ich beim Fährten nicht unbedingt brauche, wird hier mehr als strapaziert. Lotte guckt mich manchmal ganz hilflos an, wenn ich mit verdrehten Armen und überkreuzten Beinen auf dem Platz stehe.

Aber wir kriegen das hin! Und dafür lassen wir das Frisbeespielen fallen, ich beuge mich dem Hundewillen. In diesem Fall bringt das Spass-hoch-zwei! :-)

Wer weiss, vielleicht gibts das erste Meeting im nächsten Jahr? Mhhhh, ich wollte nie ein Agimensch werden, aber mein Beagle hat offensichtlich anders entschieden.

Freude an einem Hund haben sie erst, wenn sie nicht versuchen,
aus ihm einen halben Mensch zu machen.
Ziehen sie statt dessen doch einmal die Möglichkeit in Betracht,
selbst zu einem halben Hund zu werden.
Edward Hoagland

Guilty as charged.....Es wird wohl nicht mehr besser mit mir ;-)



Beagles, diese gefährlichen haarigen Biester!

Kein Witz, mit grösstem Schrecken las ich die neueste Studie über angriffslustige Hunde und siehe da. Ich habe einen Kampfhund zu Hause. Den schlimmsten von allen!! Beagles werden in dieser Studie als die angriffslustigsten Hunde gegenüber ihren eigenen Haltern angegeben.
Der geneigte Beaglebesitzer mag sich fragen, woran das liegt. Es ist offensichtlich. Diese Studie wurde in den USA verfasst, dort ist es mit dem Auslauf nicht so weit her, leinenfrei zwei Stunden durch den Wald wandern? Weit gefehlt. Das bekommt einem Beagle einfach schlecht. Lotte würde allerspätestens nach zwei Tagen meine gesamte Wohnung umbauen, nach zwei Wochen hatte ich vermutlich keine kompletten Türen mehr und irgendwann würde sie mir vor lauter Wut und Energie ins Gesicht springen. Nur schon der Gedanke daran lässt mich erschaudern, weil sie ziemlich hoch springen kann, wenn sie möchte.
Beagles sind und das zeigt diese Studie sehr eindrücklich nicht die einfachsten Hunde. Ich habe das ja schon mehrfach auch aus meiner eigenen Perspektive an dieser Stelle betont. Lotte wäre der absolute Horrorhund, wenn ich mir nicht so viel Zeit nehmen würde. Auf der anderen Seite nimmt sie es dann locker, wenn ich eben nicht so viel zu Hause bin. Job und Uni sind manchmal schwer unter einen Hut zu bringen, aber ich habe mich entschlossen einen Hund zu haben, also geht ein Grossteil oder besser, der grösste Teil meiner Freizeit für meinen Hund "drauf". Ich sehe Lotte als mein ganz persönliches Wellnessprogramm, Dreckstreifen im Gesicht und auf der Hose, durchgeschlabberte Pullis, dreckige Hosen und Wanderschuhe machen mich glücklich. Das muss man als Beaglebesitzer wissen, sauber nach Hause? Dann wars ein Scheissspaziergang. Man sollte wirklich und das meine ich ernst, davon überzeugt sein, dass man das mag.
Zur Gewöhnung empfehle ich einige Stunden im Regen, im knietiefen Matsch bei minus fünf Grad zu verbringen und dabei immer noch Stimmung zu machen. Ohne die würde Lotte bei dem Wetter nämlich nicht freiwillig fünf Meter gehen, geschweige denn arbeiten. Aber nur ein müder Beagle ist ein Beagle, der die Wohnung heile lässt und auch mal einen Tag allein bleiben kann. Ich habe ja das Glück, vielleicht habe ich einiges richtig gemacht, dass ich einen Beagle habe, der so ausgeglichen ist, dass sie nicht das Gefühl hat, dauernd auf der Pirsch sein zu müssen. Trotzdem gibt es Tage, an denen Lotte mir spurlaut abstrotzt und ich wie ein Wahnsinnige hinterherpfeife und fluche, wie ein Rohrspatz. Zum Glück weniger als alle zwei Monate einmal, deshalb gibt es unbeschränkt Freilauf. Und sie ist nach 4 Minuten wieder am Platz, sonst folgt Montezumas Rache und Lotte hasst nichts mehr als eine Schleppleine.
Aber diese Untersuchung zeigt eben, dass Beagle eigenwillige, selbstständige Hunde sind und ich wünsche mir nichts mehr, als dass sie so bleiben dürfen. Ich wünsche mir inständig, dass die Züchter nicht versuchen, einen "will-to-please" in einen Hund zu züchten, der, wenn man ihn richtig hält (dazu braucht man nicht zwingend einen Garten) einfach genial ist. Ich ernte langsam die Früchte von zwei Jahren harter Arbeit, an mir, an meinem Hund, ich habe unglaublich viel gelernt an Lotte. Dafür habe ich jetzt einen Beagle, der mir sein Herz schenkt, auf der Fährte, im Agiparcours, beim Spielen, beim Wandern. Sie arbeitet für mich, weil ich für sie arbeite. Wenn sie keinen Bock hat, dann muss ich damit leben oder mir etwas besseres einfallen lassen. Eine solche Einstellung kannte ich von keinem unserer anderen Hunde, aber ich möchte es nicht missen.
Jeder, der mich fragt, ob er sich einen Beagle anschaffen sollte, dem rate ich kategorisch ab. Nur wer sich schon in dieser Frage durchbeisst, der hat eine Chance, einen gut erzogenen Beagle zu bekommen. Ich kann mich noch gut an den Moment erinnern, als endlich, endlich klar war, dass ich mein Mädchen bekomme. Ich sass im Bürosessel und habe geheult wie ein Schlosshund, ich habe mich gefreut, wie ein kleines Kind. Damals war mir noch nicht klar, dass dieses kleine, dreifarbige Monsterchen eine so treue Begleitung werden würde, wie mein Labbi. Jetzt schnarcht sie, wie immer, wenn ich am Schreibtisch sitze, auf ihrem Bett, würde ich sie jetzt rufen, dann würde sie es sich auf meinem Schoss bequem machen. Beagles sind eigen, Besitzer von ihnen sollten es auch sein.
Es ist kein Witz in diesem Büchern über Beagles, dass sie keinen Kadavergehorsam haben, aber sie können, wenn sie wollen mit dem richtigen Besitzer. Mit der richtigen Motivation, die bei Lotte definitiv nicht übers Fressen geht. Ich würde allerdings anfügen, dass man als Beaglebesitzer auch eine Art Erziehung mitmachen muss, Lotte hat mich bestens im Griff, wenn sie eine erhöhte Sitzposition wünscht. Besuchern wird ebenfalls besonders schnell beigebracht, dass sie gefälligst den Schoss freizumachen haben. Aber wer könnte meiner Lotte schon widerstehen?

Es tut mir weh, wenn ich diese Studie lese. Denn ich frage mich, wie schlecht es diesen Hunden gehen muss, die auf ihr eigenes Herrchen losgehen. Wie verzweifelt müssen diese Hunde sein? Lotte würde nichts ferner liegen, als auf mich loszugehen, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. Wenn ich einen ganzen Tag (und den haben wir mindestens einmal in der Woche) mit ihr unterwegs bin, dann ist es das grösste für sie, wenn ich noch ein bisschen mit ihr auf dem Hundebett liege, sie sich ankuscheln darf und dann wohlig warm, wie ein kleiner Ofen, einschlafen darf. Ich nehme jetzt meinen kleinen Ofen, trage sie, wie jeden Abend in ihr Bett, das neben meinem Bett steht und höre ihrem Schnarchen zu.

Religionsfreiheit

Im allgemeinen und im Besonderen haben Hundemenschen eine sehr spezielle Art. Jeder hat so sein ganz eigenes Gärtchen, dass er hegt und pflegt. Wer sich einen Hund neu anschafft, der versteht, was ich meine. Man bekommt ungewollt Tipps von jedem Hundehalter, die sich nicht selten diametral gegenüberstehen und man manche Tipps auch mit viel gutem Willen nicht bis ins letzte Detail verstehen kann. 

Angefangen bei der Frage, wo der Hund schläft (im Bett, auf der Couch, in seinem Bett oder auf dem Boden), weiter bei der Frage, welches Halsband man möchte (Zugstopp, mit Schnalle, eine Kette, mit Neopren unterlegt), die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Eine ganze besondere Frage stellt sich aber dem besonders eingefleischten Hündelern. Was frisst mein Hund????
Mein Hund frisst Trockenfutter (Wolfsblut, Happy Dog oder so) mit Nassfutter (Terra Canis). So weit, so gut. Damit bin ich zufrieden, sie scheisst moderat viel (ist ja auch kein Kalb) ist fit, glänzt wie eine Speckschwarte und frisst es leidlich gern. Lotte ist einfach kein typischer Beagle, der alles in sich hineinschaufelt. An alle Nichthundehalter, Hundehalter sind wie Eltern, sie kontrollieren jeden Schiss ihres Hundes und kommentieren diesen gern und auch ungefragt gern. Hundehalter wissen stets, wie ihr Hund zu scheissen hat. "Heute hatte er wieder zweimal Durchfall." Ist durchaus etwas, was sich Hundehalter erzählen - wenn sie sich vier Minuten kennen. Diese Idee, dass man Hundekacke zu sammeln hat, hatte bestimmt ein Hundehalter. So hat man noch mehr Kontrolle. 

Ich schweife ab. Mein Thema war Religionsfreiheit, es gibt eine Gruppe unter den Hundemenschen, die gehören einer Sekte an. BARFER. BARF= Was auch immer, es gibt mittlerweile einige Uebersetzungsmöglichkeiten, es geht aber um biologisch artgerechtes Futter. Barf heisst übrigens in der englischen Uebersetzung auch Erbrechen. Die gebarften Hunde werden mit rohem, mittlerweile aufgetautem, rohem Fleisch, Knochen und Gemüseflocken ernährt. Die Methode war lang umstritten, da Krankheiten durch das rohe Fleisch übertragen wurden und es durch einseitige Ernährung zu starken Mangelerscheinungen kam. Dies konnte man unterdessen lindern. 

Eins ist allerdings immer deutlicher, Barfer haben das Gefühl, ihre Fütterungsmethode sei die einzig richtige. Sie überschlagen sich vor Freudensprüngen, ihre Hunde seien fit, gesund, sie scheissen wenig  (s.o.), glänzen und haben eine bombastische Figur. Neueste Barferin, meine Mama. Ganz stolz hat sie mir davon erzählt. Ich finde das auch richtig cool, bei zwei Kälbern zu Hause würde es für mich auch einen Unterschied machen, ob ich täglich zwei Mal 400 Gramm oder fünf Mal ein Kilo Kacke einsammeln müsste. Eines kann man Barfern jedenfalls nicht vorwerfen, ihre Hunde sind ihnen definitv nicht egal. Sie stehen in Küche, zerhacken im dümmsten Fall noch das Fleisch, tauen es im Kühlschrank auf und bestreuen es mit Pulver. Jeden Morgen den Geruch von rohem Fleisch, Pansen, Leber oder ähnlichem in der Nase haben, das ist definitiv nichts für Weicheier. (Man erinnere sich, BARF`=erbrechen)

Ich möchte nicht ausschliessen, dass ich dieser Sekte eines Tages auch beitrete, aber im Augenblick ist Lotte total zufrieden mit dem, was in ihrem Napf landet. Barfer benehmen sich manchmal, nicht alle,  wie die Mütter, die ihren Kindern nur Holzspielzeug zum Spielen geben, einmal in der Woche einen Smartie reichen und jeden Abend vor dem Einschlafen den Namen gemeinsam tanzen. Natürlich ist das klasse fürs Kind, aber hei, manchmal muss es eben Mäcces sein. Die  Kinder dieser Mütter heissen Lea-Sophie, Rahel oder Luca, weil sie einen alten biblischen Namen haben. 
Lotte hat eben mehr Party im Napf und ich habe morgens nicht schon einen latenten Kotzreiz. Damit ist uns beiden derzeit geholfen. Ich möchte hier auf keinen Fall sagen, dass BARFEN etwas schlechtes ist, das ist es ganz bestimmt nicht. Aber es gibt auch noch andere Wege seinen Hund gesund zu ernähren.